Freitag, 21. März 2014

Augenblick: Forscher entschlüsseln bio-optischen Hintergrund zum "Fenster der Seele"


Gesichtsausdruck in der buchstäblichen Schrecksekunde (Illu.). | Copyright: Cornell University

Ithaca (USA) - Unsere Augen gelten nicht umsonst als die "Fenster der Seele": US-Neurowissenschaftler haben grundlegende Gesichtsausdrücke und damit unbewusste emotionale Reaktionen auf unser Umfeld mit den bio-optischen Anpassungen unserer Augen auf die durch die entsprechenden Reize ausgelösten Emotionen in Verbindung gebracht. Mit ihrer Beobachtung stellen die Wissenschaftler zugleich bisherige Theorien über die Entstehung der menschlichen Mimik in Frage.

"Warum machen wir große Augen, wenn wir erschrecken und kneifen sie zusammen, wenn wir uns vor etwas ekeln?", so die Ausgangsfrage der Forscher um Professor Adam Anderson vom Cornell's College of Human Ecology. Die Antwort: "Diese gegensätzlichen Gesichtsausdrücke gründen auf emotionalen Reaktionen, und gehen mit der Art und Weise einher, wie unsere Augen im Angesicht einer unbekannten Bedrohung das Licht sammeln und fokussieren."


Tatsächlich weiten sich unsere Augen, wenn wir Angst haben und erhöhen damit die Lichtempfindlichkeit und erweitern unser Sichtfeld, damit wir unsere Umgebung noch besser wahrnehmen können. Werden wir von etwas angewidert, so kneifen wir die Augen zusammen, vermindern damit den Lichteinfall und schärfen unseren Fokus, um etwa die Quelle des Ekels genauer lokalisieren zu können.



Angewiderter Gesichtsausdruck (Illu.). | Copyright: Cornell University

(Kleiner Hinweis der GreWi-Redaktion: Stimmt's - während Sie den obigen Text gelesen und die Bilder gesehen haben, haben Sie genau diese beiden Augenausdrücke selbst nachgeahmt? Uns ging es zumindest unweigerlich so...)


Wie die Forscher um Anderson aktuell im Fachjournal "Psychological Science" (DOI: 10.1177/0956797613514451) berichten, gehen sie davon aus, dass diese menschlichen Gesichtsausdrücke universell, aufgrund unserer adaptiven Reaktionen auf Umweltstimuli entstanden und nicht - wie bislang vermutet - als soziale Kommunikations-Signale.


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"Die unterschiedlichen Funktionen des Augenöffnens und Zusammenkneifens, spiegeln die Weitung und das Zusammenziehen unserer Pupillen. Diese Funktion könnte also die primitive Grundlage unserer Fähigkeit zu unterschiedlichen Gesichtsausdrücken darstellen", so Anderson.


Zugleich seien diese Handlungen nicht auf Ekel und Angst begrenzt. "Wir wissen, dass diese Bewegungen eine wichtige Rolle für einen Großteil und vielleicht sogar für alle unterschiedlichen Gesichtsausdrücke spielen - etwa wenn wir überrascht werden, uns ärgern oder glücklich sind."


Zudem, so die Forscher weiter, "filtern Emotionen unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit und formen so das, was wir sehen, noch bevor dieses Licht das 'innere Auge' überhaupt erreicht: Wir stellen uns unsere Wahrnehmung als etwas vor, das erst passiert, nachdem wir etwas sehen - also nachdem die optischen Signale von unserem Gehirn wahrgenommen und verarbeitet wurden. Tatsächlich beeinflussen unsere Emotionen aber unsere Sicht schon in den ersten Sekundenbruchteilen dieser visuellen Wahrnehmung."


In einer kommenden Studie wollen die Forscher nun untersuchen, wie gegensätzliche Augenbewegungen möglicherweise die Entwicklung jener Gesichtsausdrücke beeinflusst haben, mit denen nonverbale Kommunikation auch kulturübergreifend möglich ist: "Wir wollen besser verstehen, wie es dazu kam, dass diese Ausdrücke zur Kommunikation über unsere Emotionen geworden sind", erläutert Anderson abschließend. "Wir wissen, dass unsere Augen eine wichtige Grundlage für die menschliche Empathie, also unsere Fähigkeit sind, zu erkennen, was andere Menschen denken und fühlen. Durch unsere Beobachtungen haben wir vielleicht jetzt schon teilweise Antworten auf die Frage, warum das so ist."


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Quelle: cornell.edu
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