Mittwoch, 9. Juli 2014

Mysteriöse Erdwerke im Amazonas sind älter als der Regenwald


Kreisförmiges Erdwerk nahe Laguna Granja im Amazonasgebiet des nordöstlichen Boliviens. | Copyright/Quelle: reading.ac.uk

Reading (England) - Weitflächige Rodungen haben es offen gelegt: quadratische, gerade Linien und ringförmige Gräben und Erdwerke prägen den bolivianischen und brasilianischen Amazonas und sind - das zeigt eine neue Untersuchung der künstlichen Strukturen - älter als der Regenwald selbst. Wozu die Anlagen einst errichtet wurden ist bis heute unbekannt. Die Erkenntnis wirft die Frage auf, wie stark die Ureinwohner die Amazonas-Landschaft schon vor der Ankunft der Europäer prägten und zeichnet ein neues Bild der frühen Amazonas-Kulturen und ihres Lebensraums.

Wie das Team um Dr. John Carson von der University of Reading aktuell im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS; DOI: 10.1073/pnas.1321770111) berichtet, ging man bislang davon aus, dass der heutige Regenwald urzeitlicher Herkunft und ungestörte Wildnis war. Doch durch unfangreiche Rodungen traten in den vergangenen Jahren hunderte von künstlichen Bodenstrukturen unter dem dichten Dschungel zutage.


Während zunächst vermutet wurde, dass diese Strukturen von den Ureinwohnern durch großflächige Rodungen des lange schon vorhandenen Regenwaldes angelegt wurden, sprechen die neusten Untersuchungen nun für ein drittes Szenario.


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Anhand von Kernbohrungen und der Datierung darin eingeschlossener Pollen und weiterer Partikel konnten die Forscher nun ein Bild der Veränderungen des lokalen und regionalen Ökosystems während der vergangenen 6.000 Jahre zu zeichnen.


Dieses Bild legt nahe, dass die Amazonasbewohner vor 2.500 bis 500 Jahren keine Sammler und Jäger oder großflächige Regenwaldfäller sondern Bauern waren, die natürlich offene, savannenartige Landschaften nutzen, Getreide anbauten und monumentale Erdwerke herstellten.


Erst als zwischen dem Jahre 0 und 300 das Klima deutlich feuchter wurde und sich der Regenwald südwärts ausbreitete, begannen die Menschen mittels Rodungen ihr Land offen zu halten. Diese Anstrengungen dauerten bis ins Jahre 1500 an, als die indigene Bevölkerung hauptsächlich durch die Ausbreitung der Europäer fast gänzlich ausgerottet wurde und so die dichte Vegetation schnell Überhand nehmen konnte.


"Unsere Erkenntnisse sind selbst für uns sehr erstaunlich. Wir sind nach Bolivien gegangen, um dort Hinweise auf die Getreidesorten der urzeitlichen Amerikaner zu finden und um ihren Einfluss auf den urzeitlichen Regenwald besser zu verstehen", erläutert Carson. "Was wir aber gefunden haben ist, dass die Ureinwohner nahezu keinen Effekt auf den Regenwald ausgeübt hatten, weil dieser erst sehr viel später entstand. Statt also große Flächen urzeitlichen Regenwaldes zu roden, nutzen die frühen Menschen im Amazonas die von Natur aus offene weitflächige Landschaft."


Die Größe der nun untersuchten Erdwerk-Anlagen deutet zudem daraufhin, dass es sich um vergleichsweise große Gemeinschaften gehandelt haben muss. Die Analysen der Forscher zeigen, dass sich diese Menschen von Mais und anderem Getreide ernährten, dazu Fische fingen, Enten und Flussschildkröten züchteten.


"Unsere Entdeckung hat wichtige Auswirkungen auf unser Verständnis des vergangenen Klimawandels und darüber, wie das Amazonasbecken auch auf neuzeitliche Rodungen reagiert", so die Forscher. "Unsere Analysen legen nahe, dass Amazonien weder eine unberührte Wildnis, noch von großflächigen frühzeitlichen Rodungen betroffen war."


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