Mittwoch, 12. Februar 2014

Wissenschaftler spekulieren: Verursachte ein Erdbeben anno 33 n.Chr. das Abbild auf dem Turiner Grabtuch und führte zu einer C-14-Falschdatierung 1988?

Das Turiner Grabtuch im Negativ mit Vergrößerung der Gesichtspartie (r.). | Copyright: Public Domain (Collage: grewi.de, Quelle: Shroud.com)

Turin (Italien) - Ein Erdbeben in Jerusalem im Jahre 33 n.Chr. könnte nicht nur für das Abbild eines gekreuzigten Mannes auf dem sogenannten Turiner Grabtuch sondern auch zu gravierenden Fehlern in der C-14-Datierung des Leinens im Jahre 1988 geführt haben, die das Grabtuch damals als eine mittelalterliche Fälschung auswies. Zu dieser Vermutung kommen zumindest italienische Wissenschaftler des Polytechnikums Turin in einem aktuellen Artikel. Während das Turiner Grabtuch unter Kritikern als ausgewiesene Fälschung gilt, sehen Gläubige und Grabtuch-Forscher darin ein noch unerklärtes Phänomen bis hin zum Beweis für das Leiden und die Auferstehung Jesu Christi und eine der heiligsten Reliquien der katholischen Kirche.

Wie die Forscher um Alberto Carpinteri vom Politecnico di Torino aktuell im Fachjournal "Meccanica" (DOI: 10.1007/s11012-013-9865-x) berichten, vermuten sie, dass ein Erdbeben exotische Neutronenstrahlung ausgelöst haben könnte, die für das Abbild auf dem Tuch verantwortlich war. Damit untermauern die Forscher ihre bereits 2012 in der "Fachzeitschrift Scientific Research and Essays" (DOI: 10.5897/SRE12.385)  präsentierte Hypothese.

Schon zuvor hatten einige Forscher die Vermutung geäußert, dass Neutronenstrahlung nicht nur für das Abbild sondern auch für die (somit fälschliche) Datierung ins Mittelalter verantwortlich sein könnte - schließlich kommt es durch die Wechselwirkung von freien Neutronen mit den Kernen anderer Atome zur Entstehung neue Kohlenstoff-Isotope, die wiederum die Grundlage der C-14-Datierung darstellen. Woher diese Strahlung jedoch gekommen sein soll, blieb bislang unerklärt oder zumindest Inhalt kontroverser Debatten.


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Das Team um Alberto Carpinteri hat sich dieser Problematik nun angenommen und experimentell nach einer möglichen mechanischen oder chemischen Quelle besagter Neutronenstrahlung gesucht. Das Ergebnis sind hochfrequente Druckwellen, die während Erdbeben im Innern der Erdkruste entstehen können.

Ihre Hypothese gründen die Forscher auf eigenen Forschungsarbeiten über sogenannte "piezonukleare Spaltreaktionen" (piezonuclear fission reactions). Hierbei handelt es sich um in Naturwissenschaftskreisen ebenfalls kontrovers umstrittene Kernspaltungsprozesse, die sowohl bei nicht radioaktiven Elementen (bspw. Eisen) und radioaktiven Isotopen allein durch hohen – etwa geologischen - Druck auftreten sollen.

In Ihren Experimenten wollen die Forscher entsprechende Neutronenemissionen erzeugt haben, die jedoch ohne die stark radioaktive Gammastrahlung freigesetzt wurden. Zu entsprechenden Prozessen, so vermuten Carpinteri und Kollegen weiter, könne es auch durch seismische Aktivität kommen.

Passend hierzu verweisen die Wissenschaftler auf ein besonders starkes Erdbeben, das im Jahre 33 n.Chr. (und damit dem vermeintlichen Todesjahr Jesu) Alt Jerusalem mit einer Stärke von 8,2 getroffen haben soll. Dieses Erdbeben sei stark genug gewesen, um durch die Wechselwirkung mit Stickstoffkernen zu Neutronenstrahlung geführt zu haben, durch die das Abbild des gekreuzigten Mannes auf dessen Leichentuch gebannt wurde.


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Zum einen, so die Forscher abschließend, könne damit die Entstehung des Abbildes auf dem Tuch, als auch die einstige C-14-Datierung erklärt werden, da es durch die Neutronenstrahlung zu einem Anstieg von C-14-Isotopen in den Leinenfasern gekommen sein könnte, der die Analyse 1988 entsprechend verzerrt hätte.

Allerdings gelten die Hypothesen und Theorien rund um piezonukleare Reaktionen unter den meisten Naturwissenschaftler als höchst umstritten oder gar pseudowissenschaftlich. Zugleich widersprechen sie aber auch einer aktuellen Analyse des Grabtuchs, die das Leinen auch ohne die postulierte exotische Neutronenstrahlung ins erste Jahrhundert datiert (...wir berichteten). Zudem hat selbst der Leiter der C-14-Analyse im Jahre 1988 mittlerweile erklärt, dass Verunreinigungen des Leinens durch spätere Brände zu starken Verzerrungen der C-14-Analyse geführt haben könnten, wodurch das Grabtuch möglicherweise fälschlich ins Mittelalter und nicht ins erste Jahrhundert datiert worden sein könnte (...wir berichteten).

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