Samstag, 12. Juli 2014

Abflussrinnen auf dem Mars stammen hauptsächlich von Trockeneis - nicht von Wasser


Ein Beispiel für zwischen dem 30. Mai 2007 (l.) und dem 31. Mai 2013 (r.) neu entstandene Abflussrinnen am Hang eines Marskraters. | Copyright: NASA/JPL-Caltech/Univ. of Arizona

Pasadena (USA) - Nachdem die Entdeckung von sich neu bildenden Abflussrinnen auf dem Mars im Jahr 2000 für Hoffnungen auf heute noch flüssiges Wasser auf der Marsoberfläche nährten, legen nun wiederholt aufgenommene hochaufgelöste Aufnahmen der NASA-Marssonde "Mars Orbiter" (MRO) nahe, dass die zahlreichen Abflussrinnen in der Marsoberfläche hauptsächlich das Ergebnis jahreszeitlich bedingter Einfrierungsprozesse von Trockeneis sind und somit nicht von flüssigem Wasser gegraben werden. Doch ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt.

Während es auf dem Mars zwar große Mengen an gefrorenem Wasser und Wasserdampf in der Atmosphäre gibt, kann somit die Anwesenheit von flüssigem Wasser auf unserem kalten Nachbarplaneten immer noch nicht eindeutig bestätigt werden, schlussfolgern die Forscher um Colin Dundas vom Astrogeology Science Center der U.S. Geological Survey in ihrem Artikel, der aktuell im Fachjournal "Icarus" (DOI: 10.1016/j.icarus.2014.05.013) erschienen ist.


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

"Noch vor fünf Jahren war ich überzeugt davon, dass die Abflussrinnen (Gullies) auf dem Mars auf die erodierende Aktivität von flüssigem Wasser hindeuteten", gesteht Dundas ein. "Nachdem wir nun aber sehr viel mehr Beobachtungen dieser Strukturen vorliegen haben, konnten wir die Entstehungszeit der meisten dieser Rinnen eingrenzen und haben festgestellt, dass sie im Mars-Winter entstehen."


Ein weiteres Beispiel für zwischen 2010 und 2013 neuentstandene Abflussrinnen. | NASA/JPL-Caltech/Univ. of Arizona

Insgesamt wurden seit 2006 356 Orte mit entsprechenden Landschaftsmerkmalen meist an Berg- und Kraterhängen entdeckt. In 38 Fällen zeigten Folgeaufnahmen, dass die Rinnen auch heute noch stets anwachsen, sich ausdehnen und neue Rinnen und Abzweigungen entstehen (s. Abb.).


Die Zeit, in der es in den meisten Fällen zu dieser Neubildung und Ausweitung der Rinnen kommt, stimmt jedoch mit dem jahreszeitlich bedingten Kohlendioxid-(Trockeneis)-Frost überein und findet damit unter Temperaturbedingungen statt, die flüssiges Wasser als Erklärung ausschließen.


Während Trockeneis auf der Erde nicht in natürlicher Form vorkommt, gibt es davon auf dem Mars große Mengen. "Ein Mechanismus, in dem Kohlendioxid gefriert", so die Forscher, "könnte auch die Entstehung der Rinnen erklären: Während des Phasenübergangs von gasförmigen und den gefrorenen Zustand, könnte das im Boden gebundene und aus dem Boden austretende Gas trockenes und körniges Bodenmaterial in Bewegung versetzen. In anderen Fällen könnte das sich ansammelnde Trockeneis durch sein Gewicht zu Rutschungen des Boden führen und so die Rinnen graben.



http://photojournal.jpl.nasa.gov/archive/PIA17606.gif
Die sich mit den Jahreszeiten verändernden dunklen "Finger" an einem Hang im Mars-Canyon Valles Marinieris. | Copyright: NASA/JPL-Caltech/Univ. of Arizona

Auch wenn die aktuellen Entdeckung Prozesse nahelegen, für die es kein flüssiges Wasser auf dem Mars benötigt, um diese Strukturen zu bilden, gibt es weiterhin einige Strukturen, bei denen weiterhin genau dies der Fall sein könnte. Hierbei handelt es um deutlich kleinere Abflussrinnen, die erst im vergangenen Jahr mit der HiRISE-Kamera an Bord der MRO-Sonde entdeckt wurden. Bei diesen sogenannten "wiederkehrenden Hanglinien" (recurring slope lineae, RSL) handelt es sich um fingerartige dunkle Verfärbungen an Kraterhängen und -hügeln, deren Intensität in den Frühlings- und Sommermonaten zunimmt und in den Monaten des Mars-Herbstes und im Winter wieder verblasst (...wir berichteten).


grenzwissenschaft-aktuell.de

Quelle: NASA/JPL
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE