Mittwoch, 19. Februar 2014

Schweizer Studie zeigt: Frauen erhalten häufiger Sterbehilfe als Männer


Symbolbild: Patient. | Copyright/Quelle: NHS.uk

Bern (Schweiz) - Eine aktuelle Schweizer Studie zeigt, dass sich Frauen häufiger von Sterbehilfeorganisationen in den Tod begleiten lassen als Männer. Ebenso nehmen alleinstehende und gut gebildete Menschen überdurchschnittlich oft eine Freitodbegleitung in Anspruch.

"Uneigennützige Beihilfe zum Suizid ist in der Schweiz legal", erläutert die Pressemitteilung des Schweizerischen Nationalfonds, der die Studie unterstützt und finanziert hat. "Hier ist es Ärzten also erlaubt, Patienten auch in Situationen zu unterstützen, in denen es keine Heilung gibt und in denen das Leiden unerträglich wird. Gegner der Freitodbegleitung befürchten, dass mit der Zeit die Hemmschwelle sinken könnte und verletzliche Bevölkerungsgruppen vielleicht sogar dazu gedrängt würden, auf diese Weise ihrem Leben ein Ende zu bereiten." Ob diese Befürchtungen begründet sind, haben nun Forscher um Matthias Egger vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern untersucht.


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Grundlage der Studie sind die von den Sterbehilfeorganisationen "Exit Deutsche Schweiz", "Exit Suisse Romande" und "Dignitas" dem Schweizer Bundesamt für Statistik übermittelten anonymisierten Angaben zu den insgesamt 1301 Fällen, in denen sie in den Jahren 2003 bis 2008 in der Schweiz wohnhaften Menschen Beihilfe zum Suizid geleistet hatten. Diese Angaben verknüpften die Forschenden nun mit den Daten der "Swiss National Cohort" - einer Kohortenstudie der Schweizer Bevölkerung, die in anonymisierter Form auf Volkszählungsdaten basiert. Auf diese Weise konnte zum Beispiel aufgezeigt werden, wo diese Menschen wohnten, wie hoch ihre Bildung war und ob sie alleine lebten oder ob sie Kinder hatten.


Die aktuell in der Fachzeitschrift "International Journal of Epidemiology" (DOI: 10.1093/ije/dyu010) veröffentlichte Studie zeige, "dass Suizidbeihilfe bei Frauen deutlich häufiger ist als bei Männern (740 Frauen gegenüber 561 Männer). Der Anteil der Frauen ist auch höher, wenn berücksichtigt wird, dass es mehr ältere Frauen als Männer gibt. Auch wer alleine lebt und wer geschieden ist, lässt sich eher in den Freitod begleiten als Verheiratete und sozial integrierte Personen. Jüngere Menschen mit Kindern nehmen seltener als Kinderlose die Suizidbeihilfe in Anspruch; bei älteren Menschen dagegen scheinen Kinder kein Schutzfaktor mehr zu sein."


"Die Resultate deuten darauf hin, dass es tatsächlich verletzliche Bevölkerungsgruppen geben könnte", sagt Matthias Egger. "Soziale Isolation und Einsamkeit sind bekannt als Risikofaktoren für nicht begleiteten Suizid, das gilt wohl auch für begleiteten Suizid."


Andererseits sei die Freitodbegleitung gemäß der Studie aber auch bei besser gebildeten Menschen, in urbanen Gebieten und in wohlhabenden Wohngegenden überdurchschnittlich häufig. "Diese Befunde sprechen gegen die Theorie, dass der Druck auf sozial Schwächere zu einer Ausweitung der Suizidbeihilfe führt", sagt Egger. "Allerdings können natürlich auch gebildete und finanziell gut situierte Menschen isoliert und einsam sein." Möglich wäre auch, dass Gebildete und Wohlhabende einfacheren Zugang zur Suizidbeihilfe haben - zum Beispiel aus finanziellen Gründen.


Bei 1093 von 1301 begleiteten Freitoden lagen den Forschenden zusätzliche Krankheitsangaben zu den Personen vor, die Suizidbeihilfe in Anspruch genommen hatten. Diese waren in fast der Hälfte der Fälle an Krebs erkrankt. Besonders hoch war der Anteil der Personen, die an unheilbaren degenerativen Nervenkrankheiten wie Multiple Sklerose, Parkinson oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) litten.


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Quelle: snf.ch
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