Sonntag, 16. März 2014

Interview mit dem UFO-Forscher Christian Czech

Mit den Aufnahmen vom McMinnville, 1950, weckten bei Christian Czech die Faszination UFO.

Christian Czech erforscht seit 14 Jahren UFOs, seit 2008 ist er Vorstandsbeisitzer und Fallermittler bei der "Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens" (GEP), seit 2010 zudem bei der "Deutschsprachigen Gesellschaft für UFO-Forschung", wo er auch als Webmaster und Kassenwart aktiv ist. Hinzu pflegt Czech mit "UFO-Datenbank.de" hauptverantwortlich Deutschlands umfangreichste Datenbank für UFO-Sichtungen. Im Interview mit Martina Riemer vom Alien.de-Forum, das wir im Folgenden mit freundlicher Genehmigung übernommen haben, berichtet Czech von seiner Arbeit und kommentiert die aktuelle UFO-Forschung.

Riemer: Wie ist es zu Deinem Interesse an der UFO-Forschung gekommen? Gab es ein besonderes Ereignis?


Czech: Ein besonderes Ereignis gab es nicht und das Interesse kam auch eher schleichend. 1991 lag einer Zeitschrift ein Prospekt von einem Buchversand bei. Dort war das Buch "Unbekannte Flugobjekte" beworben, neben dem Cover war ein Bild aus dem McMinnville-Fall von 1950 abgebildet. Irgendwas weckte mein Interesse, aber zu weiteren Aktivitäten kam es nicht. Ich beschäftigte mich aber bereits seit 1986 mit Astronomie und in einem Buch wurden UFOs erwähnt. Die nächste Stufe kam 1994, als ich anfing, Zeitungsartikel über den Kometen Shoemaker-Levy 9 zu sammeln, der damals auf den Planeten Jupiter stürzte. Wenig später kamen dann auch Zeitungsartikel über UFOs hinzu. Am 24.10.1994 wurde die Sendung "UFOs – Es gibt sie doch" von der ARD ausgestrahlt und ab da war dann ein größeres Interesse vorhanden. Ich sammelte weiter Zeitungsartikel. 1997 erschien die Heftreihe "X-Faktor", in denen regelmäßig über UFO-Sichtungen geschrieben wurde, ab da begann meine Sammlung von UFO-Sichtungen. Im Januar 1999 kaufte ich das Buch: "UFOs - Das Jahrhundertphänomen" von Reinhard Habek. Dort erfuhr ich erstmals von UFO-Forschungsgruppen in Deutschland und schrieb dann auch einige an, um mehr über die Arbeit zu erfahren und auch über UFO-Sichtungen. Hans-Werner Peiniger schickte mir damals eine mehrseitige Excelliste mit allen Sichtungen der GEP, da wollte ich natürlich alles über diese Sichtungen wissen.


Riemer: Und, hast Du alles über die Sichtungen erfahren?


Czech: Nicht direkt, ich hatte damals kein Internet. Ich muss auch sagen, dass es noch nie so einfach wie heute war, an Informationen über das UFO-Phänomen zu kommen, damals war es noch richtig schwierig. Ich hatte mir alle noch verfügbaren Ausgaben des "JUFOF" (Journal für UFO-Forschung) schicken lassen, was ja an sich schon ein großer Materialfundus war. Parallel habe ich noch die "UFO-Nachrichten" und den "CENAP-Report" abonniert. Von den "UFO-Nachrichten" habe ich mir auch alle noch lieferbaren Ausgaben besorgt. So hatte ich erstmal eine Grundlage. 2000 kamen noch mehrere Bücher zum Thema dazu. Was mich immer am meisten genervt hat war, dass es ständig Verweise auf Internetquellen gab und ich die nicht abrufen konnte. So kam es, dass ich mir einen Zugang zulegte, und damals noch mit 33.6 k im Internet unterwegs war. Für alle, die damit nichts anfangen können: Damals hatte man ein Modem, welches die Telefonleitung verwendete. Bei der Einwahl gab es lustige Geräusche, das Surfen war sehr langsam und wenn dich jemand angerufen hat, dann bist du aus dem Internet geflogen.


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Riemer: Seit wann bist Du in der UFO-Szene Tätig und was beinhaltet Deine Arbeit?


Christian Czech

Czech: Meine ersten Kontakte in die Szene hatte ich 1999. Aktiv bin ich aber erst seit 2006. Damals ging es darum, eine Datenbank für UFO-Sichtungen zu erstellen. Zusammen mit der GEP war dies erst eine reine html-Datenbank, Anfang 2007 wurde daraus eine Software aus php und sql. Seit 2008 bin ich Vorstandsbeisitzer im Vorstand der GEP, seit 2010 Webmaster der DEGUFO, seit 2011 deren Kassenwart. Für die GEP erledige ich außerdem (ich glaube auch seit 2010) die Buchhaltung. Aus Personalmangel heraus bin ich seit 2011 auch Fallermittler der DEGUFO und GEP.

Riemer: Kannst Du Deine Tätigkeit als Fallermittler mal beschreiben, was waren bisher die spannendsten Fälle? Wie teilt sich die Arbeit hier auf?


Czech: Jeder Fall beginnt mit einer Meldung durch den Sichtungszeugen. Anschließend schaut man sich den Bericht an und überprüft, ob dort Muster zu erkennen sind, die auf einen herkömmlichen Auslöser der Sichtung schließen lassen. Ist dies der Fall, versuche ich meine Theorie zu bestätigen. Dies kann z.B. durch Abfrage der Wetterdaten geschehen, aber auch Flugverläufe und astronomische Rekonstruktionen geschehen. Wenn die Schilderung des Zeugen aber auf keinen bekannten Auslöser hinweist, ist meistens das Ausfüllen eines Fragebogens notwendig. Es gibt Fälle, bei denen kann trotz ausreichender Datenmenge keine Erklärung gefunden werden. In Deutschland betrifft dass etwa 5% aller Fälle. 95% sind IFOs, also identifizierte fliegende Objekte wie Ballons, Flugzeuge, Sterne etc.


Riemer: Wenn man sagt, man beschäftigt sich mit UFOs, dann wird man ja häufig belächelt und es heißt UFOs wären Spinnereien und grüne Männchen vom Mars gibt’s nicht.


Czech: Daran sind aber die Medien schuld. Es wurde lange Zeit behauptet, dass in den fliegenden Untertassen grüne Männchen vom Mars sitzen. Das ist vollkommener Blödsinn. Ein UFO ist eine Erscheinung, die der Beobachter nicht als herkömmliches Objekt identifizieren kann. In die Lage, ein solches Objekt zu sehen, kann jeder, ich betone JEDER, kommen. Daran ist nichts Verwerfliches. Keiner kann alles kennen, was am Himmel rumfliegt. Natürlich gibt es auch Versuche, eine Fälschung als echte UFO-Sichtung zu verkaufen, meistens fliegt so was aber auf, da hier Zeugen entweder nicht dazu bereit sind, nähere Auskünfte zu geben oder die Zeugen übermäßig redselig sind und sich dadurch in Widersprüche verwickeln. Es ist zwar im Zeitalter des Internets so, dass viele Fälschungen kursieren, gerade auf Videoportalen, wir Fallermittler aber nahezu verschont bleiben. Wir haben auch so genug Arbeit, da brauchen wir nicht auch noch Fake-Videos.


Riemer: Was sollte Deiner Meinung nach in der UFO-Szene verändert werden?


Czech: Die UFO-Szene befindet sich in einem permanenten Wandel. Der Trend geht - Gott sei Dank - hin zur Kollegialität und Versachlichung. Als ich 2000 in die Szene kam, da konnte man in Internetforen noch sehen, wie sich alle Seiten die Köpfe einschlugen. Dies ist heute nicht mehr so, z.B. zwischen der DEGUFO und der GEP herrscht ein gutes Verhältnis, mittlerweile wird eine gemeinsame Fallermittlerliste betrieben und auch in einigen Projekten zusammengearbeitet. Was verändert werden müsste, wäre das Bewusstsein, dass es sich um ein globales Phänomen handelt, und wir dementsprechend einen globalen Austausch von Sichtungen und Material haben müssten, um uns ein globales Bild von dem Phänomen machen können. Hieraus ergeben sich dann weitere Forschungsfragen, die interessant wären, geklärt zu werden.


Riemer: Wie sieht Deine persönliche Zukunft in deiner Arbeit als Fallermittler aus?


Czech: Vermutlich werde ich auch noch in 30 Jahren Fälle von Sichtungszeugen bearbeiten. Ich würde mir wünschen, dass mehr Fallermittler auch aktiv werden, so dass die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt werden kann.


Riemer: Es gibt ja zahlreiche Randphänomene, wie wichtig sind die für die Forschung?


Czech: Kontrovers diskutiert wird ja immer, ob die Randphänomene überhaupt einen nachweisbaren Zusammenhang mit dem UFO-Phänomen haben. Ich persönlich denke, dass gewisse Zusammenhänge bestehen, die aber noch bewiesen werden müssen. Ansonsten dürfte bei diesen Fällen genau das Gleiche gelten, wie beim UFO-Phänomen: Eine gewisse Anzahl an Fällen werden mit natürlichen Gegebenheiten erklärbar sein, eine kleinere Anzahl wird unerklärbar sein. Vielleicht müsste man hier auch wie beim UFO-Phänomen eine Systematik einführen, um die Fälle einordnen zu können.


Riemer: Wie schätzt Du diese Phänomene persönlich ein?


Czech: Sie sind da, kein Zweifel. Ich denke, wie bereits geschrieben, dass es auch hier Fälle gibt, die nicht geklärt werden können. Welche das genau sind und welche Parameter hier wichtig sind, kann ich so nicht sagen, dafür habe ich mich noch nicht genau damit befasst.


Riemer: Was ist Deine persönliche Ansicht zum UFO-Phänomen? Was könnte hinter dem Ganzen stecken?


Czech: Jeder der mir sagt, dass es keine UFOs gibt, den muss ich belächeln. Da, wie eingangs geschrieben, ein UFO ein Objekt ist, welches sich der Beobachter nicht erklären kann, und kein Untertasse vom Mars mit grünen Männchen drin, muss man sagen, dass das UFO-Phänomen echt ist. Was genau dahinter steckt, das wird wohl niemand so genau sagen können. Sonst gäbe es ja keine "Problematic" und "Good UFOs".


Riemer: Kannst Du mehr zu Deinen Büchern erzählen? Wie bist du dazu gekommen?


Czech: Da ich ja Sammler von UFO-Sichtungen bin, habe ich mir die entsprechenden Akten übersetzt. Da ich weiß, dass niemand zehntausende Seiten an Dokumenten durchackert, schien es mir logisch, eine Zusammenfassung hiervon zu erstellen.


Riemer: Es gibt ja auch noch UFO-Akten aus der ganzen Welt. Stehen da mehr interessante Sichtungen drin und können wir von anderen UFO-Forschern noch was lernen?


Czech: Einen Lerneffekt werden wir nicht haben. Die Arbeit der offiziellen Stellen beruhte ausschließlich auf der Tatsache herauszufinden, ob an deren Himmel etwas fliegt, was der Spionage dient. Eine Aufklärung in der Form, wie wir das machen, fand selten statt. Am ehesten wohl beim Projekt "Blue Book", wobei dort einige Erklärung derart daneben sind, dass es dem Fallermittler schon weh tut.


Was in den Akten steht, ist eigentlich genau das, was wir als UFO-Forschungsgruppen auch gemeldet bekommen, also ein bunter Querschnitt von allen möglichen Beobachtungen, von Lichtern in der Nacht bis hin zu komplexen Objekten. Man kann also sagen, dass die offiziellen Stellen bisher nichts freigegeben haben, was wir nicht auch im Archiv hätten. Die Akten enthalten auch keinen Beweis, dass uns Außerirdische besucht hätten.


Riemer: Wie es mit den offiziellen Stellen, haben die andere Informationen als unsere UFO-Forschungsgruppen?


Czech: Ich glaube nicht, dass die andere Informationen haben, schließlich stellt sich das Phänomen bei offiziellen Stellen nicht anders dar, als bei den Gruppen. Was ich aber glaube ist, dass der Kenntnisstand nicht so stark vorhanden ist, was die Stimuli betrifft. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, man kann ja bei uns nachfragen.


Riemer: Wird deiner Meinung nach genug in der UFO-Forschung getan?


Czech: Tja, hier stecken wir in einem Dilemma. Es könnte durchaus mehr getan werden, sofern es mehr Aktive gäbe. Da dies aber nicht der Fall ist, und die ganze Arbeit von wenigen geschultert wird, können wir nicht mehr leisten, als wir es bisher machen.


Riemer: Was könnte man besser machen?


Czech: Wir könnten natürlich mit mehr Personal die Fallermittlungen verbessern, z.B. den Zeugen zeitnah bedienen. Wir können unsere Kontakte nach außen ausbauen, wir könnten interessante Artikel übersetzen, mehr über das Phänomen berichten und und und...


Riemer: Gab es relevante Fehler in der Vergangenheit?


Czech: Sicher gab es die. Der größte Fehler war und ist, die unterschiedlichen Ansichten über eine Sache zu emotionalisieren. Anstatt einer sachlichen Diskussion mündet es meistens in einen Kleinkrieg. Man kann natürlich unterschiedlicher Ansicht sein, aber dann sollte man nicht versuchen, seine Meinung als die einzig richtige These darzustellen und ohne Rücksicht auf Verluste nach außen zu tragen. Jeder kann die Meinung eines Anderen respektieren, Meinungsfreiheit ist schließlich ein Grundrecht. Ich plädiere aber dafür, dass eine Meinung(sbehauptung) anhand der Sachlage entstehen sollte und nicht nach der persönlichen ideologischen Überzeugung. Wenn eine Meinung belegbar ist, dann ist das legitim. Einfach zu behaupten, dass ein Fall auf eine Himmelslaterne zurückzuführen ist, reicht eigentlich nicht aus. Die Beweisführung sollte mindestens die Winddaten mit der Flugrichtung abgleichen. Einen Fortschrittlichen Weg sehe ich zwischen DEGUFO und GEP. Der Umgang miteinander und die Respektierung von Meinungen ist hier vorbildlich.


Riemer:
Wie siehst du das Ufo-Phänomen global?


Czech: Wir haben derzeit keinen Einblick in das globale Phänomen. Ich will das aber ändern und einen regelmäßigen Austausch von Sichtungen weltweit in Gang bringen. Die Daten dann in die UFO-Datenbank gepackt und durch verschiedene Auswertungsfunktionen gejagt dürfte einen sehr interessanten Einblick über das Phänomen ermöglichen, wie z.B. wo sind Hot-Spots, warum sind dort Hot-Spots, welche UFO-Formen treten wo seit wann auf und eine ganze Palette weiterer Forschungsfragen, die man hier beleuchten könnte.


Riemer: Kannst du uns das weltweite Phänomen der zahlreichen Sichtungen auf aller Welt aus deiner Sicht darstellen?


Czech: Ich kann nur aus dem Sprechen, was ich bisher aus der Literatur kenne. Und da verhält es sich so, dass selbst in Gegenden, wo wenig Medienzugang herrscht, das Phänomen gesehen wird. Man kann keine Pauschalbetrachtung vornehmen, sondern müsste jeden Fall für sich betrachten. Es gibt aber einige interessante Sichtungen, die wohl nicht so leicht erklärbar sind. Die Zahl der Sichtungen, die auf der Erde gemacht wurden, wurde 1997 mit 5 Millionen angegeben. Diese Zahl erscheint mir zu hoch. Ich schätze mit Dunkelziffer, dass es 1,5 - 2 Millionen Sichtungen sind. Eine genaue Einschätzung ist aber derzeit nicht möglich.


Riemer:
Hat die technische Entwicklung hierauf Einfluss genommen?


Czech: Das ist eine der Forschungsfragen, die ich mir stelle: Hat der technologische Fortschritt auf der Erde einen Zusammenhang mit den beobachteten UFO-Formen? Dies kann man vielleicht ergründen, wenn man mal alle Sichtungsberichte erfasst hat und dann sich entsprechende Statistiken ausgeben lässt, wie z.B. ab wann und wo eine gewisse Form aufgetreten ist.


Auszüge aus dem von den deutschen UFO-Forschungsorganisationen gemeinsam erarbeiteten Fragebogen für UFO-Sichtungszeugen. | Copyright/Quelle: ufo-forschung.de

Riemer: Gibt es bestimmte Auffälligkeiten?


Czech: Die Formen sind mit fortschreitender technischer Entwicklung komplexer geworden. Waren es um die Jahrhundertwende um 1900 meist "Zigarren", so waren es 1947 Scheiben, später dann Dreiecke, Kästen und heute teils drohnenartige Gebilde.


Riemer: Hat sich das UFO-Phänomen im Zeitalter des Internet entscheidend geändert?


Czech: Vom Inhalt der Sichtungsberichte nicht. Es ist leichter geworden, Fälschungen zu erstellen und für echt zu verkaufen. Glücklicherweise spielt sich das aber meistens in Videoportalen wie Youtube ab und landet nicht bei uns auf dem Schreibtisch.


Riemer: Ist es nun schwerer geworden UFO-Forschung zu betreiben?


Czech: Nein, leichter. Dadurch, dass Fallermittler über das Internet recherchieren kann, und die Recherchedaten ohne Zeitverzögerung bekommt, hat sich die Arbeit vereinfacht. Früher musste man die einzelnen Stellen per Post anschreiben, auf Antwort warten etc. Heute gar nicht mehr denkbar.


Riemer: Wie sieht es aktuell mit den Sichtungszahlen aus, werden es immer mehr?


Czech:
Nach dem 11.09.2001 gab es einen Einbruch bei den Meldezahlen. Seitdem die UFO-Datenbank die Möglichkeit gibt, Sichtungen einfach zu melden, steigen die Zahlen auch wieder an. Über das Meldeformular sind seit 2007 über 3.000 Sichtungen gemeldet worden.



Screenshot der Internetseite der UFO-Datenbank. | Copyright: ufo-datenbank.de


Riemer:
Was kannst du uns zum aktuellen Trend dazu sagen?


Czech:
Wir hatten in 2014 noch kein Großereignis, was sich auch in den Zahlen widerspiegelt. Der Trend ist aber anhaltend hoch. Schönes Wetter trägt zu hohen Meldeaufkommen bei und anhand der Sichtungsmeldungen kann man auch sehen, wie das Wetter war. Hohes Sichtungsaufkommen = Schönes Wetter.


Riemer: Ist am Himmel nun mehr los als früher und warum ist das so?


Czech:
Das kann man pauschal nicht beantworten. Früher war es schwieriger, seine Sichtung zu melden. Man musste erst recherchieren, ob es überhaupt Gruppen gibt, die sich mit dem Phänomen beschäftigen. Heute reicht einmal Google zu konsultieren. Dementsprechend sind auch die Sichtungszahlen höher. Außerdem sind heute viele Smartphones unterwegs, hiermit kann man schnell Fotos und Videos machen.


Riemer:
Es wird ja auch oft von nicht zu unterschätzenden Stimuli gesprochen, was hat es damit auf sich?


