Mittwoch, 26. März 2014

Forscher rekonstruieren bislang unbekanntes Navigationsinstrument der Wikinger


Ein Teil der Scheibe von Uunartoq. | Copyright: Soren Thirslund

Budapest (Ungarn) - Ungarische Archäologen haben die Funktion eines auf Grönland entdeckten Artefakts aus der Wikingerzeit rekonstruiert und diese auch erfolgreich getestet. Wie sich zeigte könnte es sich bei dem von den Forschern als "Dämmerungsbrett" bezeichneten Gegenstand um ein bislang unbekanntes Navigationsinstrument handeln, dass es den Nordmännern ermöglichte, auch noch bei Dämmerung und bewölktem Himmel den Sonnenstand und damit die Nordrichtung zu bestimmen.

Wie die Forscher um Balázs Bernáth von der Eötvös Universität aktuell im Fachjournal "Proceedings of the Royal Society A: Mathematical and Physical Sciences" (DOI: 10.1098/rspa.2013.0787) berichten, stellt das "Dämmerungsbrett" damit neben dem einfachen Sonnenkompass, dem Horizontbrett und dem sogenannten "Sonnenstein", mit dem sich die Position der Sonne auch bei bewölktem Himmel ermitteln lässt (...wir berichteten), ein weiteres Navigationsinstrument dar, dass es den Wikingern ermögliche zielgerichtet etwa den Atlantik zu überqueren.


Das Dämmerungsbrett bzw. die Hälfte einer Holzscheibe, wurde 1948 in den Ruinen der Bedediktinerabtei von Uunartoq auf Grönland entdeckt. Über seine Funktion konnten Wissenschaftler bislang jedoch lediglich spekulieren. Ursprünglich bestand das Brett, von dem heute nur noch eine Hälfte erhalten ist, aus einer runden Scheibe mit einem 1,7 Zentimeter durchmessenden mittigen Loch und in die Scheibe eingeritzten Linien und Markierungen.


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Zwar vermuteten schon frühere Analysen der einstigen Scheibe, dass die Linien Markierungen der Nordrichtung sein könnten, doch war das mittige Loch schlichtweg zu groß, als dass ein in dieses Loch passender Stab als Zeiger eines Sonnenkompasses hätte dienen können, so die Forscher.


Bernáth und Kollegen glauben nun, dass das Mittelloch keinen zylindrischen Stab, sondern einen Kegel beherbergte: Nachdem bei Bewölkung oder früher Dämmerung der Stand der bereits hinter dem Horizont verschwundenen Sonne mit Hilfe des Sonnensteins lokalisiert worden war, wurde auf diesen Kegel horizontal ein sogenannter Schattenstab aufgesetzt, dieser auf die Position der Sonne ausgerichtet und so sozusagen als simulierter Schatten zur Bestimmung der Nordrichtung nach dem Vorbild eines einfachen Sonnenkompass genutzt.



Polarisierende Kristalle, hier ein isländischer Silfurberg-Kristall (Silberfels), wurden von den Wikingern als "Sonnensteine" zur Navigation verwendet. | Copyright: ArniEin, CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Commons

 
Tatsächlich gelang es Versuchspersonen, mit Hilfe des von den Forschern nachgebauten Instruments auf diese Weise recht genau selbst nach Sonnenuntergang mit Hilfe der Sonne die Nordrichtung zu ermitteln.


Für die Forscher zeigt die erfolgreiche Rekonstruktion und Nutzung des Instruments, dass die Wikinger mit den ihnen zur Verfügung stehenden Instrumenten in der Lage waren, rund um die Uhr und auch bei bewölktem Himmel genau zu navigieren.


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Kritiker verweisen indes auf dem Umstand, dass der Fund von Uunartoq der bislang einzige seiner Art sei, dass jedoch bei einer derartigen Nutzung zu vermuten wäre, dass mittlerweile noch weitere derartige "Dämmerungsscheiben" gefunden worden wären. Die Forscher selbst verweisen indes auf den Umstand, dass derart kleine hölzerne Instrumente möglicherweise nur selten bis heute erhalten blieben und weitere Funden bislang vielleicht noch gar nicht als solche erkannt wurden und weiterhin in Archiven von Museen und Sammlern schlummern.

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Quelle: rspa.royalsocietypublishing.org, news.discovery.com
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