Mittwoch, 2. April 2014

Wissenschaftler analysieren Faszination an Skandalfilm "Hexen bis aufs Blut gequält"


Plakat zur internationalen Konferenz "Mark of the Devil", vom 3.-5. April im österreichischen Tamsweg. | Copyright/Quelle: univie.ac.at/markofthedevil

Tamsweg (Österreich) - Veranstaltet vom Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaften der Universität Wien, treffen sich Wissenschaftler zu einer internationalen Konferenz über die Faszination am Skandalfilm "Hexen bis aufs Blut gequält" (Mar of the Devil) von 1969, der noch heute u.a. in Deutschland auf dem Index steht, der jedoch bei Erscheinen auch internationale Erfolge feierte und noch heute vielen als Kultfilm gilt.

"Obwohl dieser Film ein herausragendes Beispiel des deutschen Genrekinos ist, fand bis vor kurzem keine wissenschaftliche Auseinandersetzung damit statt. Deshalb soll unsere Tagung zur Erforschung dieses randseitigen Kapitels europäischer Filmgeschichte nachhaltig beitragen", erklärt Filmwissenschafter und Organisator Andreas Ehrenreich die Grundidee der dreitägigen Veranstaltung.

Neben Vorträgen zahlreicher internationaler Wissenschafter findet in dem Rahmen auch eine Podiumsdiskussion mit ehemaligen Beteiligten statt. Teilnehmer sind Erika Blanc, die Hauptdarstellerin von "Hexen - geschändet und zu Tode gequält", Filmmusikkomponist Michael Holm, Schauspieler Percy Hoven, Uwe Huber, DVD-Herausgeber von "Hexen bis aufs Blut gequält" und Produzent Dieter Menz.


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Denn insbesondere auch die Zusammensetzung der damals an den Filmen beteiligten Personen ist filmwissenschaftlich interessant. Viele stammten eigentlich aus einem anderen Genre als dem des "Horrorfilms". Vor allem trifft dies auf den ursprünglich durch "Papas Kino" populären Schauspieler Adrian Hoven und den mit "Mendocino" prominent gewordenen Schlagersänger Michael Holm zu, der die Filmmusik schrieb. "Selbst die Verleihfirma Gloria war eigentlich für Heimatfilme bekannt. Durch einen reißerischen Film wie diesen wollte man wirtschaftlichen Trends entsprechen", erläutert Andreas Ehrenreich.

Denn Filme wie "Hexen bis aufs Blut gequält" - sogenannte Exploitationfilme - zielen auf maximalen wirtschaftlichen Gewinn ab. "Der Begriff 'Exploitation' kommt aus dem Englischen und kann mit 'Nutzbarmachung' oder 'Ausbeutung' übersetzt werden. Vor allem ein Phänomen der 1960er bis 1980er Jahre, ging es bei dieser Art von Film darum, aus populären Themen mit reißerischem Potential bei oft geringem Budget einen maximalen Umsatz zu erzielen. Das funktionierte natürlich mit expliziten Gewalt- und / oder Sexdarstellungen besonders gut", erklärt Andreas Ehrenreich.


So auch bei "Hexen bis aufs Blut gequält", denn Ende der 1960er Jahre entstand, bedingt durch den großen Erfolg des Films "Der Hexenjäger" (1968) von Michael Reeves, eine Reihe an Hexenfilmen. Dabei sollten nicht nur der reißerische Titel, sondern auch andere Marketing-Strategien wie z.B. im US-amerikanischen Raum das Verteilen von "Speibsackerln" (Spuck- bzw. Kotztüten) an Kinobesucher die Kassen klingeln lassen. Das Konzept ging auf, wie Andreas Ehrenreich schmunzelt: "Dieter Menz, der den Film mit Adrian Hoven produziert hat, schwärmt noch immer von den damals erzielten Einnahmen. Wobei Produzent sowas wohl vermutlich immer sagen werden."


Weshalb explizite Gewaltdarstellungen, sei es nun in Filmen, Literatur oder anderen Medien, viele Menschen anscheinend faszinieren, erklärt Andreas Ehrenreich abschließend wie folgt: "Bei solchen Filme reizt es vermutlich, im geschützten Kinosaal zu sitzen und die extremen Szenen auf der Leinwand zu sehen. Dieses Bedürfnis scheint ja schon immer vorhanden gewesen zu sein, wie man z.B. am durchaus blutrünstigen Theater der griechischen Antike oder an römischen Gladiatorenkämpfen sieht. Es muss sich dabei um ein grundlegendes menschliches Interesse handeln. Vielleicht kommen wir durch die Tagung dem Ganzen ein wenig näher."


- Die Internetseite zur Konferenz finden Sie HIER


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