Freitag, 30. Mai 2014

Komplexes Leben auf 100 Millionen Planeten alleine in unserer Milchstraße möglich


Symbolbild: Leben auf fernen Planeten (Illu.). | Copyright: PHR@UPR Arecibo, NASA, Richard Wheeler@Zephyris

El Paso (USA) - Ein Prozent aller Planeten in unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, könnten komplexe Lebensformen hervorgebracht haben. Das sind immerhin 100 Millionen Welten. Zu dieser neuen Bewertung kommt eine neue Studie von Astronomen und Astrobiologen, die auf harten Daten statt wie bislang auch hypothetischen Vermutungen basiert.

Wie Louis Orwin von der University of Texas, Alberto Fairén von der Cornell University, Abel Méndez vom Planetary Habitability Laboratory an der University of Puerto Rico in Arecibo und Dirk Schulze-Makuch von der Washington State University aktuell im Fachjournal "Challenges in Astrobiology" (DOI: 10.3390/challe5010159) berichten, stellt ihre Studie die erste auf objektiven Daten basierende quantitative Einschätzung der Anzahl jener Planeten in unserer Galaxie dar, die Leben oberhalb des mikrobiellen Stadium hervorgebracht haben könnten.


"Zunächst haben wir die stets wachsende Liste der mehr als 1.000 bereits bekannten Exoplaneten untersucht", erläutert Schulze-Makuch. "Hierzu haben wir eine Formel verwendet, die die Planetendichte, Temperatur, deren Trägermaterial (flüssig, fest oder gasförmig), Chemie, Abstand vom Zentralgestirn und das Alter des Planeten berücksichtigt. Anhand dieser Daten haben wir einen "Biological Complexity Index" (BCI) erstellt. Dieser weist den Planeten ein Wert von 0 bis 1.0 zu, der wiederum den Grad jener vorhandenen Merkmale angibt, von denen man ausgeht, dass sie für unterschiedliche mehrzellige Lebensformen notwendig sind."


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Diese BCI-Berechnungen ergaben, dass 1 bis 2 Prozent der bekannten Exoplaneten einen BCI-Wert von mehr als jenem des Jupitermondes Europa erreichen, der immerhin einen unter eine dicken Eisschicht verborgenen und zugleich potentiell lebensfreundlichen globalen Ozean besitzt.


Überträgt man diesen Wert wiederum auf die geschätzte Anzahl von rund 10 Milliarden Sternen innerhalb der Milchstraße und geht zudem davon aus, dass jeder dieser Sterne mindestens einen Planeten besitzt, so kommt man auf eine Zahl von rund 100 Millionen Planeten, auf denen es komplexes Leben geben könnte. "Einige Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass die Anzahl noch bis zu 10 mal höher sein könnte", so Schulze-Makuch.


Zugleich unterstreicht der Astrobiologe aber auch, dass die Studie nicht von sich behauptet, einen Beweis für tatsächlich existierendes komplexes Leben auf besagt vielen Planeten darzustellen. Der errechnete Wert gebe lediglich die Anzahl der Planeten an, auf denen die hierzu notwendigen Bedingungen existieren könnten.


Zudem sei "komplexes Leben" nicht gleich mit "intelligentem Leben" gleichzusetzen – noch nicht einmal mit tier-ähnlichem Leben. "Komplexes Leben bedeutet zunächst einfach nur, Organismen, die größer und komplexer sind als Mikroben. Solche Organismen könnten in einer Vielzahl von Formen existieren und würden wahrscheinlich stabile Nahrungsnetze bilden, wie wir sie auch in Ökosystemen auf der Erde finden", erläutert Schulze-Makuch.


Dennoch handele es sich um die erste Studie, die auf beobachtbaren Daten tatsächlich existierender planetarer Körper jenseits unseres Sonnensystem beruhe und nicht alleine auf - wenn auch vielleicht begründeten – hypothetischen Vermutungen über das Vorkommen von Leben auf anderen Planeten.


Trotz der großen Anzahl jener Planeten, die anhand der Studie also komplexes Leben hervorgebracht haben bzw. beherbergen könnten, sei unsere Milchstraße zugleich jedoch derart ausgedehnt, dass die 100 Millionen Planeten mit möglichst hohen BCI-Werten erwartungsgemäß aber auch sehr weit voneinander entfernt sein dürften.


"Eines der unserem Sonnensystem am nächsten gelegen Systeme ist als 'Gliese 581' bekannt (...wir berichteten)", fügt der Astrobiologe hinzu. "Hier gibt es gleich zwei Planeten, die möglicherweise die Fähigkeit besitzen, komplexere Biosphären zu besitzen. Doch auch dieses System ist immerhin noch 20 Lichtjahre von uns entfernt. Die meisten Planeten mit einem hohen BCI sind noch weiter entfernt."


Sollte die Studie richtig liegen, so sind die besagten rund 100 Millionen Planeten etwa gleichmäßig voneinander entfernt und befinden sich durchschnittlich in einem Abstand von etwa 24 Lichtjahren zueinander. Jene Planeten, die dann auch noch tatsächlich intelligentes Leben hervorgebracht haben, wären also erwartungsgemäß nochmals weiter voneinander entfernt.


"Auf der einen Seite erscheint es also höchst unwahrscheinlich, dass wir alleine sind", so Schulze-Makuch abschließend. "Auf der anderen Seite scheint es aber sehr wahrscheinlich, dass wir von anderen ähnlich komplexen Lebensformen so weit entfernt sind, dass ein Treffen mit diesen Aliens in absehbarer Zukunft eher unwahrscheinlich ist."


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Quellen: airspacemag.com, mdpi.com
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