Mittwoch, 9. April 2014

Studie: Experimente bestätigen Y-Haltung des Gekreuzigten auf dem Turiner Grabtuch


Das Turiner Grabtuch im Negativ mit Vergrößerung der Gesichtspartie (r.). | Copyright: Public Domain (Collage: grewi.de, Quelle: Shroud.com)

Liverpool (England) - In anatomischen Experimenten haben englische und italienische Forscher aufgezeigt, dass Blutspuren auf dem Abbildes eines Gekreuzigten auf dem sogenannten Turiner Grabtuch - das vielen gläubigen Christen als heiligste Reliquie, Abbild und Leichentuch Jesu Christi gilt, von Skeptikern jedoch als aufwendiger mittelalterlicher Schwindel bezeichnet wird - nur dadurch erklärt werden können, dass der Mann in einer besonders schmerzhaften Y-Position - also mit den Armen über dem Kopf - gekreuzigt wurde.

Wie Matteo Borrini von der Liverpool John Moores University gegenüber dem "New Scientist" erläutert, wäre das Leinen selbst dann, wenn es sich um einen Schwindel handeln würde, ein "interessantes Beispiel der Kunst und des menschlichen Einfallsreichtums."


Blutspuren auf den Armen des Gekreuzigten auf den Turiner Grabtuch.

Das Team um Borrini und seinen Kollegen Luigi Garlaschelli der Universita degli Studi di Pavia konzentrierte sich bei seiner Analyse auf besonders auf dem linken Arm erkennbaren Blutläufe, die vom Handgelenk der gekreuzigten Person ausgehen (s.Abb.).


Gemeinsam zogen die Forscher nun unterschiedliche Kreuzigungs-Haltungen in Betracht und stellten diese - ausgestattet mit einer offenen am linken Handgelenk befestigten Blutkanüle nach.


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Das Ergebnis des Selbstversuchs zeigt, dass besagte Blutspuren auf dem Turiner Leinen nur dann mit denen eines Gekreuzigten übereinstimmen, wenn dieser mit den Händen über dem Kopf - also in einer eher Y- statt der bekannten T-artigen Haltung - ans Kreuz genagelt worden wäre (s.Video).



Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten

"Diese Haltung und Position wäre besonders schmerzhaft gewesen und hätte zudem das Atmen erschwert", so Borrini gegenüber dem "New Scientist". Wahrscheinlich, so führte der Forscher auf dem Jahrestreffen der American Academy of Forensic Sciences in Seattle weiter aus, wäre ein Mensch, der in dieser Haltung gekreuzigt worden wäre sogar erstickt.


Das Ergebnis der Experimente bestätigt eine schon zuvor von dem Mediziner Gilbert Lavoie vorgeschlagenen Theorie zur Kreuzigungs-Haltung des Mannes auf dem Turiner Grabtuch.



Die drei Kreuze, Gemälde von Peter Paul Ruben (1620). | Copyright: gemeinfrei

Sollte das Grabtuch also eine mittelalterliche Fälschung sein, so müsste sein "Hersteller" sogar den Blutfluss einer derartigen Kreuzigung korrekt nachempfunden haben, zeigen sich die Forscher überrascht. "Natürlich könnte es aber auch ein Zufall sein und ein solcher Künstler könnte sich einfach, vielleicht nur aus künstlerischen Beweggründen, dazu entschieden haben, die Blutgerinnsel parallel auf den Armen aufzutragen", so Borrini abschließend. Dass die Position zwar ungewohnt, aber durchaus historisch bekannt war, zeigen nicht zuletzt einige Darstellungen der Kreuzigungsszene etwa in Gemälden von Rubens, der die Kreuzigung Jesu' sowohl in T- als auch mehrfach in Y-Haltung dargestellt hatte (s.Abb.).


Zum Thema

Während eine erste wissenschaftliche Altersbestimmung in den 1980er Jahren das Tuch ins Mittelalter datierte und somit eine Fälschung nahelegte, wurden später immer wieder Zweifel an dieser Analyse laut und selbst der die damaligen Untersuchungen leitenden Oxford-Wissenschaftler hat mittlerweile eingeräumt, das bekannte Verunreinigungen des Leinens zu starken Ungenauigkeiten der angewandten Analysen führen könnten (...wir berichteten). Zuletzt hatten neue chemische und mechanische Untersuchungen an der Universität von Padua das Grabtuch übereinstimmend in die Zeit Jesu datiert (...wir berichteten).

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
 
Wissenschaftler spekulieren: Verursachte ein Erdbeben anno 33 n.Chr. das Abbild auf dem Turiner Grabtuch und führte zu einer C-14-Falschdatierung 1988? 12. Februar 2014
Turiner Grabtuch wird 2015 erneut öffentlich gezeigt 8. Dezember 2013
Neue Analyse datiert das Turiner Grabtuch doch ins erste Jahrhundert 27. März 2013
Studie: "Körperbild auf dem Turiner Grabtuch ist nicht erklärbar" 19. Dezember 2011
Kunsthistoriker: "Turiner Grabtuch ist eine Kopie Giottos aus der frühen Renaissance" 9. Juni 2011 
Italienischer Historiker: Hitler wollte Turiner Grabtuch rauben 7. April 2010
3D-Experten rekonstruieren Gesicht des Turiner Grabtuchs 29. März 2010
Stammen das Bluttuch von Oviedo und Turiner Grabtuch von demselben Körper? 22. März 2010
Leinenfund in Jerusalem: Experten üben Kritik an Vergleich mit Turiner Grabtuch 29. Dezember 2009
Historikerin will Schriftzeichen auf Turiner Grabtuch entziffert haben - Handelt es sich um die Bestattungsurkunde Christi? 23. November 2009
Grabtuch-Reproduktion: Experte übt Fachkritik 12. Oktober 2009
Italienischer Wissenschaftler reproduziert Turiner Grabtuch 6. Oktober 2009
Aramäische Schriftzeichen auf Turiner Grabtuch entdeckt 23. Juli 2009
Historikerin: Tempelritter verehrten Turiner Grabtuch 7. April 2009
Oxford Universität will Turiner Grabtuch erneut untersuchen 21. August 2009
Neue Indizien für Turiner Grabtuchforschung durch Tuchfund in der judäischen Wüste? 1. Juni 2008
Neue Scans: Turiner Grabtuch in höchster Auflösung 23. März 2008
 
Oxford-Professor: Radiokarbondatierung des Turiner Grabtuches möglicherweise falsch, 26. Februar 2008


grenzwissenschaft-aktuell.de

Quelle: newscientis.com
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE