Donnerstag, 17. Juli 2014

Asteroid Vesta stellt Planetenentstehungs-Modelle in Frage


Das Innenleben von Vesta (Grafik). | Copyright: EPFL

Bern (Schweiz) - Computersimulationen des Aufbaus des felsplanetenähnlichen Asteroiden bzw. Kleinplaneten Vesta erlaubten erstmals Rückschlüsse dessen Innenleben und liefern zugleich eine Überraschung: Die Kruste des Asteroiden scheint viel dicker zu sein als angenommen, und der darunterliegende Mantel, der den Kern umhüllt, viel dünner. Das bedeutet, dass Aufbau und die Entstehung von Planeten - auch der Erde - anders sein könnten als bisher gedacht.

Wie der Berner Astrophysikers Martin Jutzi und Kollegen aktuell im Fachjournal "Nature" (DOI: 10.1038/nature13499) berichten, zeigten schon seine früheren Simulationen, wie Vesta durch den Zusammenprall mit zwei Meteoriten seine elliptische Form erhielt (...wir berichteten). In den neuen Simulationen untersuchten die Forscher, wie zwei gewaltige, 80 Kilometer tiefe Krater durch Meteoriteneinschläge auf Vesta entstehen konnten und wie die Zusammensetzung der Gesteine auf der Oberfläche von Vesta nach den großen Meteoriteneinschlägen aussehen sollte.


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Ein Vergleich mit den Daten der "Dawn"-Mission brachte zutage, dass etwas fehlte: Das Mineral Olivin, der Hauptbestandteil des Mantelmaterials, das nach einem so tiefen Einschlag eigentlich überall auf der Oberfläche herumliegen sollte, war nicht auffindbar. "Wir gingen von einer Krustendicke von 30 Kilometern aus", erläutert Jutzi. "Dass aber kein Olivin aus der darunterliegenden Mantelschicht vorhanden ist, zeigt, dass die Meteoriten die Kruste trotz ihrer Einschlagstiefe von 80 Kilometern nicht durchdringen konnten und diese also viel dicker sein muss als angenommen."


Diese neuen Erkenntnis verschiebt zugleich auch die Proportionen: Wenn die Kruste dicker ist als 80 Kilometer, muss der darunterliegende Mantel wiederum viel dünner sein. Dies lässt auch auf eine andere Zusammensetzung des Materials schließen. "Möglicherweise wurde die Kruste durch im Mantel gebildete vulkanische Brocken verdickt, die teilweise an die Oberfläche gelangten", sagt Jutzi. Dies wirft neue Fragen auf, wie Vesta, aber auch die Erde und andere Planeten zusammengesetzt sind und wie sie entstanden sind.


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Quelle: unibe.ch
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