Mittwoch, 22. Januar 2014

Erklärung für Bremer UFO-Alarm - Erste Reaktionen deutscher UFO-Forscher


Symbolbild: UFO-Alarm in Bremen (Illu.). | Copyright: grewi.de

Saarbrücken (Deutschland) - Der UFO-Alarm rund um den Bremer Flughafen vom Abend des 6. Januar 2014 wird zweifelsohne als einer der großen deutschen UFO-Vorfälle in die Geschichte des UFO-Phänomens hierzulande eingehen, sorgte er doch nicht nur bei den Beamten, die das unidentifizierte Flugobjekt mit eigenen Augen sahen für Rätselraten sondern auch international für Aufsehen und Interesse. Die jetzt gemeinsam mit Bremer Polizei und Staatsanwaltschaft vorgelegten Ermittlungsergebnisse (...wir berichteten) führen schon kurz nach Bekanntwerden zu nicht weniger kontroversen Diskussionen. Wir haben Vertreter der deutschen UFO-Forschung um eine erste Einschätzung zur offiziellen Erklärung geben, laut der es sich um ein Modellflugzeug und Verwechselungen mit dem Einsatzhelikopter der Polizei und einem wartenden Flugzeug gehandelt haben sollte. Wie sich zeigt, bleiben trotz offizieller Erklärung wichtige Fragen offen.

Nach der Auswertung von über 50 Hinweisen und diversen Zeugenbefragungen gaben die Staatsanwaltschaft Bremen und die Ermittler der Kriminalpolizei am Dienstagnachmittag folgende Bewertung des Falls ab:

"Der weiterhin unbekannte Betreiber des nicht identifizierten Flugobjekts dürfte aus der Modellflug- bzw. Multicopterszene kommen. Darauf deuten Zeugenaussagen von Beobachtern und Experten hin. Einige Bürger dürften den eingesetzten Polizeihubschrauber beobachtet und beschrieben haben. Hinweisgeber aus dem Bremer Westen werden zu ihrem Beobachtungszeitraum eine Air France Maschine in ihren Warteschleifen über Bremen gesehen haben. Das hat die Auswertung von Geo-Daten ergeben." (...wir berichteten)

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Mit dieser Einschätzung liegen die Beamten mit den einem exotischen oder gar außerirdischen UFO-Phänomen skeptisch gegenüberstehenden Forschern der Internetseite "UFO-Information.de" (UI) nahezu auf einer Linie: "Zunächst einmal bin ich den Behörden dankbar, dass man nach zwei Wochen endlich wieder etwas zum Vorfall erfahren hat. Bei zahlreichen Versuchen via Telefon und Email biss ich bei den Behörden auf Granit", erläutert UI-Sprecher Dennis Kirstein gegenüber "grenzwissenschaft-aktuell.de".

"Die Ermittlungsergebnisse der Behörden decken sich in den entscheidenden Momenten mit unseren Recherchen, gerade was die Sichtungen ab 18.31 Uhr anging. Wir haben in den vergangenen Tagen versucht die einzelnen Fälle, soweit überhaupt aus den Medien bekannt, nachzuvollziehen und sind auf einige Parallelen mit den in Warteschleife fliegenden Flugzeugen gestoßen. Gerade bei der Sichtung der Polizeibeamten um 18.31 Uhr sind die Hinweise (Uhrzeit, Richtung, Höhe) derart signifikant, dass es sich unserer Meinung nach zweifelsfrei um den Lufthansa-Flug LH356 handeln musste. Auch das bekannte Foto mit Langzeitbelichtung geht auf ein Flugzeug (LH5MM) zurück.

Für uns war lediglich die alles auslösende Sichtung des Towerlotsen um 18.09 Uhr ungeklärt. Wir favorisierten zwar auch irgendeine Art von Flugmodell, doch die bekannten Aussagen der Pressemeldungen ließen reichlich Spielraum für Spekulationen. Wir hätten uns auch den Planeten Jupiter vorstellen können, der exakt in Sichtung des beobachteten Flugobjekts vom Tower aus lag. Nachdem die Polizei nun nach eigenen Aussagen über 50 Hinweisen nachging, müssen wir annehmen dass Ihnen Erkenntnisse vorliegen, die eindeutig in Richtung RC-Flugmodell tendieren.

Es ist schade, dass wir bis jetzt noch keinen Zugang zu diesen Augenzeugenberichten haben und wir uns hier auf die Ermittlungen der Polizei verlassen müssen. Hier wird jeder konspirativen Theorie Tür und Tor geöffnet. Im Fall Bremen halte ich das für völlig unbegründet. Ich gehe nicht davon aus, dass man den RC-Piloten jemals fassen wird, doch das vom Lotsen gesichtete Objekt und dessen bekannte Flugeigenschaften geben keinen Grund zum Anlass in diesem Fall an ein anomales Phänomen zu glauben. Anhand der bekannten Aussagen kann man diesen Vorfall um 18.09 Uhr als so genanntes 'NEAR IFO' (also ein Objekt mit bekanntem Erscheinungsbild/Flugeigenschaft, jedoch ohne gesicherte Bestätigung) einstufen."

Auch Robert Fleischer von "Exopolitik Deutschland" (exopolitik.org) stimmt dem zunächst zu: "Mit ihrer Erklärung nähert sich die Polizei immerhin dem Kenntnisstand, den Forscher von ufo-information.de bereits Tage zuvor hatten: Offenbar haben einige Augenzeugen ganz gewöhnliche Dinge beobachtet und gemeldet, weil die Polizei dazu aufgerufen hatte."


Dann jedoch trennen sich Kirsteins und Fleischers Meinungen deutlich:

"Was auch immer die Bremer Polizei gestern zum UFO-Alarm am Flughafen veröffentlicht hat - die Bezeichnung 'Ermittlungsergebnisse' verdient es jedenfalls nicht", so Fleischer und fragt nach: "Die Bezeichnung 'Ermittlungsergebnisse' verdiene es jedenfalls nicht Doch um was handelte es sich nun bei diesem seltsamen Objekt? Hier verlieren sich die 'polizeilichen Ermittlungsergebnisse' plötzlich in vagen Möglichkeiten (...)"
Die Erklärung eines "Flugobjekts aus der Modelflug- bzw. Multicopterszene" , wäre laut Fleischer zwar "technisch unter Umständen machbar", doch sei zu hinterfragen, ob es auch wirklich so war?

Aus den in der Tat vage klingenden Aussagen der Pressemitteilung liest Fleischer heraus, dass auch die Polizei bis heute in Wirklichkeit noch ahnungslos ist: "Immerhin räumt sie dies auch selbst ein, indem sie etwa erklärt, dass Angaben zum Licht des Objekts, der Flughöhe, zur Größe und Entfernung im Nachthimmel 'schwer bestimmbar' seien. Gezielte Ermittlungen gegen Verdächtige aus der Kopter-Szene seien zudem ergebnislos verlaufen. Mit anderen Worten: Es gibt zwar keinen einzigen konkreten Hinweis auf die Kopter-Theorie, aber es wird schon einer gewesen sein - was denn sonst?"
Fleischer verweist in seinem ersten Statement auf ein interessantes Detail, auf das die aktuelle Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft "keinerlei Erklärung" liefere: "Wie unsere Recherchen ergaben, meldete der zu Hilfe gerufene Polizeihubschrauber gegen 20:51 Uhr ein 'unbeleuchtetes Objekt' an die Flugsicherung des Flughafens, die sich daraufhin genötigt sah, die Landung einer hereinkommenden Maschine aus Paris abzubrechen. Diese Sichtung der Bordbesatzung lässt sich nicht so einfach als Falschdeutung eines Flugzeuges oder Kopters erklären. Hätte es sich um einen Kopter gehandelt - wäre er nicht mit Navigationslichtern beleuchtet gewesen? Hätte die Polizei ihn nicht zweifelsfrei als harmlos für den Flugverkehr identifizieren können? Um was handelte es sich da?"

Zugleich zeigt sich Fleischer angesichts zukünftig zu erwartender Enthüllungen durch die offiziellen Stellen eher skeptisch: "Über diese und viele weitere Fragen zum 'UFO-Alarm über Bremen' wird sich die Polizei wohl in absehbarer Zukunft nicht mehr äußern. Die Pressemitteilung wird in den Grüften des gnädigen Vergessens verschwinden, und mit ihr die ausgeklammerten Details. Es gibt nur noch wenig Hoffnung, dass jemals mehr über diesen interessanten Fall bekannt wird - es sei denn, die betroffenen Mitarbeiter des Flughafens melden sich selbst zu Wort. Wer war beispielsweise die Person, die mitten in der Nacht im Namen des Flughafens Bremen eine Meldung bei der 'ufo-datenbank.de' einreichte?"

Für die "Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens e.V." (GEP, ufo-forschung.de) äußerte sich auf unsere Anfrage hin, deren 1. Vorsitzender Hans-Werner Peininger wie folgt:

"Nach Auswertung der vielen Hinweise ist die Polizei Bremen zu dem Schluss gekommen, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit bei der Ausgangssichtung um einen Quadrocopter o. ä. gehandelt hat.

Damit hätte sich meine frühzeitig geäußerte Vermutung bestätigt. Bestätigt hat sich m. E. auch die Erfahrung, dass bei Fällen mit großem Medieninteresse viele Berichte von Zeugen (sogenannte Trittbrettsichter) eingehen können, die mit der ursprünglichen Beobachtung keinen unmittelbaren Zusammenhang haben.

Bemerkenswert in diesem Fall ist nicht die eher unspektakuläre Ausgangsbeobachtung, sondern die Maßnahmen, die zur Identifizierung des beobachten Objekts ergriffen wurden und natürlich das rege Medieninteresse."

Auch die "Deutschsprachige Gesellschaft für UFO-Forschung e.V." (DEGUFO, degufo.de) nahm gegenüber "grenzwissenschaft-aktuell.de" Stellung zur Pressemitteilung und verweist darin auch auf weiterhin offene Ungereimtheiten: "Ich teile die Einschätzung der Polizei, dass ein Teil der Sichtungen auf den Polizeihubschrauber zurückgehen", erklärt DEGUFO-Sprecher Christian Czech.
"Bei meiner Recherche stieß ich auf mehrere Einzelsichtungen, die mit der eigentlichen Beobachtung nichts zu tun hatten. Wir haben aber die Zeugenschilderung, dass ein Objekt beobachtet wurde, welches sich mal schneller und mal langsamer bewegte, aber auch mal auf der Stelle stand. Dabei war es mal beleuchtet, mal unbeleuchtet und besaß ein weiß/gelb/rotes Blinklicht. Diese Schilderung wäre die Einzigste, die man überhaupt mit dem Flugverhalten eines Quadrocopters oder Drohnen in Verbindung bringen könnte.
Jedoch kommen hier noch Faktoren hinzu, die bei der Beurteilung berücksichtigt werden müssen. Zum Einen hatten wir einen Wind, der in Böen bis 43 km/h erreichte. Hier würde sich ein unsauberer Flug einstellen, bei Böen sogar ein ruckartiger. Zum Anderen müssen wir uns mit der Reichweite von Funksendern befassen. Je nach verwendetem System und Störeinflüssen reicht die Sendeleistung einer Funksteuerung zwischen 300 und 2000 Metern. Je nachdem, welche Einzelsichtung man jetzt heranzieht, ist die Erklärung entweder schlüssig oder falsch.

Hinzu kommt, dass ja ein Radarkontakt bestanden hat, was der DEGUFO durch 10 Mitarbeiter der Flugsicherheit bestätigt wurde. Damit ein Objekt auf dem Radar überhaupt erscheinen kann, benötigt es eine gewisse Mindestfläche, die bei einigen Quadratmetern liegt. Daher kann das Objekt, was auf dem Radar erschien, kein Quadrocopter gewesen sein.

Möglicherweise ist ein Quadrocopter für eine der Sichtungen verantwortlich, für den Radarkontakt auf keinen Fall. Da auch nicht näher bekannt ist, was die Flughafenmitarbeiter beobachtet haben (es hieß ja nur, dass sich das Objekt erst auf dem Flughafengelände aufgehalten hat und später dann zum Westerstadion geflogen ist) ist m.E. keine Verbindung zu dem möglichen Quadrocopter gegeben.

Was auch immer auf dem Radar war, es war größer als ein Quadrocopter, musste eine Fläche von mindestens einigen Quadratmetern gehabt haben und wurde höchstwahrscheinlich visuell nicht erfasst."

Für die "Gesellschaft zur Untersuchung von anomalen atmosphärischen und Radar-Phänomenen" MUFON-CES (mufon-ces.org) kommentierte abschließend Illobrand v. Ludwiger den Stand der Untersuchungen:

"Unsere Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Daher können wir z.Z. nur sagen, dass das Objekt in Bremen mit Sicherheit kein Modellflugzeug gewesen war. Was es aber war, wie es ausgesehen hat, das können wir erst beantworten, wenn wir die betreffenden Beamten befragen durften. Die Befragungen werden übrigens durch NARCAP (…wir berichteten) durchgeführt."

grenzwissenschaft-aktuell.de

Quellen: exopolitik.org, ufo-information.de, degufo.de, ufo-forschung.de, mufon-ces.org
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
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