Czech: Was ist denn ein nicht zu unterschätzender Stimulus? Wir hatten zwischen 2007 und 2009 eine Schwemme von Billighimmelslaternen. Gruppenübergreifend kamen so etwa 6.000 Sichtungsberichte zusammen. In den 1980 er und 1990 er Jahren gab es viele Sichtungen, die auf Lichteffektgeräte zurückzuführen waren. Was sich zukünftig als Problemstimuli entwickeln könnte, sind LED-Flugmodelle. Diese sind oftmals mit vielen LEDs in verschiedenen Farben ausgestattet, vollführen unkonventionelle Flugmanöver und bleiben auch mal auf der Stelle stehen. Daneben könnten und noch die LED-Ballons beschäftigen. Hierbei handelt es sich um konventionelle Luftballons, in denen eine oder mehrere superhelle LEDs verbaut sind und mit Helium gefüllt wird. Diese Dinger leuchten lange und fliegen weit. Ich hatte mal einen Fall, da wurden diese Ballone über eine Strecke von 150 Kilometern gesehen. Meistens werden sie als Traube zu 50 oder mehr Ballonen gestartet, der Anlass sind Feiern, Hochzeiten oder einfach, weil man Bock drauf hat.


Riemer:
Können wir aus den Stimuli etwas lernen?


Czech:
Lernen können wir nur als Fallermittler über das optische und dynamische Erscheinungsbild, um UFO-Sichtungen klären zu können.


Riemer:
Kannst du uns mal näher erklären was wir unter einem UFO verstehen sollten? Welche Definitionen gibt es dafür?


Czech:
Ein UFO (unidentifiziertes fliegendes Objekt) ist die mitgeteilte Wahrnehmung eines Phänomens am Himmel, welches sich der Beobachter nicht oder nicht eindeutig erklären kann.


Ein UFO ist (erstmal) keine Fliegende Untertasse, es kommt nicht vom Mars und es sitzen auch keine grünen Männchen drin. Grüne Männchen wurden meines Wissens nach auch noch nie beobachtet, eher graue Wesen mit mandelförmigen Augen.


Riemer:
Was ist ein nicht erklärbares Objekt? Habt ihr dafür bestimmte Kategorien?


Czech: Ein nicht erklärbares Objekt ist ein "Problematic UFO", ein "Good UFO" oder ein "Best UFO", wobei die Beurteilung "Best UFO" noch nie vergeben wurde. Ein "Problematic UFO" ist ein Objekt, dass anomale Merkmale besitzt, aber ein natürlicher Verursacher nicht ausgeschlossen werden kann. Ein "Good UFO" ist ein Objekt, das so viele anomale Merkmale besitzt, dass eine natürliche Erklärung unwahrscheinlich erscheint und ein Best UFO hat so viele anomale Merkmale, dass eine natürliche Erscheinung eindeutig ausgeschlossen ist.


Riemer: Wie viele UFO-Gruppen gibt es derzeit in Deutschland?


Czech: Eingetragene Vereine gibt es drei: Die DEGUFO e.V. seit 1993, die GEP e.V. seit 1972 und die MUFON-CES seit 1974.


Riemer: Wie läuft die Zusammenarbeit der Gruppen.


Czech: Die DEGUFO und die GEP arbeiten bei den Fallermittlungen auf einer gemeinsamen Mailingliste zusammen und auch bei einigen Projekten findet eine Zusammenarbeit statt. Verbindungen zu MUFON-CES gibt es meines Wissens nach nicht. Es wurde zwar das Angebot gemacht, aber nicht angenommen oder umgesetzt.


Riemer: Wie ist der momentane Stand und was habt ihr für die Zukunft noch alles vor?


Czech: Aufgrund der immer weniger werdenden Bereitschaft, aktiv mitzuarbeiten, werden in Zukunft wohl noch mehr Synergiepunkte geschaffen werden, um die wenige Arbeitskraft, die wir haben, effektiv zu nutzen. Auf der Agenda steht eine verbesserte Software für die UFO-Datenbank, deren Start am 04.07.2014 erfolgen soll, außerdem die Etablierung einer UFO-App für Smartphones. Außerdem arbeite ich derzeit an einem virtuellen Archiv der UFO-Forschung. Die GEP wird ihre Problematic-UFO-Fälle noch mal aufarbeiten und einer Betrachtung unterziehen. Weitere Projekte sind mir derzeit nicht bekannt.


Riemer:
Welche Ziele gibt es noch in der UFO-Forschung.


Czech: Die Ziele der einzelnen Gruppen sind ganz anschaulich auf der jeweiligen Homepage der Vereine zu finden.


Riemer: Was kann man noch verändern und wäre dir besonders wichtig?


Czech: Ich vertrete derzeit den Standpunkt, dass wir eine globale Vernetzung untereinander benötigen, um eben auch mitzubekommen, was auf der Welt so los ist. Wir haben es mit einem globalen Phänomen zu tun, welches wir auch als solches betrachten sollten. Alleine der Blick auf Deutschland reicht meiner Meinung nach nicht immer aus.


Die Kollegialität hatte ich ja bereits angesprochen. Der höfliche Diskurs sollte Standard sein. Alles andere ist unprofessionell.


Und natürlich sollte es so sein, dass Falldaten aus welcher Quelle auch immer offen liegen, so dass sie von den Forschern für eigene Studien etc. verwendet werden können. Es nutzt nichts, wenn 100 Leute auf diesem Planeten parallel die gleiche Arbeit ausführen, nämlich ein Leben lang auf der Suche nach UFO-Material sind und letztendlich niemand die Sammlungen nutzen kann. Ein erster Schritt dahin war die UFO-Datenbank, der zweite Schritt wird das Onlinearchiv für UFO-Forschung sein. Ich hoffe, dass sich möglichst viele Forscher und Gruppen (weltweit) daran beteiligen werden. Nur wenn wir alle den gleichen Wissensstand haben, sprechen wir eine Sprache.


Riemer: Du hast ja eine sehr große Datenbank damals ins Leben gerufen. Konntest du nach über 151.000 Sichtungsmeldungen noch etwas dazu lernen?


Czech: Also, einen Lernprozess als solches hatte ich eher nicht, aber viele lustige Momente. Beim Übersetzen der britischen UFO-Akten sind mir z.B. fliegende Eierbecher und Würstchen begegnet, das war einen Lacher wert. Ansonsten zeigt der Datenbestand das ganze Spektrum der UFO-Forschung auf. Interessant sind die Fälle, bei denen es zu Wechselwirkungen zwischen dem Objekt und seiner Umgebung kam, wie z.B. geschmolzener Asphalt, verbrannter Rasen, radioaktive Rückstände, Kälteeinwirkungen, versagende Automotoren oder verrücktspielende Elektronik.


Riemer: Was ist dein persönliches Fazit in der UFO-Forschung?


Czech: Weniger Reden und mehr machen. Wir sind eigentlich auf einen guten Weg derzeit, den wir nicht verlassen sollten. Die UFO-Forschung an sich ist gereift, es wird mittlerweile großen Wert auf sachlichen Umgang gelegt und auch die Zusammenarbeit funktioniert langsam. So sollte das eigentlich auch sein.


Riemer: Wie wird es deiner Meinung nach weiterhin zukünftig weiterlaufen?


Czech: Ich denke, dass auch in 50 Jahren noch UFOs gesehen werden und wir auch dann noch dabei sind, entsprechende Fälle zu untersuchen. Das Internet wird dabei eine immer größere Rolle spielen. Einen Beweis für die Existenz außerirdischen Lebens werden wir aber auch in 50 Jahren wohl noch nicht gefunden haben, also lässt das "Best UFO" weiter auf sich warten.


Riemer: Vielen Dank


Quelle: ufo-und-alienforum.de
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