Samstag, 24. Mai 2014

Black Shuck: Haben Archäologen reales Vorbild für britischen Höllenhund gefunden?


Das in den Ruinen der Leiston Abbey entdeckte ungewöhnlich große Hundeskelett. | Copyright: digventures.com

Theberton (England) - Eine Meldung über den Fund ungewöhnlich großer Hundeknochen auf dem Areal der Ruinen von Leiston Abbey in der britischen Grafschaft Suffolk hat in den vergangenen Tagen zu einem großen Interesse besonders in den englischsprachigen Medien geführt - obwohl die eigentliche Entdeckung bereits einige Monate zurückliegt und aus dem vergangenen Jahr datiert. Grund für das Aufsehen war die von britischen Medien hergestellte Verbindung des Fundes mit einer lokalen Legende - der Legenden um den Höllenhund Black Shuck. Haben die Archäologen tatsächlich die Überreste des geisterhaften schwarzen Riesenhundes entdeckt, wie britische Medien dies den Forschern in den Mund legten? "Grenzwissenschaft-Aktuell" hat nachgefragt.

Die lokalen Legenden und Folklore entlang der britischen Ostküste und im Landesinnern von East Anglia beschreiben den Black Shuck meist als gewaltigen ebenso schwarzen wie geisterhaften Hund mit feurig roten Augen, wie er in ähnlicher Form aber auch als Legendenmotiv nahezu in allen anderen britischen Landesteilen und europäischen Ländern und unter unterschiedlichen Namen in Erscheinung tritt.


Flugschrift über den Black Shuck von 1577.

Doch neben den zahlreichen Legenden werden die Umtriebe des Black Shuck in einem Pamphlet von 1577 auch historisch verankert: In der Flugschrift mit dem Titel "A straunge and terrible Wunder" (Ein merkwürdiges und grausames Wunder; s. Abb.l.) beschrieb Reverend Abraham Fleming die Ereignisse vom 4. August des gleichen Jahres, als der Höllenhund an den Kirchen von Bungay und Blythburgh in Suffolk erschien und einhergehend mit einem Donnerschlag durch die Tore der Holy Trinity Church brach, auf seinem Weg durch das Gotteshaus einen Mann und einen Jungen tötete und schlussendlich den Einsturz des Kirchturms durch das Kirchendach verursacht haben soll. Bis heute sollen Schmauchspuren an der nördlichen Kirchenpforte an dieses Ereignis erinnern.


Der aktuelle Fund des Grabes eines auffallend großen Hundes auf dem Areal der nur acht Meilen von Blythburgh entfernten einstigen Abtei von Leiston sorgt nun für Spekulationen darüber, ob die Knochen tatsächlich einem realen Vorbild für Legenden um die damaligen Vorgänge zugeschrieben werden können.


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Gegenüber "grenzwissenschaft-aktuell.de" erläutert der Grabungsleiter Brendon Wilkins des privaten Archäologie-Unternehmens "Digventures", dass es sich bei den Mutmaßungen der Journalisten - vornehmlich der britischen "Daily Mail" - um voreilige Spekulationen handele:


"Tatsächlich sind die Knochen des Hundeskeletts, die wir im vergangenen Jahr innerhalb der Ruinen gefunden haben, wirklich auffallend groß. Wir vermuten, dass der Hund in etwa die Größe einer Dänischen Dogge erreicht hatte. Ganz sicher aber nicht die des blutrünstigen Höllenhundes der lokalen Legende. (Anm. d. GreWi-Red.: Dieser soll die Größe eines Pferdes erreicht haben.)


Die Geschichte nahm ihren Weg über einen lokalen Newsletter, der die Verbindung zu Black Shuck selbst eher humorvoll herstellte und eher einen Spaß zwischen uns Archäologen vor Ort zitierte, bis hin zur Daily-Mail-Meldung.


Die Wirklichkeit sieht derzeit aber so aus, dass wir noch in einer frühen Phase einer Beurteilung des Knochenfundes sind. So steht beispielsweise eine vollständige metrische Analyse der Knochengröße noch aus, anhand derer wir Rückschlüsse über die tatsächliche Größe des Hundes ziehen und im Weiteren dann auch genau sagen können, um welche Rasse es sich genau handelt. Bislang wissen wir nur, dass er in etwa so groß gewesen sein muss, wie ein großer Wolf oder eine Dänische Dogge.



Luftbild der Ruinen von Leiston Abbey. | Copyright: digventures.com

Auch warten wir derzeit noch auf die Ergebnisse der Radikarbondatierung (C14) der Knochen selbst, die uns eine deutlichere Vorstellung davon geben kann, wann dieser Hund hier begraben wurde. Derzeit sind wir uns nur sicher, dass er nach der Auflösung der Kloster 1536 innerhalb eines damals schon teilweise zerstörten klösterlichen Gebäudes beigesetzt wurde. Der Fundort wurde während der Tudor und Georgianischen Perioden als Farm genutzt. Allerdings gibt es keine anderen Funde, die uns dabei behilflich sein könnten, die Knochen exakt zu datieren. Anhand der Schichtenkunde glauben wir aber, dass der Fund aus dieser Periode stammt.


Ob der Hund, zu dem diese Knochen gehören, tatsächlich der die reale Vorlage für die lokalen Legenden aus dem 16. Jahrhundert war bzw. sein könnte, können wir derzeit einfach noch nicht sagen."


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