Mittwoch, 19. März 2014

Moospflanze nach 1.500 Jahren im Eispanzer wiederbelebt


Probebohrungen im antarktischen Permafrostboden. | Copyright: Peter Boelen

London (England) - Britischen Wissenschaftlern ist es gelungen, mehr als 1.500 Jahre im antarktischen Eis eingeschlossene Moospflanzen wiederzubeleben. Damit konnten die Forscher erstmals zeigen, dass dieser wichtige Teil der polaren Ökosysteme die Fähigkeit besitzt, Jahrhunderte und möglicherweise sogar Jahrtausende - und damit die Dauer bisheriger Kleiner Eiszeiten - unbeschadet zu überstehen. Zugleich liefert das Moos damit neue Erkenntnisse über das Überleben des Lebens selbst während extremer Klimaperioden unseres Planeten. Laut den Forschern wäre es zudem durchaus vorstellbar, dass auch komplexere Lebensformen auf diese Weise in Permafrostböden und Eis Jahrhunderte und Jahrtausende überleben könnten.

Wie die Forscher der British Antarctic Survey und der Reading University aktuell im Fachjournal "Current Biology" (DOI: 10.1016/j.cub.2014.01.053) berichten, war das Moos mindestens 1.530 Jahre lang im Permafrostboden tiefgefroren eingeschlossen. Während bislang nur bekannt war, dass Moose bis zu 400 Jahren unter extremen Umweltbedingungen existieren können, waren vergleichbar lange Frostzeiten von mehreren hundert bis tausend Jahren bislang nur von Bakterien bekannt.


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Moose, so erläutern die Forscher, sind ein wichtiger Teil der Biologie beider polarer Regionen, dominieren das dortige Pflanzenreich über große Gebiete hinweg und speichern bzw. binden besonders in den nördlichen Polargebieten große Mengen an Kohlenstoff.


Gefrorener Moos-Kern aus dem Permafrostboden. | Copyright: Esme Roads

"Das Ergebnis unseres Experiments zeigt, dass auch mehrzellige Organismen - in diesem Fall Pflanzen - deutlich längere Zeiträume überdauern können als bislang angenommen", kommentiert Professor Peter Convey von der British Antarctic Survey den Nachweis. "Diese Moose sind eine Schlüsselkomponente des Ökosystems und können Zeiträume überdauern, die so lange und länger währen, wie etwa die letzte Kleine Eiszeit in Europa. (...) Wenn also Pflanzen auf diese Weise überleben können, so ist die erneute Kolonialisation durch das Leben nach Eiszeiten sehr viel einfacher vorstellbar als mit bisherigen Modellen, die davon ausgingen, dass sich das Leben erst wieder aus wärmeren Erdregionen seinen Weg suchen musste. Zugleich ermöglicht diese Fähigkeit auch den Erhalt der einstigen lokalen Artenvielfalt auch über längere Kälteperioden hinweg.


Auch wollen die Forscher schon jetzt nicht mehr ausschließen, dass auch noch komplexere Lebensformen lange Zeitperioden in Permafrostböden oder Eis überdauert haben und erneut zum Leben erweckt werden könnten.


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