Mittwoch, 23. Juli 2014

Jenseits des Ultraschalls: Fledermäuse nutzen Polarisationsmuster zur Orientierung


Archiv: Großes Mausohr im Flug. | Copyright: Dietmar Nill / MPG

Seewiesen (Deutschland) – Während bislang bereits bekannt war, dass Vögel das Polarisationsmuster des Sonnenlichtes in der Atmosphäre nutzen, um ihr Orientierungssystem zu kalibrieren, haben Forscher ausgerechnet bei einer nachtaktiven Säugetierart, dem Großen Mausohr, die Fähigkeit zur Orientierung mit Hilfe von polarisiertem Licht entdeckt. Diese Fledermäuse nutzen das Polarisationsmuster im Abendhimmel, um ihren inneren Kompass zu kalibrieren.

Wie die Forscher um den Fledermausforscher Stefan Greif vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen gemeinsam mit Kollegen der Queen’s University Belfast Forschern aus Israel aktuell im Fachjournal "Nature Communications" (DOI: 10.1038/ncomms5488) beschreiben, haben sich im Laufe der Evolution vielfältige Sinnesorgane entwickelt, die den einzelnen Arten vielfältige Möglichkeiten geben, ihre Umgebung wahrzunehmen.


So können zum Beispiel manche Insekten, Fische und Vögel ultraviolettes Licht sehen. Die Wahrnehmung von polarisiertem Licht ist bislang nur bei wenigen Tiergruppen beobachtet worden, hauptsächlich bei Insekten, Vögeln und Reptilien.



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"Polarisiertes Licht", so erläutert die Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft, "entsteht durch die Streuung des Sonnenlichts in der Atmosphäre. Das dabei entstehende Polarisationsmuster dient vielen Tieren als Kompass. Bekannte Beispiele sind die Orientierung von Honigbienen und Zugvögeln mittels polarisierten Lichts. Auch Menschen sind zu einem gewissen Grad fähig, polarisiertes Licht zu sehen: So genannte Haidinger Büschel erscheinen als diffuse, gelbliche Formen im Auge. Dass Säugetiere diese Sinneswahrnehmung auch nutzen können, war bislang noch nicht bekannt."


Dass auch das Große Mausohr (Myotis myotis) das polarisierte Licht der Abenddämmerung zur Kalibrierung ihres Orientierungssystems nutzt, das sich wiederum das sich am Erdmagnetfeld der Erde ausrichtet, konnten die Forscher in Experimenten mit 70 Mausohr-Weibchen in der Orlova Chuka-Höhle im Nordosten Bulgariens nachweisen.


Hierzu setzten sie einen Teil der Tiere einer um 90 Grad verschobenen Polarisationsrichtung zum natürlichen Spektrum aus, der andere Teil der Tiere wurde in die gleichen Boxen, nur ohne Filter, gesetzt. Danach wurden die Tiere in den Boxen an zwei verschiedene, der Ausgangsposition entgegen gesetzte Orte gebracht, lange nach Einbruch der Dunkelheit freigelassen und die darauffolgenden Flugrouten der Tiere mittels kleiner Sender überwacht.


Das Ergebnis: "Diejenigen Tiere, die bei Sonnenuntergang einem um 90 Grad verschobenen Polarisationsmuster ausgesetzt waren, flogen danach in eine Richtung, die um 90 Grad von der abwich, in welche die Kontrolltiere flogen."


Mit diesem einfachen Experiment konnten die Forscher erstmals zeigen, dass Fledermäuse das Polarisationsmuster im Abendhimmel nutzen, um ihren inneren Magnetkompass zur Orientierung zu kalibrieren. Wie genau dies funktioniert, ist allerdings noch unklar.


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Quelle: orn.mpg.de
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