Donnerstag, 8. Mai 2014

Haben wir Kontakt? Wissenschaftskontroverse um Herkunft und Natur schneller Radiosignalausbrüche


Natürlich-kosmisches oder intelligent-künstliches Radiosignal vom 2. November 2012, aufgefangen mit dem Arecibo-Radioteleskop. | Quelle: arxiv.org/abs/1404.2934v1

Mountain View (USA) - Erstmals 2007 entdeckt, sind die sogenannten schnellen Radiosignalausbrüche (Fast Radio Bursts = FRBs), so stark bzw. hell, schnell und stammen offenbar zudem von derart weit entfernten Quellen, dass Astronomen zunächst an einen Fehler der Instrumente glaubten. Mittlerweile wurden erst sechs weitere derartig ungewöhnliche Radioausbrüche entdeckt - zuletzt am 2. November 2012 mit dem Radioteleskop Arecibo auf Puerto (FRB 121102). Während mittlerweile die Existenz und Echtheit der Signale als bestätigt gilt (...wir berichteten), diskutieren Astronomen und -physiker bis heute darüber, was diese Signale genau sind und woher sie kommen. Neben natürlichen Quellen werden mittlerweile jedoch auch von einigen Astronomen Theorien diskutiert, wonach es sich bei diesen FRBs auch um ein intelligentes Gruß-Signal einer außerirdisches Zivilisation handeln könnte. Andere widersprechen dieser Vorstellung vehement.

Bislang sind nur drei Faktoren der Signale genau bekannt: Mit einer Dauer von nur wenigen Millisekunden (1 Millisekunde = 0,001 Sekunden) sind sie unglaublich schnell bzw. kurzlebig. Sie sind ebenso unglaublich hell und sie scheinen von wirklich sehr weit her zu kommen, wenn bisherige Berechnungen die Quelle in mehreren Milliarden Lichtjahren Entfernung vermuten.


Für Scott Ransom vom National Radio Astronomy Observatory sind die Signale so kurz und hell, dass sie von einer sehr dichten Quelle stammen müssen: "Es handelt sich wahrscheinlich um ein Objekt bzw. Objekte ähnlich wie ein Neutronenstern oder ein Schwarzes Loch." Laut dieser Theorie könnten die Signale also durch Ausbrüche, sog. Flares, von extrem magnetischen Quellen wie magnetischen Neutronensternen, sog. Magnetaren, verursacht werden, das Ergebnis des Zusammenstoßes oder des Todeskampfes von Neutronensternen oder Schwarzen Löchern sein. Alles in allem wären die FRBs demnach also das Ergebnis natürlicher bzw. kosmischer Prozesse.
"Magnetare können in nur einer Millisekunde mehr Energie abstrahlen als unsere Sonne in 300.000 Jahren. Und sie sind heiße Kandidaten, um diese Ausbrüche zu erklären", erläutert Matthew Bailes, Professor an der Swinburne-Universität im australischen Melbourne.


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Zumindest die von Kritikern zunächst geäußerte Befürchtung, es könne sich um bei den zunächst nur mit dem Parkes-Radioteleskop in Australien aufgefangenen ersten sechs Signalen um ein technisches Artefakt, also einen Fehler speziell dieses Instruments handeln, konnte nun durch die Ortung mit dem Arecibo-Teleskop auf Puerto Rico ausgeschlossen werden.


Während zunächst die Idee, dass es sich bei den Signalen aber auch um künstliche und damit intelligente Signale einer außerirdischen Zivilisation handeln könnte, von den meisten Astronomen zunächst belächelt wurde, hat sich nun auch einer der Pioniere der SETI-Astronomie und damit der Suche nach intelligenten außerirdischen Signalen, Dr. Frank Drake entsprechend über FRBs geäußert.


Wie der für die Entwicklung der nach ihm benannten "Drake-Gleichung" (die zur Abschätzung der Anzahl der technischen, intelligenten Zivilisationen in unserer Galaxie, der Milchstraße dient) und die Arecibo-Botschaft verantwortliche Astronom und emeritierte Vorsitzende des SETI-Instituts als Kommentar zu einem Bericht über die mysteriösen Signale im Blog "Phenomena" auf "NationalGeographic.com" schreibt, sei die Annahme, dass es sich bei den FRBs um ein "Gruß-Signal einer weit entfernten altruistische Zivilisation handeln könnte", durchaus Diskussionen wert.

"Viele Jahre lang haben SETI-Wissenschaftler über das mögliche Design eines außerirdischen Gruß-Signals (hailing signal) spekuliert - eines Signals also, dass laut die Existenz dieser anderen Zivilisation kundtut und die empfangende Zivilisation möglicherweise auf die Spur eines weitere Informationen beinhaltenden Trägerkanals führt.

http://www.seti.org/users/frank-drakeFrank Drake. | Copyright: seti.org
Ohne zu wissen, welche Sterne genau die Heimat einer anderen intelligenten Zivilisation sein könnten, würde ein solches ('lautes') Signal gleich eine ganze Vielzahl von potentiellen intelligent-bewohnten Sternsystemen erreichen.

Um also die maximale Wahrscheinlichkeit zu erreichen, dass das Signal auch tatsächlich entdeckt wird, wäre die beste Strategie, ein sehr schmalbandiges und sehr starkes Signal zu senden. In diesem Fall, könnte es sein, dass man jeweils nur einen Stern nach dem anderen anpeilt. Diese Strategie könnte dann zu einem Paradigma führen, nach dem der (das Signal) übertragende Strahl nacheinander auf eine große Anzahl von Sternen ausgerichtet wird, wodurch das Signal dann möglicherweise als kurze Ausbrüche registriert wird, die sich nur in vergleichsweise langen Abständen wiederholen. Wir sollten also tatsächlich nach mehr FRBs suchen!"
Von diesen Ausführungen zeigt sich der Direktor des Max-Planck-Instutits für Radioastronomie in Bonn, Prof. Dr. Michael Kramer, auf Anfrage der Redaktion von "grenzwissenschaft-aktuell.de" skeptisch und bezweifelt eine derart altruistisch, also selbstlose Natur ferner Zivilisationen:
"Ich muss gestehen, dass ich skeptisch bin, dass FRBs 'hailing signals’ sind. Ich würde es als ziemlich ineffizient ansehen, Signale in dieser Form auszusenden. Die extraterrestrische Intelligenz müsste annehmen, dass man zum richtigen Zeitpunkt in die richtige Richtung schaut. Dies ist sehr unwahrscheinlich, da die Signale nur ein paar hundert Mikrosekunden dauern. Gleichzeitig ist jedoch die Energie, die aufgewendet werden muss, genügend Sterne abzudecken, enorm.

http://www.mpg.de/397565/radioastronomie_wissM247Dr. Michael Kramer. | Copyright: mpifr-bonn.mpg.de

Außerdem können wir abschätzen, dass bei der momentanen Detektionsrate ca. 10,000 Signale dieser Art pro Tag vorhanden sind. Dass auf einmal, so viele Zivilisationen Signale aussenden, halte ich für mehr als unwahrscheinlich."
Während diese Vermutung dem Drake Szenario einer altruistischen Zivilisation, die alles und besonders enorme Energieraufwendungen daran setzt, um andere Zivilisationen auf sich aufmerksam zu machen, zunächst lediglich das Gegenteil einer auf die eigenen Ressourcen bedachten und mit diesen haushaltenden theoretischen Zivilisation entgegensetzt, untermauert Kramer auf unsere Rückfrage seine Annahme mit Fakten:
"Es gibt keinen Grund, beim Signal einen intelligent-außerirdischen Ursprung zu vermuten. Gegen ein solches Szenario spricht, dass wir (obwohl bislang erst sechs dieser Signale detektiert wurden) momentan auf eine riesige Anzahl von FRBs schließen. Etwa 10.000 sollten detektierbar sein, wenn wir entsprechende Teleskope haben. Diese Anzahl ist konsistent, z.B. mit Supernova Explosionen in anderen Galaxien. Dementgegen müssten wir im Falle eines außerirdisch-intelligenten Hintergrunds hingegen dann 'plötzlich und gleichzeitig' 10.000 Zivilisationen haben, die uns gleichzeitig 'anfunken'. Das ist meiner Meinung nach höchst unwahrscheinlich und schließ ein extraterrestrische Intelligenz als Hintergrund vollkommen aus."
Bücher zum Thema


grenzwissenschaft-aktuell.de
Quellen: phenomena.nationalgeographic.com, seti.org, mpifr-bonn.mpg.de
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE