Dienstag, 25. Februar 2014

Neuro-Studie enthüllt, warum Hunde uns Menschen so gut verstehen


Hund im MRT-Scanner. | Copyright: Attila Andics

Budapest (Ungarn) - Eine Studie ungarischer Neurowissenschaftler und Biologen zeigt erstmals, dass Hunde ganz ähnlich wie Menschen und andere Primaten über ein ausgewiesenes Sprachzentrum im Hirn verfügen, dass die Vierbeiner auch sensibel für akustische Hinweise auf Emotionen macht. Die Studie liefert damit erstmals den Nachweis eines solchen Stimmerkennungsareals bei Nicht-Primaten.

Wie die Forscher um Attila Andics von der MTA-ELTE Comparative Ethology Research Group an der Eötvös Loránd Universität aktuell im Fachjournal "Current Biology" (DOI: 10.1016/j.cub.2014.01.058) berichten, handele es sich zudem um die erste vergleichende Studie zwischen Hirnfunktionen von Menschen und Nicht-Primaten.


Das Ergebnis lege habe, dass die Stimmerkennungsareale vor mindestens 100 Millionen Jahren im letzten gemeinsamen Vorfahren von Hunden und Mensch entstanden. Zudem eröffne es neue Einsichten in die Hintergründe der einzigartigen Verbindung zwischen Mensch und Hund, dem sprichwörtlich besten Freund des Menschen, und erkläre damit die neuralen und Verhaltensmechanismen, die dazu geführt haben, dass die Verbindung zwischen Hund und Mensch eine schon Jahrtausende alte Erfolgsgeschichte ist.


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"Hunde und Menschen teilen sich eine ähnliche sozialen Umgebung", erläutert Andics. "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass sie auch ähnliche Hirnmechanismen nutzen, um sozialen Informationen zu verarbeiten. Diese Erkenntnis könnte der Schlüssel zu der so erfolgreichen Sprach- bzw. Stimmkommunikation zwischen den beiden Arten sein."


In ihren Untersuchungen trainierten die Forscher 11 Hunde zunächst darauf, reglos und mit aufgesetzten Kopfhörern in einem MRT-Scanner zu liegen (s. Video u.). Erst dadurch wurde es möglich, die Hirnaktivität der Vierbeiner mit der von Menschen zu vergleichen. Während dieser Scanns spielten sie sowohl den menschlichen Probanden als auch den Hunden rund 200 Töne, Geräusche und Stimmen von Hunden und Menschen vor, etwa Gejammere, Jaulen, Bellen oder Gelächter.


Die so gewonnenen Aufnahmen zeigen, dass Hunde und Menschen über Stimmerkennungsareale an ähnlichen Positionen im Hirn verfügen. Allerdings reagieren diese Areal deutlich stärker angesichts der Geräusche und Stimmen der jeweils eigenen Art.


Die Forscher stellten zudem erstaunliche Ähnlichkeiten in der Art und Weise fest, wie Hunde und Menschen emotional-beladene Klänge verarbeiten: "Bei beiden Arten flammt ein Areal im auditiven Cortex, also in der sog. Hörrinde, auf." Diese Aktivität werde bei beiden Arten durch fröhliche Geräusche stärker angeregt als angesichts trauriger Klänge. Es sind besonders diese gemeinsamen Reaktionen der beiden Arten, von denen sich die Forscher um Andics besonders erstaunt zeigten.



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Neben den Gemeinsamkeiten beschrieben die Wissenschaftler aber auch einige Unterschiede: "48 Prozent aller klangsensible Hirnregionen der untersuchten Hunde reagieren deutlich stärker auf stimmfremde (non-vokale) Töne und Geräusche. Bei Menschen sieht das mit rund 3 Prozent ganz anders aus."

In ihrer Studie sehen die Forscher einen ersten Schritt hin zu einem besseren Verständnis davon, warum Hunde nicht nur so gut auf ihre menschlichen Herr- und Frauchen hören, sondern auch deren emotionale Zustände erspüren können: "Die angewandte Methode ist ein völlig neuer Ansatz zur Untersuchung neuraler Verarbeitung bei Hunden", so Andics abschließend. "Zumindest können wir jetzt besser verstehen, wie unsere besten Freunde uns wahrnehmen und sich in unserem sozialen Umfeld zurecht finden."



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Quelle: cell.com
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