Mittwoch, 9. April 2014

SETI@LOFAR: Weltweit größtes Radioteleskop bekommt Außenstation in Schleswig-Holstein


Archiv: Die LOFAR-Station im niederländischen Exloo. | Copyright: ASTRON

Norderstedt (Deutschland) - Gemeinsam mit dem niederländischen Radioastronomie-Institut ASTRON errichten die Universitäten Bielefeld und Hamburg in Schleswig-Holstein ein Radioteleskop in der Größe eines Fußballplatzes. Die Beobachtungsstation in Norderstedt wird mit dem weltweit größten Radioteleskop, dem internationalen LOFAR-Teleskop, verbunden. Als Zusammenschluss von damit künftig 49 Stationen kann LOFAR scharfe Bilder von extrem weit entfernten Galaxien produzieren - und beteiligt sich auch an der Suche nach Signalen außerirdischer Zivilisationen.

Die Station Norderstedt wird damit das sechste Antennenfeld des LOFAR-Teleskops in Deutschland sein und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie den Ländern Hamburg und Nordrhein-Westfalen finanziert.


"Mit LOFAR können wir Signale empfangen, die Milliarden Jahre alt sind", erklärt Professor Dr. Dominik Schwarz, Physiker der Universität Bielefeld unter dessen Planung die Station entsteht. "Meine Arbeitsgruppe erforscht, wie sich die Galaxien im Weltall verteilen. Mit dem neuen System können wir nun auch extrem weit entfernte Galaxien berücksichtigen und erfahren so, nach welchen Regeln sich das Universum entwickelt."


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Schwarz und sein Team arbeiten mit der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Marcus Brüggen von der Sternwarte Hamburg zusammen, die zur Universität Hamburg gehört. Die dortigen Wissenschaftler befassen sich damit, wie sich die Galaxien von Beginn des Universums bis heute geformt und verändert haben. Darüber hinaus soll das LOFAR-System dazu beitragen, die ersten Sterne im Universum zu entdecken, Sonneneruptionen zu studieren und magnetische Felder im Kosmos zu vermessen.



Das LOFAR-Netzwerk. | Copyright: ASTRON

Laut Professor Schwarz haben die beiden Teams lange nach einem Standort gesucht, in dem der Empfang der Radiowellen möglichst ungestört abläuft. Schlussendlich habe man sich für Norderstedt entschieden, da hier in jenem Frequenzband, das die Antennen abtasten, nur wenig störender Elektrosmog zu messen ist.


Die neue Station wird aus insgesamt 192 Antennen bestehen, die Signale aus dem Weltall empfangen und über ein Datenkabel zu einem Supercomputer in die Niederlande übertragen. Hier kombiniert der Computer die Signale mit den Daten der anderen LOFAR-Stationen und setzt sie zu einem Himmelsbild zusammen.


Das LOFAR-Teleskop umfasst ein Netz von Antennenfeldern, die Radiowellen im niedrigen Frequenzbereich empfangen. Das Teleskop arbeitet in dem bisher weitgehend unerforschten Frequenzbereich zwischen etwa 10 Megahertz und 240 Megahertz. LOFAR steht deswegen für "LOw Frequency Array" (Niedrigfrequenz-Anordnung). In Norderstedt werden zwei Arten von Antennen installiert: Stabantennen für Frequenzen zwischen 10 und 80 Megahertz und Kachelantennen für die Frequenzen zwischen 110 und 240 Megahertz.

Außer den künftig sechs deutschen LOFAR-Stationen gibt es 40 Stationen in den Niederlanden. Jeweils eine Station befindet sich zudem in Großbritannien, Frankreich und Schweden. Für das gesamte System werden Daten von mehr als 10.000 Antennen ausgewertet.


Die bisherigen und geplanten deutschen LOFAR-Stationen.

Das LOFAR-Netzwerk beteiligt sich darüber hinaus an der Suche nach Signalen intelligenter außerirdischer Zivilisationen: 50 Jahre nach den ersten Beobachtungen im Rahmen des SETI-Programms zur Suche nach intelligenten außerirdischen Signalen (SETI = Search for Extraterrestrial Intelligence) soll das Observatorium die bisherigen konventionellen Suchstrategien in den bislang kaum untersuchten Frequenzbereichen erweitern. "Die Aussichten", so zeigte sich schon 2010 ASTRON-Direktor Mike Garrett begeistert, "sind gelinde gesagt, sehr spannend." Laut Garrett wäre es "geradezu kriminell, mit einem Instrument wie LOFAR nicht nach den Signalen außerirdischen Lebens Ausschau zu halten."


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Quelle: uni-bielefeld.de, astron.nl
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