Samstag, 8. März 2014

Planet X, Nemesis, Nibiru & Co: Infrarot-Weltraumteleskop "WISE" findet keinen Hinweis auf weiteren großen Planeten im Sonnensystem


Diese zwei mit WISE entdeckten Braunen Zwergsterne (WISE J104915.57-531906, s. Ab. Kasten. o.r.) gehören zu den nächsten Nachbarn unserer Sonne. In früheren Aufnahmen waren sie nur als ein Objekt zu erkennen (Hntgr.). | Copyright: NASA/JPL/Gemini Observatory/AURA/NSF

University Park (USA) - Mit dem Weltraumteleskop WISE haben NASA-Astronomen von 2010 bis Ende 2011 den gesamte Himmel im infraroten Lichtspektrum nach bislang noch unbekannten Objekten abgesucht. Jetzt wurde der Abschlussbericht der Himmelsdurchmusterung vorgelegt: Obwohl WISE einige tausend neue Sterne entdecken konnte, gibt es keine Hinweise auf einen bislang unbekannten großen Planeten jenseits der Umlaufbahn des Pluto. Zuvor hatten einige Astronomen und Autoren die Existenz eines solchen Körpers immer wieder unter Namen wie Planet X, Nemesis, Tyche oder Nibiru vermutet.

"Die Suche mit WISE im infraroten Spektrum des gesamten Himmels fand kein Objekt von mindestens der Größe des Saturn innerhalb eines Abstandes von 10.000 Astronomischen Einheiten (1 AU = Abstand zw. Sonne und Erde, Abstand Pluto-Sonne = ca. 40 AU) und kein Objekt größer als Jupiter im Umkreis von 26.000 AU", erläutert die Pressemitteilung der NASA.


Aufgrund der WISE-Daten stellen die NASA-Forscher demnach fest, dass es "in unserem Sonnensystem wahrscheinlich keinen weiteren großen und entfernten Gasplaneten (Planet X) oder gar einen Zwergstern als bislang unbekannten stellaren Begleiter unserer Sonne (Nemesis) gibt", so Kevin Luhman vom Center for Exoplanets and Habitable Worlds an der Penn State University und Erstautor eines jetzt im "Astrophysical Journal" veröffentlichten Fachartikels (DOI: 10.1088/0004-637X/781/1/4).


Doch obwohl WISE keinen weiteren Planeten oder stellaren Begleiter finden konnte, sind die Astronomen mit der Ausbeute der Himmelsdurchmusterung alles andere als unzufrieden. So beschreibt eine zweite, in gleichen Fachjournal veröffentlichte Studie (DOI: 10.1088/0004-637X/783/2/122), mehrere tausend bislang unbekannte Sterne und Braune Zwerge (Himmelskörper zwischen Gasplanet und Stern) in unserer kosmischen Nachbarschaft.


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"Selbst in unserer direkten Nachbarschaft hatten sich Sternensysteme bislang regelrecht vor uns versteckt und wurden nun erst durch WISE im Infrarotspektrum sichtbar", erläutert Ned Wright von der University of California und Hauptuntersucher der WISE-Mission.


Insgesamt hat WISE demnach 3.525 Sterne und Braune Zwerge innerhalb 500 Lichtjahren um unserer Sonne herum neu entdeckt. "Mit WISE haben wir Objekte gefunden, die wir bislang vollkommen übersehen haben", zeigt sich auch Davy Kirkpatrick vom Infrared and Processing Analysis Center der NASA am California Institute of Technology, begeistert. Zu den faszinierendsten Entdeckungen mit WISE gehört unter anderem ein Stern in nur 20 Lichtjahren Entfernung im Sternbild Norma (Winkelmaß) und das Braune Zwergpaar "WISE J104915.57-531906" (s. Abb.o.) in nur 6,5 Lichtjahren Entfernung.



Was WISE sehen kann – und was nicht. | Copyright: Penn State University (dt. Übers.: grewi.de)

Aus astronomischer Sicht entstand die Theorie von der Existenz eines weiteren großen Planeten oder Himmelskörpers in den fernen Randbereichen unseres Sonnensystems anhand geologischer Studien, die in den Wellen von massenhaftem Artensterben auf der Erde einen Zyklus erkannt haben wollten, wie er von einem immer wieder das bekannte Sonnensystem durchquerenden Himmelskörper verursacht worden sein könnten, der auf diese Weise in regelmäßigen Abständen vermehrt Kometen in Richtung des inneren Sonnensystems katapultieren würde. Andere Wissenschaftler vermuten, anhand unregelmäßiger Umlaufbahnen von Kometentrümmern Hinweise auf einen solchen großen und noch unbekannten Himmelskörper gefunden haben. Die neue Auswertung der finalen WISE-Daten spricht nun bis auf Weiteres deutlich gegen diese Hypothesen und Theorien. Da es ab bestimmten Entfernungen jedoch selbst für WISE schwierig wird, bestimmte Planeten mit bestimmten Größen zu erkennen (s. Abb.) bleibt weiterhin noch ein, wenn auch buchstäblich kleiner Raum für Spekulationen auf Planet X, Nemsis, Nibiru & Co...


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