Mittwoch, 2. Juli 2014

Forscher präsentieren Kornkreise erstmals in kulturhistorischem Museum


Das Plakat zur Ausstellung "Exploring the Mystery and Beauty of Crop Circles" im Wiltshire Museum in Devizes. | Quelle: Wiltshire Museum

Devizes (England) - Vom 21. Juni bis zum 31. August 2014 zeigt das renommierte archäologisch-kulturhistorische Wiltshire Museum in Devizes im Rahmen seiner jährlichen Ausstellungsreihe "Summer Exhibitions" die Ausstellung "Exploring the Mystery and Beauty of Crop Circles". Kuratiert und organisiert von der niederländischen Kornkreisforscherin Monique Klinkenbergh und dem deutschen Kornkreisforscher Andreas Müller, ist es das erste Mal, dass das Phänomen der Kornkreise und seine Erforschung im Rahmen einer eigenen Ausstellung in einem kulturhistorischen Museum gewürdigt und der Öffentlichkeit nahegebracht werden. Neben der Ausstellung, die am vergangenen Freitag durch die Parlamentsabgeordnete Claire Perry offiziell eröffnet wurde, beheimatet das Museum mit dem "Crop Circle Access Centre" auch eine Anlaufstelle für Kornkreis-Interessierte auf der Suche nach Informationen darüber, wie und welche aktuellen Kornkreise besucht werden können.






Blick in die Ausstellung. | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de

"Neben spektakulären großformatigen Arbeiten der besten internationalen Kornkreis-Fotografen - darunter Steve Alexander, Lucy Pringle und Frank Laumen - gibt die Ausstellung Einblicke und ausführliche Hintergrundinformationen zum Stand der Erforschung dieses faszinierenden Phänomens", erklärt der deutsche Kornkreisforscher und Sachbuchautor Andreas Müller (kornkreise-forschung.de). "Erläutert werden unter anderem Aussagen von Augenzeugen, die die Entstehung 'echter' - also nicht von Menschen mechanisch angelegter - Kornkreise binnen weniger Sekunden beobachten konnten. Wir erläutern die Ergebnisse der Laboranalysen von Pflanzen und Böden aus Kornkreisen, anhand derer bis heute unerklärte Veränderungen beobachtet werden können, die sich so nicht in von Menschen gemachten Kornkreisen finden; die geometrischen Hintergründe und natürlich die Historie des Phänomens, die viel weiter zurückreicht, als dies allgemein bekannt ist. Zudem werden die unterschiedlichen Erklärungshypothesen aufgezeigt und zahlreiche Theorien dazu erläutert. Aber auch der Aspekt menschlicher Fälschungen oder Kornkreis-Kunst und deren Einfluss auf die Forschung und natürlich auf das Bild der Kornkreise in den Medien wird dargestellt und diskutiert."


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +


Offizielle Straßenschilder weisen in ganz Devizes den Weg zur aktuellen Kornkreis-Ausstellung. | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de

"Das Konzept der Ausstellung geht von davon aus, dass es auch ein echtes - also nicht von Menschen mit mechanischen Mitteln erzeugtes - Phänomen gibt", erläutern Klinkenbergh und Müller. "Dafür zeigen wir die Indizien, Beweise und Hintergründe. In den vergangen Jahrzehnten wurde das Phänomen in den Medien meist nur als das Werk zweier Rentner, von Studenten und Scherzbolden dargestellt. Mit dieser Ausstellung in einem kulturhistorischen Museum wollen wir dazu beitragen, dass dieses einseitige Zerrbild wieder etwas zurechtgerückt wird."



Die Ausstellungsmacher Andreas Müller und Monique Klinkenbergh gemeinsam mit der Parlamentsabgeordneten Claire Perry und dem Vorsitzenden der Wiltshire Archaeological and Natural History Society Doug Roseaman (v.l.n.r.) bei der Eröffnung der Kornkreisausstellung im Wiltshire Museum in Devizes. | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de

Zeitgleich mit der Ausstellung hat auch das "Crop Circle Access Centre" seine diesjährige Heimat im Wiltshire Museum gefunden. In diesem Kornkreis-Informationszentrum können sich Interessierte über die neusten Kornkreise und darüber informieren, welche Kornkreise mit Zustimmung des Bauern auch problemlos besucht werden können. Nach dem Vorbild einer Kurtaxe - jedoch auf freiwilliger Basis - können Besucher für 10 Pfund (rund 13 Euro) einen "Access Pass" erwerben und mit diesem guten Gewissens jene Kornkreise besuchen, deren Bauern im Rahmen dieses Projekts Eintritt in ihre Felder gewähren. Der Erlös dieses Systems geht dann Ende der Saison wieder zurück an die betroffenen Bauern, um so deren Ernteausfall und die Schäden durch die vielen Besucher zumindest teilweise wieder auszugleichen. Einige der Bauern geben diese Einnahmen dann an karitative Einrichtungen weiter.


