Freitag, 7. März 2014

Forscher präsentieren bislang unbekanntes Phänomen als Erklärung für Erdbebenlichter


Elektrische Ausschläge von 100 Volt und mehr können entstehen, wenn sich Risse in körnigem Material (hier Mehl innerhalb eines Kastens) öffnen und wieder schließen. | Copyright: Tony Shinbrot

New Jersey (USA) - Seit Jahrhunderten werden unmittelbar vor Erdbeben merkwürdige, meist kugelförmige Lichterscheinungen über den betroffenen Gegenden beobachtet. Nach jahrzehntelanger Missachtung derartiger Schilderungen durch die Wissenschaft belegen mittlerweile mehr und mehr Filmaufnahmen die Existenz der sogenannten Erdbebenlichter. Jetzt haben US-Forscher eine neue Erklärung vorgelegt und zugleich ein neues physikalisches Phänomen entdeckt.

Wie das Team um Professor Troy Shinbrot von der Rutgers University auf dem Jahrestreffen der American Physical Society in Denver berichtete, könnten die mysteriösen Lichter, die auch als "Blitze an unbewölktem Himmel" bezeichnet werden, durch sich kurz vor den Erdbeben verschiebende Erdschichten erzeugt werden, durch die offenbar gewaltige elektrische Ladungen entstehen können.


Auf ihre Theorie kamen die Wissenschaftler anhand von Versuchen mit in einer Röhre befindlichem Backmehl und entdeckten dabei zugleich ein völlig neues physikalisches Phänomen.


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"Wir haben eine Tupperware-Schachtel mit Mehl gefüllt und diese hin und her gekippt, bis in der gepackten Mehlmasse Risse entstanden, die sich durch die Bewegung öffneten und schlossen. Dieser Vorgang erzeugte eine Spannung von 200 Volt", schildert Shinbrot die eher zufällige Entdeckung.


Für das erstaunliche Phänomen konnten die Wissenschaftler keine bislang bekannte Erklärung finden. "Wie es scheint, ist es ein aus physikalischer Sicht neues Phänomen." Weitere Experimente mit anderen körnigen Material erzeugten die gleichen Ladungserscheinungen.


Mögliches Erdbebenlicht während des Sendai/Fukushima-Bebens am 11. April 2011


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Wenn derartiges auch entlang geologischer Faltenverläufe passiert, könnten die Körnung des Erdbodens mehrere Millionen Volt elektrostatischer Spannung erzeugen, die dann wiederum Blitze in der Luft darüber auslösen und eine Art "natürliches Frühwarnsystem" für bevorstehende Erdbeben darstellen.


Jetzt wollen die Forscher genauer untersuchen, warum es an manchen Orten zu solchen Erdbebenlichtern kommt und an anderen Orten nicht. "Nicht jedem großen Erdbeben gehen diese Lichtblitze voraus und nicht jede Erscheinung dieser 'Blitze' wird von einem Erdbeben gefolgt."


Um die Verbindung zwischen den Lichterscheinungen. elektrischer Spannung in der Luft und Erbeben genauer zu untersuchen, hatten Wissenschaftler zuvor in türkischen Erdbebenregionen Messtürme aufgestellt um damit Ladungsfelder in der Luft zu messen. Hierbei zeigte sich, dass es tatsächlich vor größeren Beben (Stärke 5 und höher) zu Aufladungen der Luft kommt. Allerdings sei dieses Spannungssignal nicht immer gleich und variiere in seiner Stärke. Trotz dieser Beobachtungen sei noch vieles an diesen Erscheinungen nicht verstanden, zitiert die BBC den Wissenschaftler.


Jetzt wollen die Forscher zunächst die physikalischen Hintergründe ihres Mehl-Experiments erforschen, um dieses so besser zu verstehen. "Was ist dieser neue, noch unbekannte Mechanismus, der zur elektrischen Spannung in den Puder-Rissen führt?", fragt Shinbrot. "Hier handelt es sich nicht um das, was man sich sonst unter statischer Aufladung vorstellt. Es ist ein gänzlich anderer Mechanismus wie der, wenn Gummi über einen Nylonteppich streift. Hier handelt es sich um zwei Schichten des exakt gleichen Materials, die aneinander reiben - und dennoch dabei Spannung erzeugen. Unsere bisherigen Vermutungen sind bislang so gut wie alle anderen auch."


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Quelle: aps.org, bbc.co.uk
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