Sonntag, 11. Mai 2014

Geschwister-Stern unserer Sonne entdeckt


Die Position des Sonnengeschwisters HD162826 am Nachthimmel. | Copyright: Ivan Ramirez/Tim Jones/McDonald Observatory

Austin (USA) - US-Astronomen haben erstmals einen Stern entdeckt, von dem sie überzeugt sind, dass er in der gleichen Gas- und Staubwolke entstand wie unsere Sonne. Mit den hierzu angewandten Methoden erhoffen sich die Wissenschaftler bald schon weitere Geschwister-Sterne unserer Sonne identifizieren zu können, anhand deren sie weitere Erkenntnisse darüber erwarten, wie und wo unsere Sonne einst genau entstand. Zudem erhoffen sich die Forscher Rückschlüsse auf die Frage, wie und warum unser Sonnensystem lebensfreundlich wurde. Entsprechende Sonnen-Geschwister halten die Astronomen zugleich für potentielle Ziele bei der Suche nach außerirdischem Leben.

Wie das Team um Ivan Ramirez von der University of Texas ein einer kommenden Ausgabe des Fachmagazins "The Astrophysical Journal" berichten wird, ist das Ziel der weiterhin andauernden Untersuchungen herauszufinden, in welchem Teil der Galaxie unsere Sonne einst "geboren" wurde und dadurch auch mehr über die Bedingungen im frühen Sonnensystem zu erfahren. "Das alles könnte dann auch dazu beitragen, zu verstehen, warum wir überhaupt existieren", so Ramirez. Hinzu existiere eine geringe aber nicht unmögliche Wahrscheinlichkeit dafür, dass auch andere Geschwister der Sonne lebensfreundliche Planetensysteme hervorgebracht haben: "In der frühen Phase nach der Geburt dieses Sternhaufens könnten Kollisionen Teile von Planeten aus diesen Systemen herausgeschlagen haben, die dadurch zwischen den Systemen dieser jungen Sterne ausgetauscht wurden und vielleicht auch dafür verantwortlich waren, dass die Saat des Lebens auch auf die damals noch primitive Erde gelangte. (...) Man könnte also durchaus argumentieren, dass Systeme um Geschwister-Sterne unserer Sonne zu den Schlüsselkandidaten für außerirdisches Leben gezählt werden sollten", so der Forscher.


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Der nun als Geschwister unserer Sonne identifizierte Stern mit der Bezeichnung "HD 162826", ist etwa 15 Prozent größer als die Sonne und von dieser rund 110 Lichtjahre entfernt im Sternbild Herkules beheimatet. Der Stern ist zwar nicht mit bloßem Auge dafür aber schon mit einem besseren Fernglas nicht weit vom hellen Stern Vega entfernt zu erkennen (s. Diagramm).


Insgesamt verfolgten das Team um Ramirez und andere Astronomen 30 weitere Kandidaten als mögliche Sternengeschwister unserer Sonne mit Hilfe von hochauflösenden spektroskopischen Analysen der Zusammensetzung dieser Gestirne. Um jedoch nachweisen zu können, dass ein anderer Stern einst aus dem gleichen Sternhaufen wie unsere Sonne hervorgegangen ist, benötigen Wissenschaftler neben den Informationen über die chemische Zusammensetzung dieser Sterne auch Informationen über deren Bewegungsbahn durch die Galaxie.


Bislang ist über HD 162826 noch erst sehr wenig bekannt. Da er jedoch schon seit 15 Jahren intensiv unter Beobachtung verschiedener Observatorien steht, zeigen sich Astronomen davon überzeugt, dass es zumindest keine Riesenplaneten wie unser Jupiter in seinem Umfeld gibt. Kleinere und damit vielleicht sogar erdartige Planeten sind hingegen bislang nicht auszuschließen.


Während schon die Entdeckung eines Sonnen-Geschwisters an sich ein faszinierendes Ereignis sei, verfolge das Projekt jedoch schon jetzt weitere Ziele, so der Astronomen. Vor dem Hintergrund der zu erwartenden Datenflut der Himmelsdurchmusterungen etwa mit dem europäischen Weltraumteleskop "Gaia", mit dem vornehmlich die Positionen, Entfernungen und Bewegungen von einer Milliarde Sterne gemessen und erstmals eine 3D-Karte unserer Milchstraße erstellt werden soll (...wir berichteten), erhofft man sich von den Daten zu HD 162826 auch Hilfe bei der konkreten Identifizierung weiterer Sonnen-Geschwister.


"Gaia wird nicht nur auf die unmittelbare Nachbarschaft unserer Sonne begrenzt sein", erläutert Ramirez. "Die Anzahl der Sterne, die wir mit Gaia mit einem Mal untersuchen können, wird sich um den Faktor 10.000 erhöhen. Bei der Suche nach weiteren Sonnen-Geschwistern braucht man sich dann nicht mehr jeweils auf die Analyse nur eines Sterns zu konzentrieren, sondern kann sich auf einige wenige chemische Elemente beschränken, die als Schlüsselkomponenten bekannt sind. Diese hochgradig veränderlichen chemischen Elemente hängen ganz davon ab, wo ein Stern innerhalb unserer Milchstraße entstanden ist." Besonders Barium und Yttrium seien bei der Suche nach weiteren Geschwistern unserer Sonne hilfreich.


Sobald dann auch weitere Geschwister unseres Zentralgestirns identifiziert werden können, sind Astronomen auch bei der Identifizierung des Geburtsortes dieser Sterne - und damit auch unserer Sonne - einen großen Schritt weiter, der dann durch die Rückwärtsberechnung der Bewegungsbahnen dieser Sterne bestimmt werden kann.


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Quelle: as.utexas.edu
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