Freitag, 7. März 2014

Mythische Licht- und Schattenspiele: Nabatäer-Stadt Petra wurde nach der Sonne und den Himmeln ausgerichtet


Zur Wintersonnenwende trifft das Licht der untergehenden Sonne direkt durch das Hauptportal des Ad Deir Tempels und erhellt dabei eine Nische, den sog. Motab (l.). Von hier aus betrachtet, wird zugleich ein gegenüberliegender Felsen zu einem gewaltigen Löwenkopf (r.). | Copyright: J. A. Belmonte - A. C. González-García

La Laguna (Spanien) - Der Lauf von Sonne, Mond und der Gestirne bestimmte Ausrichtung und Architektur der antiken Stadt Petra und anderer Städte des Volkes der Nabatäer im heutigen Jordanien. Zu dieser Erkenntnis kommen spanische und italienische Astronomen und -physiker anhand einer Analyse der räumlichen Platzierung und Ausrichtung von Tempeln und Gräbern in der Felsenstadt. Himmlischen Projektoren gleich, setzten die Erbauer markante Punkte des Sonnenjahres so ein, dass diese zu bestimmten Jahresfesten Heilige Stätten erhellten und gewaltige Schattenbilder von Götterwesen entstehen ließen.

Wie die Forscher um Juan Antonio Belmonte vom Instituto de Astrofisica de Canarias (IAC), dem spanischen Forschungsrat (CSIC) und der Universita di Perugia aktuell im Fachmagazin "Nexus Network Journal" (DOI: 10.1007/s00004-013-0164-6) berichten, wurden die heiligen Bauten nach Tagundnachtgleichen, Sonnenwenden und anderen astronomischen Ereignissen ausgerichtet, die auch für die nabatäische Religion und Kultur von Bedeutung waren.


Für die Forscher sind die nabatäischen Monumente "erstaunliche Laboratorien dafür, wie Landschaftsmerkmale und astronomische Ereignisse miteinander in Interaktion gebracht wurden", so Belmonte gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur "Sinc".


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Demnach sei die astronomische Ausrichtung der Bauwerke meist Teil eines komplexen Plans gewesen und spiegele die "astrale Natur der Nabatäer-Religion" wieder, die damit auch eine erstaunliche Hierophanie und damit das "Aufscheinen des Heiligen im Profanen" offenbare, in der Heilige Erscheinungen auf bereits in der Antike erfolgte Fortentwicklungen des frühen indogermanischen Schamanismus zurückgeführt werden.


Als herausragendes Beispiel beschreiben die Forscher den Felsentempel von Ad Deir in Petra: Während der Wintersonnenwende scheint das Licht der untergehenden Sonne hier durch das Eingangsportal des Tempels und erhellt dabei eine Nische, den sogenannten Motab, auf dem verschiedene Steinblöcke wahrscheinlich Gottheiten wie Dushara repräsentierten. Der dabei entstehende spektakuläre Effekt, sei nur an wenigen Tagen rund um die Sonnenwende zu beobachten und aller Wahrscheinlichkeit nach kein bloßer Zufall. Blickt man zudem in dieser Zeit vom Motab aus durch das Portal ins Freie, so verwandelt die untergehende Sonne einen gegenüberliegenden Felsen in den gigantischen Schattenkopf eines Löwen und damit in das Tier der Göttin Al Uzza werden lässt.


Auch die Architektur des Urnengrabmals von Petra, in dem vermutlich der Nabatäerkönig Malichus II beigesetzt wurde, folge astro-mathematischen Ausrichtungen - nun jedoch nach der Zeit des Sonnenuntergangs zur Tagundnachtgleiche. Den Umstand, dass zu dieser Zeit die Sonnenstrahlen die inneren Eckpunkte des Raumes definieren, interpretieren die Forscher derart, dass das Bauwerk auch zur Zeitmessung genutzt wurde. Tatsächlich wurde diese Eigenart des Bauwerkes auch noch ab 446 n.Chr. durch die Christen genutzt, um so den Zeitpunkt des Weihnachtsabends (24. Dezember) und des Johannistag am 24. Juni zu bestimmen, nachdem der Tempel zu einer christlichen Kirche umgewandelt wurde.


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Quelle: sinc.es
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