Freitag, 20. Juni 2014

Familiäre Gewalt hinterlässt auch genetische Spuren bei Kindern


"Der Betrunkene Vater", von George Wesley Bellows (1923). | Copyright: gemeinfrei


New Orleans (USA) - Kinder, in deren Familie und Zuhause von Gewalt, Selbstmord oder der Inhaftierung eines Familienmitglieds betroffen ist, weisen kürzere Telomere auf als Kinder aus stabilen Haushalten. Die Enden der Chromosomen werden mit der Alterung von Zellen in Verbindung gebracht, weswegen die Wissenschaftler schlussfolgern, dass das familiäre Umfeld auch eine wichtige biologisch-genetische Rolle spielt.

Wie die Forscher um Dr. Stacy Drury, vom Behavioral and Neurodevelopmental Genetics Laboratory an der Tulane University aktuell im Fachjournal "Pediatrics" (DOI: 10.1542/peds.2013-3415) erläutern, steige mit häuslicher Gewalt auch die Wahrscheinlichkeit, von "Narben, die sich bis auf die DNA" auswirken.


Verkürzte Telemore werden mit einem erhöhten Risiko von Herzerkrankungen, Fettleibigkeit, Rückgang kognitiver Fähigkeiten, Diabetes, Geisteskrankheiten und schwacher allgemeiner Gesundheit im Erwachsenenalter in Verbindung gebracht.



www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Für ihre Studie untersuchten die Forscher genetische Proben von 80 Kindern im Alter von 5 bis 15 Jahren in New Orleans, befragten sie und ihre Eltern über ihr familiäres Umfeld und Erfahrungen mit widrigen Lebensumständen.


"Familiäre Stressfaktoren, wie das Beobachten von Gewalt gegen ein Familienmitglied, erzeugen eine Umgebung, die sich bis auf die DNA im Innern der Zellen von Kindern auswirken kann", erläutert Drury. "Je höher die Anzahl solcher Erlebnisse im Kindesalter ist, desto kürzer sind die Telomere." Zugleich haben die Autoren der Studie auch nach anderen möglichen auslösenden Faktoren, wie dem soziökonomischen Status der Befragten, Alter und Bildungsgrad der Eltern und dem Alter der untersuchten Kinder selbst gesucht - eine entsprechende Übereinstimmung angesichts dieser Faktoren jedoch nicht gefunden.


Zudem stellten die Forscher fest, dass sich entsprechende Gewalterfahrungen auf Mädchen stärker verkürzend auf die Telomere auswirken als bei Jungen. Zur gleichen Zeit zeigt das Ergebnis der Studie auf, dass sich offenbar ein steigender Bildungsgrad der Mütter besonders positiv auf die Telomer-Länge bei Jungen unter 10 Jahren auswirkt.


Vor dem Hintergrund des Studienergebnisses empfehlen die Forscher, die Familie als wichtigen Ansatzpunkt im Kampf gegen negative biologische Auswirkungen im Leben junger Kinder noch mehr in den Blickpunkt der Forschung und Therapie zu stellen.


WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

Forscher liefern Erklärungsansatz für vererbte traumatische Emotionen 16. April 2014
Vererbte Emotionen? Nachkommen zeigen die Ängste ihrer Väter - ohne diese jemals gesehen zu haben
27. November 2014


grenzwissenschaft-aktuell.de
Quelle: tulane.edu
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE