Mittwoch, 19. März 2014

Saturnmond Titan: Astronomen finden erstmals Hinweise auf Ozeanwellen auf anderem Himmelskörper


Saturnmond Titan. | Copyright: Cassini Imaging Team, SSI, JPL, ESA, NASA

Moscow (USA) - Auf Aufnahmen der Saturnsonde "Cassini" wollen US-Astronomen erstmals Hinweise auf Wellen auf dem Saturnmond Titan und damit zugleich erstmals auf Wellengang auf einem anderen Himmelskörper als der Erde überhaupt entdeckt haben. Während die Flüsse, Seen und Meere auf der Erde mit Wasser gefüllt sind, sind es auf Titan flüssige Kohlenwasserstoffe wie Methan und Ethan.

Bei den Hinweisen auf den außerirdischen Wellengang handelt es sich zum einen um ein mehrfaches ungewöhnliches Aufblitzen von reflektiertem Sonnenlicht auf der Oberfläche des sogenannten Punga Mare, einem Kohlenwasserstoff-Meer, die 2012 und 2013 von der Sonde festgehalten wurden. In einem anderen Fall ebenfalls um ungewöhnliches Glitzern auf dem Titan-Meer Ligeia Mare.


Die Wissenschaftler um Jason Barnes von der University of Idaho gehen davon aus, dass das Glitzern im Punga Mare von kleinen - kaum höher als zwei Zentimeter hohen - Wellen verursacht wird, die den sonst stillen und flachen Ozean stören.


Wie die Forscher auf der diesjährigen "Lunar and Planetary Science Conference" berichten, erwarten sie in den kommenden Jahren weitere Wellen auf Titan zu entdecken, da im nun anbrechenden Titan-Frühling die Winde in der nördlichen Hemisphäre des größten Saturnmondes zunehmen werden.


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"Titan könnte in den kommenden Jahren aufgeschüttelt werden", kommentiert der Planetenwissenschaftler Ralph Lorenz von der Johns Hopkins University. "Die Ozeanografie ist von nun an nicht mehr nur eine irdische Wissenschaft."


Während die Sonde auf ihren zahlreichen Vorbeiflügen an Titan neben Seen, Flüssen und Meeren auch einen Flüssigkeitskreislauf auf Titan nachweisen konnte, wie er bis dahin nur von der Erde bekannt war, wurden bislang noch nie Wellen auf Titan oder einem anderen Himmelskörper als der Erde entdeckt.


Auf Titan liege dies daran, dass es sich eben nicht um flüssiges Wasser, sondern um flüssige Kohlenwasserstoffe handele, erklären die Forscher. Dieses sei deutlich zähflüssiger, weshalb es für Winde und sonstigen Störquellen deutlich schwerer sei, diese "Gewässer" in Bewegung zu versetzen und sie deshalb eher glatt wie Glas erscheinen.


2012 und 2013 entdeckten die Forscher dann Sonnenlicht, dass sich im Punga Mare spiegelte. "Vier Pixel innerhalb dieses Glitzerns waren heller als dies bei einer gänzlich glatten, reflektierenden Oberfläche zu erwarten war", erläutert Barnes. Aus diesem Umstand schließen die Forscher, dass es um eine eher unregelmäßig geformte Oberfläche auf dem Titan-Meer und damit um eine oder mehrere Wellen gehandelt haben muss.


Zu verstehen, wie sich solche Wellen auf den Titan-Meeren bilden können, ermöglicht den Wissenschaftlern auch ein besseren Verständnis über die physikalischen Bedingungen auf und in den Seen und Meeren des Saturnmonds.


Allerdings geben die Forscher zugleich auch zu bedenken, dass es auch möglich wäre, dass das ungewöhnliche Glitzermuster nicht von der Meeresoberfläche sondern von einem Morast reflektiert wurde. Zukünftige Beobachtungen mit Cassini sollen nun nach weiteren Wellen in Punga Mare suchen. Ob die Sonde allerdings nochmals an einer hierfür geeigneten Position vorbeikommen wird, ist bislang noch unklar.


Auch eine zweite Beobachtung durch Forscher um Jason Hofgartner von der Cornell University vermutet Hinweise auf Wellen auf Titan gefunden zu haben, als sie im vergangenen Sommer zunächst glaubten, eine bislang unbekannte Insel in einem anderen Titan-Meer, dem Ligeia Mare, gefunden zu haben. Auch hier handelte es sich um eine helle Reflexion, die jedoch auf späteren Aufnahmen 16 Tage danach nicht mehr zu sehen war. Da die Forscher ausschließen konnten, dass eine Insel durch eine Veränderungen im Meeresspiegel zunächst freigelegt, dann aber wieder überschwemmt worden sein könnte, vermuten sie nun, dass es sich entweder um eine Gruppe von Wellen, um aufsteigender Blasen oder eine aufgetauchte Masse wie etwa einen Eisberg gehandelt haben könnte. Schon im kommenden August wird Cassini zumindest das Ligeia Mare erneut überfliegen.


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Quelle: nature.com
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