Samstag, 10. Mai 2014

Münsteraner Altertumsforscher halten "Ehefrau Jesu"-Papyrus für eine "unglaubliche Fälschung"


Das 2011 entdeckte und 2012 erstmals präsentierte Papyrusfragment mit der Bezeichnung "Evangelium der Ehefrau Jesu". | Copyright: Karen L. King

Münster (Deutschland) - Die Entdeckung eines Papyrus aus dem vierten Jahrhundert, aus dessen Text hervorgeht, dass Jesus verheiratet gewesen sein könnte (...wir berichteten), hat seit ihrer Präsentation 2012 durch die Haravrd-Kirchenhistorikerin Karen L. King weltweit für Aufsehen, Kontroversen und besonders unter katholischen Gläubigen für Unsicherheit über grundlegende Fragen zu Ehe, Familie Zölibat geführt. Kurze Zeit später bezeichnete der Vatikan selbst das Schriftstück als "plumpe Fälschung" (...wir berichteten). Nachdem die Historikerin erst vor einem Monat anhand einer Altersbestimmung des Papyrus-Fragments eine Fälschung ausgeschlossen hatte (...wir berichteten) erklärt nun ein Münsteraner Altertumsforscher, den eindeutigen Beweis für eine "unglaubliche Fälschung" gefunden zu haben.

Der Gastforscher der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), Dr. Christian Askeland, widmet sich der neutestamentlichen Textforschung mit einem Schwerpunkt auf koptischen Bibel-Überlieferungen und machte sich im Rahmen des Forschungsaufenthaltes an der WWU daran, dem Rätsel um das umstrittene Papyrusfragment auf den Grund zu gehen.


Hierzu nutzte Askeland ein zweites angeblich antikes Papyrus-Fragment aus den ins Internet gestellten Forschungsmaterialien der Entdeckerin Karen King, das von derselben Quelle stammt, in ähnlicher Weise aufgebaut ist und von dessen Existenz man schon länger wusste, ohne aber Bilder oder eine genaue Beschreibung von ihm zur Verfügung zu haben.


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Dieser Zufallsfund förderte Erstaunliches zutage: "Beide Papyri sahen so gleich aus", erläutert Askeland. Auch die Tinte sei anscheinend identisch gewesen, ebenso das benutzte Schreibgerät.


Dieses zweite Fragment stammt aus einer koptischen Übersetzung des Johannesevangeliums und sei ganz offensichtlich eine Fälschung, wenn auch buchstaben- und zeilentreu aus einem echten Papyrus des vierten Jahrhunderts kopiert.


Hinzu stellte Askeland fest, dass der im Dokument verwendete Dialekt für das 7. bis 9. Jahrhundert nach Christus, auf das Karen King das Papyrus datiert hatte, gar nicht möglich sei, da dieser besondere Dialekt bereits im frühen 6. Jahrhundert verschwunden sei.


Wenn aber das neue Johannesevangelium-Fragment eine Fälschung sei, so die Schlussfolgerung von Christian Askeland, sei notwendigerweise das "Ehefrau Jesu"-Fragment auch eine Fälschung.


Auch Prof. Dr. Stephen Emmel vom Institut für Ägyptologie und Koptologie der WWU, der den Nachwuchsforscher betreute, zeigt von der Arbeit Askelands beeindruckt. Erstaunt habe ihn, der schon 2012 Zweifel angemeldet hatte, die Entdeckung der Fälschung allerdings nicht, sei sie doch so offensichtlich gewesen: "Bislang hatte einfach der absolut sichere Beweis gefehlt", zitiert die WWU-Presseinformation den Ägypto- und Koptologen. Emmel selbst hält die Fälschung sogar für recht jung. "Sie dürfte in den vergangenen zehn Jahren entstanden sein", mutmaßt der Experte.


Damit widersprechen die Münsteraner Forscher jedoch deutlich den jüngsten Ergebnissen Kings. Sie hatte unter Berufung auf neueste Altersbestimmungen erst kürzlich erklärt, dass es sich bei dem Schriftstück tatsächlich um einen antiken bzw. historischen, frühchristlichen Text und nicht um eine modernen Fälschung handelt (...wir berichteten). Ein Statement der Historikerin zu den Darlegungen Askelands und Emmels liegt bislang noch nicht vor...


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Quelle: uni-muenster.de
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