Montag, 21. Juli 2014

Quadrupedie: Vierbeiniger Gang bei Menschen ist keine Rückwärts-Evolution


Standbild aus einem Testvideo zum Vierbeinigen Gang bei Menschen. | Copyright: Shapiro LJ, et al.

Austin (USA) - Vier Nachkommen einer in einer entlegenen Bergregion in der Türkei lebenden Familie gehen einzig und allein auf allen Vieren. 2005 untersuchten Wissenschaftler das ungewöhnliche Verhalten der Geschwister. Nachdem zunächst vermutet wurde, dass es sich um einen Fall von rückwärtsgerichteter Evolution handeln könnte, bestätigen neue Untersuchungen nun, dass der vierbeinige Gang der am Uner-Tan-Syndrom (UTS) leidenden Geschwister nichts mit den Eigenschaften des natürlichen vierbeinigen Gangs von Primaten zu tun hat.

Wie die Anthropologin Liza Shaprio von der University of Texas aktuell im Fachjounral "PLoS One" berichtet, gehen Menschen mit dem Uner-Tan-Syndrom nicht in gleicher diagonal ausgerichteter Schrittfolge auf allen Vieren wie dies menschenartige Primaten tun.


Zuvor hatte der Mediziner Uner-Tan von der türkischen Cukurova Universität vermutet, dass Menschen mit dem nach ihm benannten Syndrom Beispiele für eine rückwärtige Evolution bzw. "Devolution" seien, anhand derer sich wichtige Rückschlüsse über die Entstehung des menschlichen Aufrechten Gangs ziehen ließen und mit dieser Theorie zugleich eine heftige Kontroverse unter Experten ausgelöst.


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Während frühere Theorien, die dieser Sicht widersprachen, lediglich vermutet hatten, dass der vierbeinige Gang nur eine Anpassung der Betroffenen auf ihre Unfähigkeit aufrecht und auf zwei Beinen zu gehen sei, kann Shapiro nun zeigen, dass der Gang der vier Geschwister nichts mit der Fortbewegung von nichtmenschlichen Primaten gemein hat.

In ihrer aktuellen Studie haben die Forscher um Shapiro 518 vierbeinige Gangarten von Menschen mit UTS analysiert, darunter auch die der vier Geschwister, deren Schicksal 2006 in der BBC2-Dokumentation "The Family That Walks on Four" festgehalten wurde (s.Video). Diese haben sie dann mit den Trittmustern gesunder Erwachsener verglichen, die zu Kontrollzwecken gebeten wurden, auf allen Vieren zu gehen.


- Ein Video dieser Versuche sehen Sie HIER


In 98 Prozent der analysierten Fälle liefen die Personen in einer quer angeordneten und ablaufenden Sequenz, setzten also immer jeweils einen Fuß und dann die Hand der gleichen Körperseite nacheinander auf.


Menschenaffen und andere nichtmenschliche Primaten hingegen bewegen sich in einer diagonalen Sequenz - setzten also zunächst einen Fuß der einen Körperhälfte und dann die Hand der anderen Körperhälfte auf, usw.


"Auch wenn der 'vierbeinige' Gang von Menschen mit UTS ungewöhnlich erscheint, so entspricht er doch genau der Art und Weise zu gehen, mit der sich auch gesunde Menschen auf allen Vieren fortbewegen würden. Somit ist er alles andere als ungewöhnlich", so Shapiro.


"Wir können also zeigen, dass sowohl die Art und Weise von Quadrupedie bei gesunden Menschen wie auch bei Personen mit einer körperlichen Behinderung alleine das Ergebnis biomechanischer Prinzipien und nicht das evolutiver Entwicklungen sind."


Die BBC-Dokumentation "The Family That Walks on Four"


Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten

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Quelle: utexas.edu
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