Mittwoch, 23. April 2014

NASA-Astronauten und Wissenschaftler warnen: Schwere Asteroideneinschläge häufiger als gedacht


Künstlerische Darstellung eines großen Asteroiden zwischen Erde und Mond (Illu.). | Copyright/Quelle: b612foundation.org

Washington (USA) - Es ist eine Standardfloskel populärwissenschaftlicher Astronomen, wonach es eigentlich "Kein Grund zur Sorge" gibt, dass ein großer Asteroid in absehbarer Zukunft die Erde treffen wird - schließlich sei die Wahrscheinlichkeit dafür sehr gering (siehe Videos: 1, 2). In Wirklichkeit sind Ereignisse wie die des Tscheljabinsk-Einschlags vom vergangenen Jahr aber nur die medienwirksamsten solche Treffer, die uns an das tatsächliche Risiko erinnern. Jetzt haben US-Astronomen und ehemalige NASA-Astronauten die bedeutendsten Einschläge der vergangene 13 Jahre visualisiert und warnen: Die Gefahr, die von Asteroiden für die Erde ausgeht, wird meist unterschätzt.

Wie die Wissenschaftler der "B612 Foundation", die sich die Entdeckung und Abwehr potentiell erbedrohender Asteroiden und Himmelskörper zu Ziel gesetzt hat, in ihrer Visualisierung (Video s. unten) anschaulich zeigen, zeichnete das weltweite Sensorennetzwerk der "Nuclear Test Ban Treaty Organization" von 2000 bis 2013 26 bedeutende Detonationen von 1 bis 600 Kilotonnen Explosionskraft auf. "Doch keine dieser Explosionen wurde von einer Nuklearwaffe erzeugt." In allen Fällen handele es sich um das Ergebnis von Asteroideneinschlägen. Zum Vergleich: Die Kraft der Atombombe, die 1945 Hiroshima verwüstet hatte, betrug 15 Kilotonnen.


Zum Glück, so erläutern die Forscher zugleich, gelangten die meisten dieser kosmischen Brocken nicht bis zur Erdoberfläche selbst, sondern verglühten noch in der Atmosphäre oder zerbrachen darin, weshalb es zu geringeren zerstörerischen Auswirkungen auf der Oberfläche gekommen sei. Zudem stürzten die Mehrheit dieser Einschläger für die meiste Menschen unbemerkt über den Ozeanen ab.


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Zu Bedenken geben die NASA-Wissenschaftler zugleich aber auch, dass nur eines der 26 aufgezeigten eingeschlagenen Objekte bereits vorab entdeckt worden war. Doch selbst in diesem Fall habe die Vorwarnzeit nur wenige Stunden betragen.


Anhand der neuen Berechnungen geht die B612-Gruppe nun davon aus, dass die Erde etwa alle 100 Jahre von einem mehrere Megatonnen-Asteroiden getroffen wird, wie er im schlimmsten Fall eine ganze Großstadt vernichten könnte, sollte er in einem entsprechenden Gebiet einschlagen.


"Zu den meisten Asteroideneinschlägen in den vergangenen zehn Jahren, lagen uns bis vor kurzem nur vergleichsweise wenig Daten vor. Jetzt wissen wir aber, dass solche Ereignisse häufiger sind als wir dies bislang angenommen haben", erläutert der einstige Shuttle-Astronaut und heutige Vorsitzende der Forschergruppe Ed Lu gegenüber der BBC.


Vor dem Hintergrund der neuen Erkenntnisse fordern die Wissenschaftler die möglichst schnelle Entwicklung und Umsetzung neuer Teleskope. Das vorgeschlagene und durch private Spenden finanzierte Weltraumteleskop mit der Bezeichnung "Sentinel" soll 2018 starten und die Erde aus einer venusähnlichen Umlaufbahn beobachten, um so auch bislang unentdeckte Brocken im Inneren Sonnensystem ausfindig zu machen, die aus Richtung der Sonne auf die Erde zufliegen und deshalb von der Erde aus nahezu unsichtbar sind. Durch eine Infrarot-Optik soll Sentinel zudem in der Lage sein, sogenannte Dunkle Asteroiden ausfindig zu machen.



Konzept des Weltraumteleskops "Sentinel". | Copyright/Quelle: b612foundation.org

Frühere Studien waren noch davon ausgegangen, dass etwa mehr als 90 Prozent der wirklichen Killer-Asteroiden bereits bekannt seien und auf absehbare Zeit keine Bedrohung für die Erde darstellen.


Neuste Daten des NASA-Weltraumteleskop WISE legen nun jedoch nahe, dass die wirkliche Anzahl solcher Asteroiden von 100 Metern Durchmesser und mehr rund 20.000 beträgt und die Mehrheit dieser Objekte noch immer nicht identifiziert und ihre Flugbahnen somit noch immer unbekannt sind.


Gerade vor diesem Hintergrund gelte es, die Vorwarnzeit so lange wie möglich werden zu lassen. Die Grundvoraussetzung hierfür sei allerdings, dass die potentielle Bedrohung auch bekannt und damit für mögliche Abwehrmaßnahmen berechenbar werde. Dies vorausgesetzt, könne schon ein vergleichsweise kleiner Stups den Körper stark genug beschleunigen oder abbremsen, um eine Kollision mit der Erde zu verhindern. "Solche Missionen sind wahrscheinlich wesentlich einfacher als die Umsetzung des Sentinel-Teleskops", so Lu abschließend.


 

B612 Impact Video 4-20-14 H264 from D Josh Rosen on Vimeo.
Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten

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