Mittwoch, 9. April 2014

Neurowissenschaftler zeigen: Wir sehen Details nicht so wie sie vielleicht sind

Berkely (USA) - US-Neurowissenschaftler haben einen Hirnmechanismus entdeckt, der uns kleinste Detailveränderungen einer Szenerie oder Situation visuell nicht wahrnehmen lässt. Tatsächlich, so die Forscher, besteht das, was wir sehen, oft aus einer Art Zusammenschnitt der Seheindrücke der letzten 15 Sekunden. Besonders für Wahrnehmung grenzwissenschaftlicher und anomalistischer Phänomene könnte diese Erkenntnis gravierende Auswirkungen haben.

Wie die Forscher um David Whitney von der University of California in Berkeley und Jason Fischer vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) aktuell im Fachjournal "Nature Neuroscience" (DOI: 10.1038/nn.3689) berichten, haben sie mit dem sogenannten "Continuity Field" (Stetigkeitsfeld) einen Mechanismus nachgewiesen, mit dem unser Gehirn einander ähnliche Objekte über einen Zeitraum von bis zu 15 Sekunden visuell verschmelzen lässt.


Das folgende Video (ein Beispiel von vielen), ein Ausschnitt aus dem Film "Pretty Woman" kann diesen Effekt verdeutlichen



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Tatsächlich dürfte den meisten Betrachtern bei Anblick der Szene nicht aufgefallen sein, dass Julia Roberts in einer Einstellung noch an einem Croissant, in der nächsten dann aber plötzlich an einem Pfannkuchen nascht.


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Da sich Dinge im wirklichen Leben aber in der Regel nicht spontan in etwas anderes verwandeln (Croissant - Pfannkuchen), "stabilisiere" unser Gehirn mittels des "Stetigkeitsfeld" das, was wir sehen: "Das Stetigkeitsfeld glättet Dinge, die uns sonst sehr ungewöhnlich vorkommen würden", erläutert Whitney den Effekt.


In ihren Experimenten zeigten die Wissenschaftler den Probanden eine zufällig sich ändernde Abfolge aus Balken und Gittern auf einem Bildschirm. Alle fünf Sekunden wurde ein neuer Balken in einer neuen, zufällig neu ausgerichteten Ausrichtung angezeigt (s.f.Video).



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Statt jedoch die jeweils richtige Ausrichtung der angezeigten Balken und Gitter zu benennen, zeigte die Auswertung der Tests, dass die Probanden immer einen Mittelwert der drei zuletzt angezeigten Positionen beschrieben.


Zusammenfassend könne gesagt werden, dass der Effekt dafür sorgt, dass wir ähnliche Objekte sehr viel ähnlicher wahrnehmen, als sie eigentlich sind. "Diese Erkenntnis ist erstaunlich, da sie bedeutet, dass unser visuelles System Genauigkeit zum Wohle einer stetigen und stabilen Wahrnehmung von Objekten opfert", so Whitney.


Den Sinn dieses Effekts sehen die Forscher darin, dass wir ohne diese Überblendung bzw. Verschmelzung wahrscheinlich hypersensibel für jede kleinste visuelle Veränderung wären, wie sie schon durch Schatten, Bewegungen und unzählige kleinere und größere Faktoren ausgelöst werden.


Wahrscheinlich würden uns beispielsweise Gesichter durch die stetige Veränderung der Mimik und selbst kleinste Positionswechsel als fortwährend sich verschwimmend verändernd erscheinen. Der Effekt, so vermuten die Forscher, wäre dann wohl ähnlich wie die Wahrnehmung unter dem Einfluss starker halluzinogener Drogen.


"Unser Gehirn hat gelernt, dass sich die wirkliche Welt für gewöhnlich nicht plötzlich verändert und es wendet dieses 'Wissen' an, um unsere visuelle Wahrnehmung von einem Moment zum nächsten mit dieser Erkenntnis in Übereinstimmung zu bringen", erläutert Fischer.


Gerade auch für die Wahrnehmung und Erforschung grenzwissenschaftlicher Phänomene hat diese Erkenntnis aber möglicherweise weitreichende Konsequenzen - scheinen sich doch viele dieser "Anomalien" innerhalb unser bekannten Realität doch oft im Kleinen abzuspielen, sind zudem nicht selten sehr kurzlebig und stellen zudem einen Bruch mit jenem Zustand dar, den wir für gewöhnlich von der uns umgebenden Welt und Realität erwarten...


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Quelle: berkeley.edu
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