Donnerstag, 13. Februar 2014

Biologen beobachten erstmals Augen-Kommunikation bei Dohlen


Dohle | Copyright/Quelle: Richard Wood, cam.ac.uk

Cambridge (England) - Britische Biologen haben erstmals beobachtet, dass auch Vögel mittels Augenkontakt miteinander kommunizieren können. Bislang war diese Fähigkeit nur von Menschen und Primaten bekannt.

Wie die Forscher um Gabrielle Davidson von der University of Cambridge aktuell im Fachjournal "Biology Letters" (DOI: 10.1098/rsbl.2013.1077) berichten, konnten sie beobachten und dokumentieren, wie Dohlen alleine mittels Warnsignalen ihrer Augen Konkurrenten erfolgreich davon abhielten, ihren Nistkästen zu nahe zu kommen.


"Die Augen von Dohlen sind sehr ungewöhnlich", erläutert die Forscherin. "Im Gegensatz zu ihren nahen Verwandten, den Krähen - die sehr dunkle Augen haben - sind die Augen von Dohlen fast schon weiß und ihre markante helle Iris sticht sehr deutlich vor ihrem dunklen Gefieder hervor."


Während die meisten Vögel also schwarze oder braune Augen haben, weisen nur wenige Vögel helle Augen und gerade einmal rund 10 Prozent der Sperlingsvögel farbige Iriden auf.


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Um der Frage auf den Grund zu gehen, ob Dohlen ihre hellen Augen dazu benutzen, um mit anderen Dohlen zu kommunizieren, installierte Davidson kurz vor der Brutzeit 2013 eines von vier Bildern in 100 Dohlen-Nistkästen rund um Cambridge. Diese Bilder waren entweder (zur Kontrolle) gänzlich schwarz (a) oder zeigten entweder ein Dohlenaugenpaar (b), ein Dohlenaugenpaar im Gesicht einer Dohle (c), ein Augenpaar einer Krähe jedoch im Gesicht einer Dohle (d; s. Abb.). Danach filmte sie den Effekt, den die Bilder auf das Verhalten der Vögel hatte.



Versuchsaufbau. | Copyright: Gabrielle Davidson, University of Cambridge

"Innerhalb der Familie der Krähenvögel sind Dohlen auch von daher einzigartige, weil sie in natürlichen Baumhöhlen brüten", erläutert Davidson. "Im Gegensatz etwa zu Spechten können Dohlen diese Höhlen nicht selbst herstellen. Aus diesem Grund konkurrieren die Tiere untereinander auch um diese eingeschränkte wichtige Ressource. Da Dohlen zudem auch noch in dichter Nachbarschaft zueinander brüten, kommt es immer wieder zu Kämpfen um die besten Nistplätze. Oft beginnen diese Kämpfe damit, dass sich eine Dohle einer fremden Nisthöhlen oder Nistkasten nähert.


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Anhand der Auswertung von 40 Videos, die zeigen, wie eine Dohle sich einem fremden Nistkasten nähert und in diesen hineinblickt, stellte die Forscherin fest, dass jene Höhlen, aus denen dem Eindringling eine Dohle mit hellen Augen (in Form der darin platzierten Abbildungen) entgegenblickte, am ehesten den "Angreifer" davon abhielt, den Nistkasten auch zu betreten. Auch sonst hielten sich die fremden Vögel deutlich kürzer vor den Höhlen ihrer simulierten Artgenossen auf als vor den anderen.

Die Studie, so erläutert Davidson, sei die erste ihrer Art, die Kommunikation mittels der Augen zwischen Tieren der gleichen Art außerhalb des Primatenreiches erforscht habe: "Bis zu dieser Arbeit war kaum etwas darüber bekannt, warum einige Vögel hell gefärbte Augen haben. Bei Dohlen, sind die hellen Augen dabei behilflich, ihre Nester und Brut vor anderen Dohlen zu schützen. Das Ergebnis weckt die Frage, ob dies nur bei Dohlen so ist oder ob etwa auch andere Höhlenbrüter ihre Augen in ähnlicher Weise nutzen?



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