Doch das Access-Pass-System ist weit mehr als eine Kornkreis-Kurtaxe, erläutert Klinkenbergh: "Jahrzehntelang gab es weder für die an den Kornkreisen interessierten Besucher noch für die betroffenen Bauern, deren Felder plötzlich von Forschern und Touristen durchwandert wurden, ein koordinierendes System, das die Interessen beider Seiten berücksichtigte und ein gutes Miteinander ermöglichte. Nach vielen Jahren, in denen gerade die Farmer mehr Ärger als Freunde an ihren Kornkreisen und vor allem mit den oft ungebetenen und unerlaubten Besuchern hatten, haben sie sich viele Bauern seit zwei Jahren dazu entschlossen, neue Kornkreise direkt aus den Feldern zu mähen. Was aus Sicht der Farmer mehr als verständlich erscheint, war und ist aber nicht nur ein großer Verlust für die Erforschung und Dokumentation dieses eigentlich so wunderschönen und friedlichen Phänomens, sondern auch für den lokalen Tourismus."



Kornkreis im Juli 2002 unweit von Stonehenge. | Copyright: Andreas Müller, kornkreise-forschung.de

Zwar kommen die meisten Touristen nicht nur aber viele eben auch wegen der Kornkreise in die mystische Gegend rund um die Steinkreise von Stonehenge und Avebury, die prähistorische Kegelpyramide Silbury Hill und das Land zahlreicher alten heiligen Plätze. "Mit dem 'Access Pass' hoffen wir, wieder etwas Entspannung in die Beziehung zwischen Bauern, Forschern und Kornkreis-Touristen bringen zu können", erläutert Monique Klinkenbergh abschließend. "Dazu soll natürlich auch die Kornkreis-Ausstellung im Wiltshire Museum beitragen. Viele Bauern und Anwohner von Kornkreisfeldern wissen erstaunlich wenig über das Phänomen. Neben den Kornkreis-Freunden soll unsere Ausstellung also vor allem auch den Menschen vor Ort die Hintergründe und Faszination dieses Phänomens aus Sicht der Forschung nahebringen."


Das Phänomen der Kornkreise sorgt seit spätesten Anfang der 1980er Jahre weltweit für immer wieder für Aufsehen, Spekulationen und kontroverse Diskussionen bis in naturwissenschaftliche Kreise hinein. Während Kornkreis-Skeptiker dahinter nicht mehr als einen der größten Schwindel der Neuzeit sehen, verweisen Kornkreis-Forscher auf eine ganze Reihe von Fakten, die - zumindest in einigen Fällen - ein anderes Bild zeichnen.


Das GreWi-Leserinterview mit
Kornkreisforscher Andreas Müller finden Sie HIER

So geht die tatsächliche Historie des Phänomens weit über die 1980er hinaus. "Erste Beschreibungen dessen, was wir heute als 'Kornkreise' bezeichnen, finden sich schon in Märchen und Legenden rund um den Globus", erläutert Müller. "Erste Dokumente beschreiben und zeigen Kornkreise schon im 16. und 17. Jahrhundert und 1880 berichtete sogar die angesehene naturwissenschaftliche Zeitschrift 'Nature' über Kornkreise in der südenglischen Grafschaft Surrey."

Illustration einer Flugschrift von 1678 mit dem Titel "The Mowing Devil" (Der mähende Teufel).

Jedes Jahr werden weltweit zwischen 100 und 300 neue Kornkreise entdeckt. Bislang konnten fasst 10.000 Kornkreise im mehr als 60 Ländern rund um den Globus dokumentiert werden.


"Neben Schilderungen von Augenzeugen, die die Entstehung "echter" Kornkreise binnen weniger Sekunden beobachtet haben wollen, finden sich an Pflanzen und Böden (1, 2) einiger Kornkreise biophysiologische und mineralogische Veränderungen, wie sie so nicht durch menschliches Zutun erklärt, im Labor jedoch beschrieben und mittels Mikrowellenbestrahlung reproduziert werden können. Die Ergebnisse dieser Analysen wurden bereits mehrfach in naturwissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert (1, 2, 3)."



Kornkreisformation nahe Crooked Soley in Berkshire im August 2002. | Copyright: Steve Alexander, temporarytemples.co.uk

Die Summer-Exhibition "Exploring the Mystery and Beauty of Crop Circles" ist noch bis zum 31. August 2014 im Wiltshire Museum in Devizes zu sehen. Der einmalige kostenpflichtige Museumseintritt zu je 5 (ermäßigt 4, Kinder haben freien Eintritt) Pfund berechtigt zugleich zu kostenfreien weiteren Besuchen des Kornkreis-Informationszentrums. Gruppen werden gebeten, sich vorher anzumelden.

Wiltshire Museum

41 Long Street, Devizes, Wiltshire, SN10 1NS
Telephone: 01380 727369
Email: hello@wiltshiremuseum.org.uk
www.wiltshiremuseum.org.uk

Zum Thema
grenzwissenschaft-aktuell.de
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE