Sonntag, 9. Februar 2014

Neue große Schimpansenpopulation im Kongo entdeckt


In einer unzugänglichen Region im Norden des Kongos lebt eine bislang noch unbekannte Schimpansen-Population von mehreren Tausend Tieren. | Copyright: Ephrem Mpaka, Lukuru Wildlife Research Foundation

Leipzig (Deutschland) - Im Norden der Demokratischen Republik Kongo haben Wissenschaftler eine aus mehreren Tausend Tieren bestehende Schimpansenpopulation in einem unzugänglich Waldgebiet entdeckt. Neben der Bedeutung für die stetig abnehmende Anzahl freilebender großer Menschenaffen ist die Entdeckung auch aus kryptozoologischer Sicht interessant.

Wie die Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Universität Amsterdam aktuell im Fachjournal "Biological Conservation" (DOI: 10.1016/j.biocon.2014.01.002) berichten, entdeckten sie die umfangreiche Population bei einer Datenerhebung zu sogenannter Östlicher Schimpansen (Pan troglodytes schweinfurthii) in der Region Uele im Norden des Kongo.


Die von 2005 und 2012 erhobenen Daten deuten demnach darauf hin, dass die Populationsgröße der Tiere im entlegenen Bili-Gangu Wald innerhalb dieses Zeitraums stabil geblieben ist. Insgesamt erschlossen die Forscher ein Gebiet von etwa 50.000 Quadratkilometern, in dem mehrere Tausend Schimpansen beheimatet sind. Den Forschern zufolge sollte dieses Gebiet Priorität für den Schutz der Östlichen Schimpansen erhalten.


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
 + + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Für eine Erfassung der Populationsgröße durchqueren Forscher ein zu untersuchendes Gebiet in regelmäßigen Abständen und laufen es auf parallelen Wegen ab. Anhand der dabei aufgespürten Schimpansen-Schlafnester können sie dann die wahrscheinliche Gesamtzahl der Schimpansen in dem Gebiet hochrechnen.


In den Jahren von 2004 bis 2012 hat ein Forscherteam des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Universität Amsterdam Datenerhebungen im Norden der Demokratischen Republik Kongo durchgeführt, in einer Region, deren Schimpansenbestand nie zuvor systematisch erfasst wurde. Die Forscher sind insgesamt 1800 Kilometer nördlich und 500 Kilometer südlich des Uele-Flusses abgelaufen. Darüber hinaus haben sie im Bili-Gangu Wald, mehrere Streckenabschnitte von insgesamt 160 Kilometern abgeschritten und dabei eine Population von mehreren Tausend Schimpansen entdeckt, berichtete die Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft.


Dabei fanden die Forscher Hinweise darauf, dass die Nord- und Südgruppen dieser Population kulturelle Besonderheiten teilen: "In den Wäldern und Savannen im Norden der Demokratischen Republik Kongo ist, von Forschern bis vor kurzem unbemerkt, eine große Schimpansenpopulation beheimatet", sagt Thurston C. Hicks vom Leipziger Max-Planck-Institut. "Es könnte sich dabei um die wohl größte Population von Östlichen Schimpansen handeln. Leider unterstehen die Tiere momentan keinerlei Schutz." Die Zahl der Schimpansen-Schlafnester ist in den letzten Jahren offenbar nicht zurückgegangen, denn die Forscher stießen bei einer stichprobenartigen Zählung 2012 auf ähnlich viele Nester wie bei der ersten Zählung 2005.


Dennoch fanden die Forscher kürzlich Hinweise darauf, dass sie verstärkt vom Buschfleisch-Handel bedroht ist. "In Bili und Umgebung wurden häufiger als zuvor Wildtierkadaver und Schimpansenwaisen gesichtet", sagt Christophe Boesch, Direktor der Abteilung Primatologie am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. "Ohne einen angemessenen Schutz könnten diese Schimpansen denselben Umständen zum Opfer fallen wie ihre Artgenossen in anderen Teilen Afrikas."


Den Forschern zufolge sind weitere Datenerhebungen vor Ort in Afrika notwendig, um künftige Artenschutzbemühungen gezielt dorthin zu leiten, wo sie am dringendsten benötigt werden - bevor es zu spät ist. Um eine Eskalation der Wilderei zu verhindern empfehlen die Forscher, in der Region Wildhüter einzusetzen.


"Das Bili-Gangu-Gebiet ist ein Mosaik von dichten Waldgebieten, bewaldeten Savannen und offenen Graslandschaften, in denen Schimpansen, Elefanten, Leoparden und andere große Säugetiere leben, die anderswo bereits ausgerottet sind", sagt John Hart von der Lukuru Wildlife Research Foundation. "Für den Kongo ist dies eine bedeutende Möglichkeit, um eine neue Artenschutzinitiative im Bili-Uéré-Komplex ins Leben zu rufen."


Auch aus Sicht der Kryptozoologie - also jener Forschung, die nach bislang unbekannten oder bereits ausgestorben geglaubten Arten sucht, die bislang zwar von zahlreichen Augenzeugen, nicht jedoch naturwissenschaftlich beschrieben wurden - ist die Entdeckung von Interesse. Schließlich behaupten Kritiker immer wieder, dass es in der heutigen Zeit so gut wie keine Lebensräume für noch immer unentdeckte und unbekannte Großtierarten, geschweige denn große Primaten mehr gibt.


WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Schimpansen können auch mit Gesten zielgerichtet kommunizieren
21. Januar 2014

Schimpansen haben fünfdimensionale Persönlichkeit 4. Juni 2013

grenzwissenschaft-aktuell.de
Quelle: mpg.de, eva.mpg.de
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE