Mittwoch, 4. Juni 2014

Potentiell lebensfreundlicher Planet in direkter kosmischer Nachbarschaft zur Erde entdeckt


Künstlerische Darstellung der beiden den nur 13 Lichtjahr von der Erde entfernten Kapteyns Stern umkreisenden Planeten (Illu.). | Copyright: Guillem Anglada-Escudé/ qmul.ac.uk

New York (USA) - Ein internationales Astronomenteam hat zwei neue Exoplaneten entdeckt, die einen Stern umkreisen der gerade einmal 13 Lichtjahre von unserer Sonne entfernt ist. Einer der beiden Planeten könnte sogar warm genug sein, damit auf seiner Oberfläche flüssiges Wasser und damit die Grundlage für Leben zumindest nach irdischem Vorbild existieren könnte. Darüber hinaus ist das System mehr als doppelt so alt wie unser Sonnensystem. Grund genug für die Astronomen, um über weit entwickeltes Leben auf zumindest einem der Planeten zu spekulieren.

Wie das Team um Astronomen der Carnegie Institution aktuell im Fachjournal "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" berichten, handelt es sich um den sogenannten "Kapteyns Stern". Der zweitschnellste Stern am Nachthimmel gehört zu den sogenannten Halosternen, eine Sterngruppe die unsere Galaxie auf einer stark elliptischen Bahn umkreist. Mit nur einem Drittel der Masse im Vergleich zu unserer Sonne gehört Kapteyns Stern zu den sogenannten Roten Zwergen und kann selbst mit Amateurteleskopen im Sternbild Maler (Pictor) beobachtet werden.


Die aktuelle Entdeckung zweier Planeten um Kapteyns Stern, die Planeten "Kapteyn b" und "Kapteyn c", gelang den Astronomen mit Hilfe des HARPS-Spektrometers am La Silla Observatorium der Europäischen Südsternwarte (ESO), dem Planet Finding Spectrometer am Magellan/Las Campanas Observatory in Chile und dem HIRES spectrometer des Keck Observatory auf Hawaii, die kleinste periodische Veränderungen der Eigenbewegung des Sterns als Folge der Anwesenheit von Planeten zur Suche nach Exoplaneten nutzen.


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"Die Entdeckung von Planeten um Kapteyns Stern hat uns selbst überrascht", erläutern die Forscher. "Nachdem aber schon frühere Daten einige Unregelmäßigkeiten in der Bewegung des Sterns aufgezeigt hatten, suchten wir gezielt nach kurzperiodisch umlaufenden Planeten, als die neuen Signale laut und deutlich auftauchten", erläutert Dr. Guillem Anglada-Escude, ehemals an der Carnegie, heute an Queen Mary University of London tätig.


Während es sich bei "Kapteyn c" um eine dichte aber für flüssiges Wasser zu frostige Super-Erde handelt, könnte es auf "Kapteyn b" durchaus Wasser in flüssiger Form und damit die Grundlage des uns bekannten Leben geben. Für eine Umrundung seines Stern benötigt dieser Planet mit der etwa fünffachen Erdmasse rund 48 Tage.


Bislang wissen die Astronomen jedoch erst sehr wenig über die sonstigen Eigenschaften der beiden Planeten. Lediglich ihre ungefähre Masse, die Umlaufperioden und ihre Entfernungen zu ihrem Zentralgestirn sind bekannt. Doch schon mit der sich derzeit noch in der Entwicklung befindlichen nächsten Generation von Hochleistungsteleskopen hoffen die Astronomen schon mittelfristig genauere Informationen auch über die atmosphärische Zusammensetzung der beiden Planeten gewinnen zu können.


"Die Entdeckung eines stabilen Planetensystems mit zumindest einem potentiell lebensfreundlichen Planeten, der einen der uns am nächsten gelegen Sterne umkreist, ist wirklich atemberaubend", zeigt sich Pamela Arriagada der Entdeckung durch ihr Team fasziniert. "Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass nahezu alle Sterne auch Planeten besitzen und dass potentiell lebensfreundliche Welten in unserer Galaxie so häufig sind, wie die sprichwörtlichen Sandkörner am Strand."


Mit nur 13 Lichtjahren Entfernung ist Kapteyn Sterns der 25. Von unserem Sonnensystem nächstgelegen Sternen. Was die Entdeckung darüber hinaus aber auch so besonders macht ist die Geschichte des Sterns selbst: Astronomen gehen davon aus, dass Kapteyns Stern in einer Zwerggalaxie geboren wurde, die vor langer Zeit mit der Milchstraße verschmolz wurde. "Diese Form des galaktischen Kannibalismus hat den Stern auf einen neue Bahn verschlagen, wodurch er zu einem Teil der Milchstraße wurde", erläutern die Forscher. "Der Kern der einstigen Zwerggalaxie ist die eigenartige Sternengruppe Omega Centauri, die in 16.000 Lichtjahren Entfernung tausende von etwa gleich alten Sonnen beinhaltet und lange Zeit als Kugelsternhaufen galt."


Dies würde aber bedeuten, dass Kapteyns Stern als einstiger Teil dieser Gruppe schon 11,5 Milliarden Jahre alt, damit etwa zweieinhalb mal so alt ist wie unsere Erde und nur rund 2 Milliarden Jahre jünger wäre als das Universum selbst.


"Angesichts eines solch hohen Alters kann man nun natürlich prächtig darüber spekulieren, welche Formen des Lebens sich auf diesen Planeten über einen derart langen Zeitraum entwickelt haben könnten", kommentiert Anglada-Escude anschließend.


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Quelle: carnegiescience.edu
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