Sonntag, 19. Januar 2014

Weckruf für europäische Kometen-Sonde Rosetta


Künstlerische Darstellung der Rosetta-Sonde (Illu.). | Copyright: ESA

Darmstadt (Deutschland) - Am kommenden Montag, 20. Januar 2014, wird die 2004 gestartet europäische Raumsonde "Rosetta" aus ihrem fast zweieinhalbjährigen Tiefschlaf geweckt und auf ihr Ziel, den Kometen "67P/Churyumov-Gerasimenko" vorbereitet. Diesen soll das Raumschiff dann im kommenden November erreichen, umkreisen und die Landeeinheit "Philae" darauf absetzen. Erstmals folgt damit eine irdische Sonde einem Kometen auf seinem Weg in Richtung Sonne. Ebenfalls zum ersten Mal wird ein Landegerät auf einer Kometenoberfläche aufsetzen und vor Ort Messungen durchführen. Die Planetenforscher wollen so herausfinden, wie unser Sonnensystem entstanden ist - denn Kometen führen wie ein riesiger Kühlschrank das ursprünglichste Material in gefrorenem Zustand mit sich. Die Forscher erhoffen sich von den Ergebnissen auch Aufschlüsse darüber, ob sie Saat des Lebens mit Kometen auf die Erde kam.


Derzeit trennen die Sonde nur noch neun Millionen Kilometer von ihrem Ziel: "Noch wissen wir nicht, auf welche Bedingungen wir dort stoßen", sagt Dr. Stephan Ulamec vom DLR und Projektleiter für den Lander Philae. Aufnahmen des Hubble-Teleskops zeigen bislang nur, dass "Churyumov-Gerasimenko" einen Durchmesser von drei bis fünf Kilometern hat und innerhalb von etwa zwölf Stunden einmal um sich selbst rotiert.


Mit der Ankunft von "Rosetta" und dem mitgeführten "Philae" soll sich dieser Wissenstand aber deutlich ändern: Bohrer, Spektrometer, Kameras, Sensoren oder auch Ionendetektoren sollen den Kometen auf das Genaueste erforschen. "Das Material des Kometen hat sich seit 4,6 Milliarden Jahren kaum verändert und wir können somit in die Geburtsphase unseres Planetensystems schauen", betont Kometenforscher Dr. Ekkehard Kührt, wissenschaftlicher Projektleiter für die DLR-Experimente auf Sonde und Lander.


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Insgesamt drei Experimente werden unter der Leitung des DLR gemeinsam mit internationalen Partnern durchgeführt, an weiteren beteiligen sich die DLR-Forscher, erläutert die Pressemitteilung des DLR. "Die Mission bietet uns Planetenforschern Möglichkeiten, die wir noch nie hatten", so Kührt weiter. Bisher konnten Kometen wie "Halley", "Temple 1" oder "Wild 2" nur im schnellen Vorbeiflug und aus großer Entfernung untersucht werden.


Erste aufschlussreiche Bilder von Churyumov-Gerasimenko wird die Bordkamera "OSIRIS" wohl in den nächsten Monaten aufnehmen, wenn Rosetta dem Rendezvous mit dem Kometen immer näher und näher entgegenfliegt.


Neben OSIRIS trägt die Sonde an Bord auch beispielsweise das Spektrometer "VIRTIS", das die mineralogische Zusammensetzung der Kometenoberfläche und die flüchtigen Komponenten untersuchen wird, das Mikrowelleninstrument "MIRO" und das Massenspektrometer "ROSINA", die unter anderem die Gasmoleküle charakterisieren werden, sowie das Instrument "CONSERT", das mit langwelligen Radiosignalen die innere Struktur des Kometenkerns analysieren soll.



Künstlerische Illustration des Landers "Philae" beim Einsatz auf der Oberfläche des Kometen. (Illu.). | Copyright: DLR (CC-BY 3.0).

"Die Instrumente auf dem kühlschrankgroßen 'Lander Philae' sollen nach der Landung im November 2014 den Kometen vor Ort untersuchen - während er aktiv wird und seine charakteristische Staubhülle und den Schweif bildet", führt das DLR weiter aus. "Bereits während der Landephase wird die Kamera 'ROLIS' Aufnahmen von der Kometenoberfläche machen. 'MUPUS' wird sich auf dem Kometen in den Boden hämmern, um unter anderem Temperatur und physikalische Beschaffenheit bis zu einer Tiefe von etwa 30 Zentimetern zu bestimmen. 'SESAME' soll die Kometenaktivität überwachen und die Ausbreitung von Schallwellen im Boden erfassen. 'CIVA' liefert Panoramabilder und analysiert die mit einem Bohrer gewonnenen Bodenproben. 'COSAC' wird die organische Chemie analysieren und vielleicht sogar Aminosäuren identifizieren.


In Kometen sehen einige Wissenschaftler auch einen möglichen Schlüssel für die Entstehung des irdischen Lebens. "Es könnte durchaus sein, dass von einem Kometen dort draußen auch die Bausteine, die letztlich zum Leben geführt haben, auf die frühe Erde gelangten", erläutert Ulamec und fügt nicht zuletzt hinzu: "Alles Wasser auf der Erde könnte von Kometen stammen."


DLR-Doku zur Rosetta-Mission

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Quelle: DLR, ESA
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