Freitag, 21. Februar 2014

Unlesbares Buch: Sprachwissenschaftler präsentiert erstmals sprachanalytische Lösung des Voynich-Codes


Eine der von Bax dekodierten Abbildungen und Beschriftung aus dem Voynich-Manuskript. | Copyright/Quelle: Stephen Bax

Luton (England) - Erstmals will ein britischer Sprachwissenschaftler den Code des rund 500 Jahre alten sogenannten Voynich-Manuskripts auf sprachanalytische Weise geknackt haben, dessen Inhalt bislang noch nie zweifelsfrei dekodiert werden konnte.

Wie die Pressemitteilung der "University of Bedfordshire" verkündet, sei Professor Stephen Bax damit "der erste professionelle Sprachwissenschaftler, der den Code des Voynich-Manuskripts mittels einer analytischen Herangehensweise geknackt hat".


Beim Voynich-Manuskript handelt es sich um ein rund 500-600 Jahre altes Buch. Es ist angefüllt mit vermeintlich botanischen, astronomischen und anatomischen Abbildungen, jedoch in einer bislang unbekannten Schrift und Sprache verfasst, die sich bislang jeglichen Bemühungen einer Entzifferung widersetzt hatte. Während Kritiker vermuten, dass es sich lediglich um einen Schwindel handelt, versuchten sich andere Forscher bislang hauptsächlich über Schriftvergleiche und Kryptografie an der Entzifferung des "Voynich-Codes".


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Erst kürzlich hatten zwei US-Forscher erklärt, Herkunft und Ursprung des Voynich-Manuskripts in die Neue Welt verorten zu können und spekuliert, dass es sich um einen mittlerweile ausgestorbenen Azteken-Dialekt handeln könne (...wir berichteten). Wie schon viele andere Versuche zuvor wurde aber auch dieser Ansatz von der Voynich-Fachwelt zumeist kritisch bis ablehnend kommentiert.


Für seine nun in einem 62-seitigen Fachartikel präsentierte Entschlüsselung, nutzte Bax seine linguistische Analysen, denen er Buchstabe für Buchstabe des "unlesbaren Buches" unterzog.


"Inspiriert durch die Entzifferung ägyptischer Hieroglyphen und anderer mysteriöser Schriften, hatte ich die Idee, auch das Voynich-Manuskript anhand einer Identifizierung von Namen und Bezeichnungen zu lösen", erläutert Bax. Nachdem er erste Namen erfolgreich identifiziert habe, habe er sich durch weitere Teile des Voynich-Textes vorgearbeitet.


"Das Manuskript zeigt zahlreiche Illustrationen von Sternen und Pflanzen. Es war mir möglich, einige dieser Darstellungen und die ihnen beigefügten Namen und Bezeichnungen durch Vergleiche mit Schriften über mittelalterliche Pflanzenkunde in arabischer und anderen Sprachen, zu identifizieren. Auf dieser Grundlage habe ich mich dann an die Dekodierung gewagt - mit einigen faszinierenden Ergebnissen.


Zu den Wörtern, die Bax bereits identifiziert haben will, gehört die Bezeichnung für Taurus, die sich neben einer Abbildung von sieben Sternen findet, die offenbar die Plejaden darstellen sollen (s.Abb.). (Anm.d.GreWi-Redaktion: Tatsächlich befinden sich die Plejaden in räumlicher Nähe zu den Hörnern des Sternbildes Stier/Taurus.)


Ein weiteres von Bax identifiziertes Wort ist "Kantarion", das neben der Abbildung einer Pflanze platziert ist, die schon zuvor als Centarium (Tausendgüldenkraut) gedeutet wurde.


Zugleich gesteht Bax jedoch ein, dass seine Übersetzung noch lange nicht abgeschlossen sei: "Der Grund, warum ich aber jetzt schon mit meinen Ergebnissen an die Öffentlichkeit gehe ist der, dass ich hoffe, dass andere meinen Ansatz aufgreifen werden und so das ganze Manuskript übersetzt werden kann. Aber das wird bestimmt nicht einfach sein."


Schon jetzt zeige seine Arbeit eindeutig, dass das Manuskript keine Fälschung oder gar Unsinn sei. Bax selbst vermutet, dass es sich möglicherweise um Abhandlung über die Natur in einer nahöstlichen oder asiatischen Sprache handelt.


Bax' eigenen Einführung in seine Entschlüsselung des Voynich-Manuskripts


Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten

Professor Bax' Fachartikel finden Sie HIER


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