Mittwoch, 5. März 2014

Forscher entdecken und wiederbeleben 30.000 Jahre alten Riesenvirus aus dem sibirischen Permafrost

Elektronenmikroskopaufnahme des Riesenvirus "Pithovirus sibericum". | Copyright: Julia Bartoli & Chantal Abergel, IGS, CNRS/AMU

Marseille (Frankreich) - Im extremen Permafrostboden des nord-östlichen Sibirien hat ein internationales Wissenschaftlerteam einen neuen Riesenvirus entdeckt, aufgetaut und konnte diesen - für Mensch und Tiere jedoch harmlosen - Virus nach 30.000 Jahre Kälteschlaf wieder reaktivieren. Die Entdeckung zeigt, dass durch das Auftauen vom Permafrostböden auch vermeintlich ausgestorbene, ausgerottet geglaubte und eiszeitliche Viren wiederbelebt werden können.

Getauft auf den Namen "Pithovirus sibericum" erreicht der nun entdeckte und Virus eine Größe von mehr als 0.5 und bis zu 1,5 Micron und kann so auch schon durch ein normales Lichtmikroskop erkannt werden.


Wie die Forscher vom Information Génomique et Structurale Laboratoire (CNRS/AMU), gemeinsam mit Kollegen des Biologie à Grande Echelle Laboratoire (CEA/INSERM/Université Joseph Fourier), des Génoscope (CEA/CNRS) und der Russischen Akademie der Wissenschaften aktuell im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS; DOI: 10.1073/pnas.1320670111) berichten, handelt es sich um die bislang dritte Form von Riesenviren. Schon zuvor hatten Virologen zwei recht unterschiedliche Riesenviren entdeckt: Die Megaviridae und Pandoraviren.


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Während Megaviridae sich mit einem sich mit einem selbstkodierten Replikationsapparat außerhalb des Zellkerns ihrer Wirtszelle vermehren, müssen Pandoraviren sich in das Erbgut im Kern ihrer Wirtszelle (etwa in Amöben) integrieren (...wir berichteten). Das "Pithovirus sibericum" gehört jedoch keiner der beiden Arten an: Zwar gleicht es im Aufbau den Megaviridae, pflanzt sich aber ähnlich wie die Pandoraviren fort, während es sich von diesen eindeutig genetisch unterscheidet.


"Die Entdeckung zeigt uns, wie wenig wir über die mikroskopische biologische Artenvielfalt in 'neuen' Umgebungen überhaupt wissen", so die Forscher. Schlussendlich zeige die Studie, dass es durchaus möglich ist, dass mit den zunehmend auftauenden Permafrostböden der arktischen Regionen auch heute vermeintlich ausgestorbene und vielleicht sogar noch gänzlich unbekannte Viren aufgetaut und wiederbelebt werden könnten. "Das Wiederauftauchen von Viren, die eigentlich auch ausgelöscht gelten - beispielsweise den sich ähnlich wie der Pithovirus vermehrenden Pocken - ist also keine Science-Fiction mehr", geben die Wissenschaftler abschließend zu bedenken. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios müsse nun denn auch realistisch eingeschätzt werden.


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Quelle: cnrs.fr
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