Montag, 10. März 2014

Einzelfallstudie beschreibt Fähigkeit der gezielt herbeigeführter außerkörperlicher Erfahrungen


Außerkörperliche Erfahrung (Illu.). | Copyright: louishpixel.com

Ottawa (Kanada) - In einer Fallstudie haben kanadische Neurologen eine 24-jährige Studentin untersucht, die von sich behauptet, bewusst und jederzeit ihren Körper verlassen und sich dabei betrachten zu können. Während nahezu identische Erlebnisse auch von Menschen beschrieben werden, die diese Erfahrung als "außerkörperliche Erfahrung" (AKE) bezeichnen und entsprechende Vorgänge u.a. als Beweis für die Existenz der Seele betrachten, unterscheiden sich die Wahrnehmungen der Studentin jedoch in anderen Punkten von einer klassischen AKE. Nach ihren Untersuchungen sind sich die kanadischen Wissenschaftler sicher, dass zumindest die untersuchte Studentin selbst neurologische Illusionen herbeiführen kann. Zudem vermuten die Forscher, dass es sich bei der Studentin nicht um einen kuriosen Einzelfall handelt.

Auf die junge Frau aufmerksam wurden die Wissenschaftler nach einer Vorlesung über außerkörperliche Erfahrungen (out-of-body experiences, OBE), als die Studentin über ihre Fähigkeit berichte, eben solche Zustände vor dem Einschlafen gezielt und absichtlich herbeiführen zu können. Offenbar war sie zudem überrascht zu hören, dass nicht Jedermann über die Fähigkeit verfügt und diese Fähigkeit allgemein als eher ungewöhnlich gilt.


Wie Andra M. Smith und Claude Messier im Fachjournal "Frontiers in Human Neuroscience" (DOI: 10.3389/fnhum.2014.00070) weiter berichten, erklärte die junge Frau, diese Fähigkeit schon im Kindesalter entdeckt und diese geradezu als Zeitvertreib geübt und perfektioniert zu haben.


"(Die Studentin beschreibt, dass sie) in der Lage war, sich selbst in der Luft über ihr drehen zu sehen, während ihr Körper weiterhin im Bett lag. Sie berichtete auch, dass sie sich selbst manchmal von oben herab bewegen sah, obwohl sie sich ihres reglosen wirklichen Körpers 'bewusst' war. Während dieser Erfahrungen, habe sie keinerlei besondere mit diesem Vorgang verbundene Emotionen erlebt."


Da aber genau dieser Punkt, starke Emotionen (Schock, Ehrfurcht, Furch, Freude, Trauer) während einer außerkörperlichen Erfahrung von den meisten Zeugen besonders betont wird und der eigene Körper während dieser Erfahrung sozusagen aus der Perspektive einer dritten Person betrachtet wird, bezeichnen die kanadischen Forscher die Erfahrungen der 24-Jährigen nicht als klassische "out-of-body experience" (OBE) sondern als "extra-corporeal experience" (ECE; extrakörperliche Erfahrung).


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Nachdem eine erste Untersuchung zeigte, dass die Frau an keinerlei Hirnanomalien oder Hirnschäden litt, untersuchten die Forscher die Studentin während der von ihr willentlich herbeigeführten ECE mittels MRT-Scans.

Hierbei stellten die Forscher eine zu einen eine starke Deaktivierung des visuellen Cortex fest, während zum anderen verschiedene Hirnregionen der linken Hirnhälfte, wie sie für die kinästhetischer (bewegungsempfinsamer) Bildgebung – wie etwa der mentalen Abbildung von Körperbewegungen - verantwortlich sind, aktiviert wurden. Offenbar handelt es sich also zumindest bei den Erfahrungen der Studentin um eine neurologisch induzierte Illusion bzw. Halluzination und nicht um das Erleben eines tatsächlichen Ereignisses.


Abschließend beschreiben die Wissenschaftler die Erfahrungen bzw. die Fähigkeit der 24-Jährigen zwar als für die Forschung und Neurologie "neuartig", dennoch könne es sein, dass "das Phänomen wesentlich weitverbreiteter sei - es jedoch von den betroffenen Personen nicht als etwas Ungewöhnliches erachtet und somit auch nicht darüber als solches gesprochen, geschweige denn davon berichtet werde".


Alternativ bestehe die Möglichkeit, dass diese Fähigkeit noch bei Kindern angelegt sei, diese sich jedoch ohne gezielte Übung mit der Zeit verliere. Ähnliches konnte auch schon bezüglich des Phänomens der Synästhesie beobachtet werden, wenn bei einigen Menschen, zwei oder mehrere Sinneswahrnehmungsbereiche, etwa die von Farbe und Temperatur oder Zahlen, miteinander gekoppelt sind und in der Wahrnehmung dieser Personen miteinander einhergehen.


WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

AWARE: Klinische Studie über Nahtod- und außerkörperliche Erfahrungen vor der Fachpublikation 12. Februar 2014


grenzwissenschaft-aktuell.de

Quelle: journal.frontiersin.org
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE