Montag, 16. Juni 2014

Einstiges Leben sogar auf Pluto-Mond Charon? Risse und Spalten sollen Hinweise auf einstigen verborgenen Wasserozean liefern


Diese Künstlerische Darstellung zeigt Pluto und einige seiner Monde von der Oberfläche eines der Pluto-Monde aus betrachtet. | Copyright: NASA, ESA und G. Bacon (STScI)


Greenbelt (USA) - NASA-Wissenschaftler hoffen, in der Oberfläche des größten Plutomondes Charon Risse und Spalten zu finden. Anhand dieser könnten nämlich Hinweise darauf gezogen werden, ob das Innere des Plutomondes einst warm genug war, um unter der Eiskruste einen Ozean flüssigen Wassers und damit auch die Grundlage des uns bekannten Lebens beherbergt zu haben.

Wie die Forscher um Alyssa Rhoden vom Goddard Space Flight Center der NASA aktuell im Fachjournal "Icarus" (DOI: 10.1016/j.icarus.2014.04.030) berichten, ist Pluto selbst natürlich eine lebensfeindliche uns eisige Welt, die die Sonne 29 mal weiter entfernt umkreist als unsere Erde. Mit einer Oberflächentemperatur von rund minus 229 Grad Celsius ist der einstige neunte Planet des Sonnensystems natürlich viel zu kalt für flüssiges Wasser – und nicht anders sieht es zumindest heute auf den zahlreichen Monden des Zwergplaneten aus. Dennoch könnte es auf dem größten Pluto-Mond einst flüssiges Wasser gegeben haben. Ob dies so war, soll ab Juli kommenden Jahres (2015) die NASA-Sonde "New Horizon" herausfinden, die erstmals das Pluto-System detailliert erforschen soll.


"Unsere bisherigen Modelle sagen ein Muster aus Spalten und Rissen in der Oberfläche von Charon vorher - abhängig davon, wie dick die Eisschicht über dem Mondinneren ist, und wie leicht sie sich verformt. Zudem spielt auch die Entwicklung der Umlaufbahn des Trabanten hierbei eine Rolle", erläutert Rhoden.



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"Indem wir unsere unterschiedlichen Vorhersagen mit den zu erwartenden tatsächlich Daten von New Horizons vergleichen, können wir dann auch Rückschlüsse darauf ziehen, ob es früher einmal einen unter der Eiskruste verborgenen flüssigen Wasserozean auf Charon gab, der durch die Gezeitenkräfte hervorgerufen wurde, wie sie durch eine - in einigen unserer Modelle angenommene - einst extrem elliptische Umlaufbahn hervorgerufen worden sein könnten."


Auf ähnliche Weise, davon gehen immer mehr Planetenwissenschaftler aus, werden auch heute noch unter anderem auf den Monden Europa und Enceladus der Gasriesen Jupiter und Saturn gewaltige Wassermassen unterhalb von kilometerdicken Eiskrusten flüssig gehalten - und könnten so auch Lebensraum für Organismen auf diesen fernen Monden bieten.


Mit einem Achtel der Masse des Pluto selbst ist Charon ungewöhnlich massiv und dicht. Forscher vermuten, dass sich der Charon - wie auch einige andere der Pluto-Monde - sehr nah am Zwergplaneten selbst aus Auswurfmaterial gebildet hatte, nachdem dieser mit einem anderen großen Körper zusammengestoßen war.


Schon eine vergleichsweise geringe Exzentrizität der ursprünglichen Umlaufbahn von Charon hätte ausgereicht, um im Inneren des Mondes einen flüssigen Ozean aufrechtzuerhalten.


"Wenn wir auf Charon jedoch entgegen unseren Vorhersagen keine Rissen und Spalten vorfinden, so wäre dies ein ziemlich deutlichen Anzeichen dafür, dass dieser Mond einst keine elliptische Umlaufbahn hatte", führt Rhoden weiter aus. "Dann wäre sein Inneres auch nie warm genug für einen flüssigen Ozean gewesen."


Während die heutige stabile und annähernd kreisrunde Umlaufbahn von Charon keine genügend starken Gezeitenkräfte mehr hervorruft, um flüssiges Wasser unterhalb der eisigen Oberfläche zu erzeugen, könnten die erhofften Risse und Spalten aber auf einen einstigen möglichen Wasserozean auf Charon hindeuten.


Da flüssiges Wasser zugleich aber auch die Grundvoraussetzung für alle uns bekannten Lebensformen ist - und die Ozeane auf Europa und Enceladus als Orte gelten, auf denen noch heute außerirdisches Leben innerhalb unseres Sonnensystems existieren könnte - würde sich die Frage zumindest nach der Möglichkeit von einstigem Leben auch im Pluto-System stellen.


Allerdings, so geben die Forscher zu bedenken, reiche Wasser alleine noch nicht aus: "Leben benötigt auch eine nutzbare Energiequelle und eine ganze Reihe von Schlüsselelementen wie Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor. Bislang ist aber noch völlig unbekannt, ob auch diese notwendigen Zutaten in dem hypothetischen Charon-Ozean vorhanden gewesen sein könnten."


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Quelle: NASA
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