Montag, 21. Juli 2014

Kornkreise 2014: Farmer mähen neuste Kornkreise aus dem Feld, sobald sie entdeckt werden


Die neuste Kornkreisformation nahe Marlborough in Wiltshire, entdeckt am 15. Juli 2014. | Copyright: Steve Alexander, temporarytemples.co.uk

Avebury (England) - Unfrieden im Kornkreis-Land: Konnten in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten die neusten Kornkreise meist mehr oder weniger problemlos begangen und damit auch untersucht und auch von Touristen besucht werden, haben sich die Farmer in der südenglischen Grafschaft Wiltshire seit zwei Jahren dazu entschlossen, neue Kornkreise unmittelbar nach deren Entdeckung aus den Feldern zu mähen - ein Verlust nicht nur für die Erforschung des Phänomens sondern auch für den lokalen Kornkreis-Tourismus. Versuche von Forschern und Kornkreisfreunden den Ärger und zugleich Verlust der Bauern zu minimieren und so die Kornkreise zu erhalten, scheitern bislang jedoch mehrheitlich.


Grafische Rekonstruktion. | Copyright: Andreas Müller, kornkreise-forschung.de

Auch die aktuellste Kornkreisformation, entdeckt am Abend des 15. Juli 2014 in einem Feld nahe Marlborough, fiel schon am nächsten Nachmittag dem Mähdrescher zum Opfer, noch bevor das Muster eingehend untersucht werden konnte. Was bleibt sind immerhin Luftaufnahmen der geometrisch beeindruckenden Formation und Aufnahmen von Besuchern, die noch vor dem Mähdrescher einen Blick auf das Innere der Formation werfen konnten.



Weitere Luftaufnahme. | Copyright: Steve Alexander, temporarytemples.co.uk




Aufnahmen aus dem Innern der Formation. | Copyright: Annemieke Witteveen, annemiekewitteveen.blogspot.com


Quadkopter-Aufnahme. | Copyright: Paul Smith


Schon seit dem frühen Nachmittag des 16. Juli zeigt das Feld nahe Marlborough nur noch eine herausgemähte "Kornkreisnarbe". | Copyright: Copyright: Annemieke Witteveen, annemiekewitteveen.blogspot.com

Ein Ähnliches Schicksal wurde auch schon früheren Kornkreisen in der Region um Avebury und im Pewsey Valley nahe Alton Barnes zuteil - während Kornkreise am West Kennett Long Barrow, zu denen der Farmer Besuchern des Zugang erlaubte, von Unbekannten zerstört wurden (...wir berichteten).



Drei weitere "Narben" im Kornkreisland. Hier am Steinkammergrab von West Kennett nahe Avebury. | Copyright: MrGyro.co.uk

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Ebenfalls seit nunmehr zwei Jahren sind einige Kornkreisforscher vor Ort darum bemüht, die Interessen der betroffenen Bauern mit jenen der Kornkreis-Forscher und interessierten Touristen unter einen Hut zu bringen.


Einer dieser Ansätze ist der "Crop Circle Access Pass", den die niederländische Kornkreisforscherin Monique Klinkenbergh gemeinsam mit Kollegen, lokalen Behörden und dem lokalen Bauernverband nach dem Vorbild einer Kurtaxe organisiert hat. Mit dem "Crop Circle Access Centre" gibt es ein das Konzept begleitendes Kornkreis-Informationszentrum in dem sich Interessierte über die neusten Kornkreise und darüber informieren können, welche Kornkreise mit Zustimmung des Bauern auch problemlos besucht werden können. Nach besagtem Vorbild einer Kurtaxe - jedoch auf freiwilliger Basis - können Besucher für 10 Pfund (rund 13 Euro) einen "Access Pass" erwerben und mit diesem guten Gewissens jene Kornkreise besuchen, deren Bauern im Rahmen dieses Projekts Eintritt in ihre Felder gewähren. "Der Zugang zu den Kornkreisen, deren Farmer diese zum Besuch freigeben, ist jedoch nicht zwingend mit dem Erwerb des Passes verbunden. Es ist ein Kontrollwerkzeug – viel eher eine Art freiwillige Abgabe zum Ausgleich des Ernteausfalls durch den Kornkreis an den betroffenen Bauern", erläutert Monique Klinkenbergh. "Der Erlös dieses Systems geht zurück an die betroffenen Bauern, um so deren Ernteausfall und die Schäden durch die vielen Besucher zumindest teilweise wieder auszugleichen. Einige der Bauern geben diese Einnahmen dann an karitative Einrichtungen weiter.


Doch das Access-Pass-System ist weit mehr als eine Kornkreis-Kurtaxe, erläutert Klinkenbergh: "Jahrzehntelang gab es weder für die an den Kornkreisen interessierten Besucher noch für die betroffenen Bauern, deren Felder plötzlich von Forschern und Touristen durchwandert wurden, ein koordinierendes System, das die Interessen beider Seiten berücksichtigte und ein gutes Miteinander ermöglichte. Nach vielen Jahren, in denen gerade die Farmer mehr Ärger als Freunde an ihren Kornkreisen und vor allem mit den oft ungebetenen und unerlaubten Besuchern hatten, haben sie sich viele Bauern seit zwei Jahren dazu entschlossen, neue Kornkreise direkt aus den Feldern zu mähen. Was aus Sicht der Farmer mehr als verständlich erscheint, war und ist aber nicht nur ein großer Verlust für die Erforschung und Dokumentation dieses eigentlich so wunderschönen und friedlichen Phänomens, sondern auch für den lokalen Tourismus."


Darüber hinaus hat Klinkenberg gemeinsam mit dem deutschen Kornkreisforscher, Sachbuchautor (...und GreWi-Herausgeber) Andreas Müller (kornkreise-forschung.de) eine Ausstellung zum Thema Kornkreise, ihre Erforschung und zum Stand der Kornkreisforschung organisiert und kuratiert, die derzeit im kulturhistorischen "Wiltshire Museum" in Devizes gezeigt wird und bislang auf großes Interesse stößt (...wir berichteten).



Die Kuratoren Monique Klinkenbergh und Andreas Müller in ihrer Ausstellung Kornkreis-Ausstellung im Wiltshire Museum in Devizes. | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de

"Das Konzept der Ausstellung geht von davon aus, dass es auch ein echtes - also nicht von Menschen mit mechanischen Mitteln erzeugtes - Phänomen gibt", erläutern Klinkenbergh und Müller. "Dafür zeigen wir die Indizien, Beweise und Hintergründe. In den vergangen Jahrzehnten wurde das Phänomen in den Medien meist nur als das Werk zweier Rentner, von Studenten und Scherzbolden dargestellt. Mit dieser Ausstellung in einem kulturhistorischen Museum wollen wir dazu beitragen, dass dieses einseitige Zerrbild wieder etwas zurechtgerückt wird."


"Mit dem 'Access Pass' hoffen wir, wieder etwas Entspannung in die Beziehung zwischen Bauern, Forschern und Kornkreis-Touristen bringen zu können", erläutert Monique Klinkenbergh abschließend und Müller fügt hinzu: "Dazu soll natürlich auch die Kornkreis-Ausstellung im Wiltshire Museum beitragen. Viele Bauern und Anwohner von Kornkreisfeldern wissen erstaunlich wenig über das Phänomen. Neben den Kornkreis-Freunden soll unsere Ausstellung also vor allem auch den Menschen vor Ort die Hintergründe und Faszination dieses Phänomens aus Sicht der Forschung nahebringen."


Doch trotz aller Mühen und Aufwende stehen die Forscher weiterhin vor einen großen Problem: Solange die Bauern, als wichtiger Teil und Partner des Konzepts die Bemühungen zwar wertschätzen, gleichzeitig aber dennoch neue Kornkreise unmittelbar nach Entdeckung aus den Feldern mähen, nutzt das beste Besucher- und Koordinationskonzept nicht viel.


Jetzt hoffen die Kornkreisforscher auf die nächste Formation und darauf, dass auf die Landwirte ihren Teil der Bemühungen einhalten werden...


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