Montag, 7. Juli 2014

SETI: Neue Wege bei der Suche nach außerirdischer Intelligenz


Das Radioteleskop von Arecibo. | Copyright: Public Domain

Mountain View (USA) - Mit zwei neuen Projekten wollen US-Astronomen ihre Suche nach Signalen außerirdischer Intelligenzen zukünftig ausweiten. Während die eine Methode mit multiplen Teleskopen 30 sonnennahe Sterne gezielt ins Visier nehmen wird, sucht ein anderes Programm nach Hinweisen auf Kommunikationen ferner Planeten untereinander.

Wie Dan Wertheimer, Director des Berkley SETI Research Center auf dem "The Future is Here"-Festival des "Smithsonian Magazine" berichtete (s.Video), sucht "Panchromatic SETI" mit multiplen Teleskopen 30 sonnennahe Sterne in allen nur erdenklichen Wellenspektren nach starken intelligenten Signalen ab, während ein das der "Interplanetary Eavesdropping" (interplanetarer Lauschangriff) gezielt nach Signalen und Botschaften sucht, die zwischen fernen Kepler-Planeten untereinander ausgetauscht werden.


Grundvoraussetzung auch dieser neuen SETI-Projekte ist die Hoffnung, dass genau wie unsere Zivilisation in Form von Funk- Radio und TV- und anderen Signalen auch andere Zivilisationen ihre Existenz aufgrund entsprechender Technologien unbeabsichtigt verraten - selbst dann, wenn diese keine gezielten Botschaften ins All oder gar Richtung Erde senden.


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"Mit dem Panchromatic-SETI-Projekt werfen wir alles was wir haben in die Waagschale", so Wertheimer. Ziel der Suche ist eine Auswahl von 30 sonnennahen Sternen in einem Sonnenabstand von maximal 5 Parsec (16 Lichtjahren). Wie "Space.com" berichtet, befinden sich darunter 13 Einzelsterne, sieben Binärsysteme und ein Dreifach-Sternensystem. Während es sich bei den meisten der anvisierten Sternen um Sterne handelt, die kleiner sind als unsere Sonne, werden auch zwei weiße Zwergsterne und ein Stern der mittleren Spektralklasse F angepeilt. Um sich schon vorab des Vorwurf zu entziehen, man würde nur Systeme absuchen, in dem man potentiell erdähnliche Planeten vermutet, gilt als einziges Auswahlkriterium der anvisierten Ziele ihr Abstand von unserer Sonne.


Schon im kommenden Spätsommer sollen zunächst das europäische LOFAR-Antennennetzwerk und das Green Bank Telesope in West Virginia in den USA zum Einsatz kommen. Kurze Zeit später sollen sich dann auch das Infrared Spatial Interferometer (ISI) am Mount Wilson Observatory und das Nickel Telescope des Lick Observatory in Kalifornien am Lauschangriff beteiligen. Mit dem Nickel Telescope wird sich dann auch erstmal ein im nahen Infrarotbereich wirkendes Teleskop an der Suche nach außerirdischer Intelligenz beteiligen. In Planung ist derzeit auch noch eine Beteiligung des William E. Gordon Telescope am Arecibo Observatory auf Puerto Rico und das Keck Telscope auf den Mauna Kea auf Hawaii.


Die vergleichsweise nahe Distanz der im Rahmen der Panchromatic-Suche anvisierten Sterne und ihrer potentiellen Planetensysteme könne davon ausgegangen werden, dass potentielle Zivilisationen nicht wesentlich weiter entwickelt wären als wir selbst: "Wir sollten also in der Lage sein, Signale ihrer Technologie zu entdecken und auch als solche zu erkennen", so Siemion.


Der "interplanetare Lauschangriff" nimmt hingegen jeweils zwei oder mehr Planeten ins Visier, die während ihrer jeweiligen Umläufe um einen fernen Stern, gemeinsam mit der Erde auf einer Ebene liegend in wiederkehrenden Abständen eine Linie bilden.


"Wenn es also auf einem dieser fernen Planeten einen Zivilisation gibt, die einen anderen Planeten in diesem System erkundet, so sollte es bei jeweiligen Planetenstellungen möglich sein, die in Richtung Erde ausgehende Laser- oder Radiokommunikation zwischen dem Heimatplaneten und Sonden oder bemannten Stationen auf dem zu erkundenden Planeten aufzufangen", so die SETI-Astronomen.



Schematisches Schaubild des Konzepts des "Interplanetary Eavesdropping". | Copyright/Quelle: seti.berkeley.edu / smithsonianmag.com

Bislang konnten 75 in Frage kommende Konjunktionen in fernen multiplen Planetensystemen mit dem Green Bank Telescope entdeckt werden. Bei ihrer Suche nach derartiger Kommunikation wollen sich die Astronomen allerdings auf jene Radiofrequenzspektren konzentrieren, wie sie auch bei der Kommunikationen mit irdischen Planetensonden - etwa von Deep Space Network der NASA - zum Einsatz kommt. "Wenn also auch Außerirdische ihre Kommunikation mit vergleichbarer Technologie und Stärke einsetzten, sollten wir diese 'hören' können", so Siemion.


Allerdings geben die Wissenschaftler schon jetzt zu bedenken, dass der Nachweis entsprechender Kommunikation nicht gleich bedeutend mit einem Verständnis der Bedeutung dieser Informationen sei. So werde beispielsweise schon nicht unterschieden werden können, ob es sich bei der abgehörten Kommunikation um die mit einem Rover oder einem bemannten Außenposten handelt. An der Bedeutung einer solchen Entdeckung allgemein würde dies jedoch nicht viel ändern.


Es sei jedoch wahrscheinlicher, ein starkes Signal zu finden, als Signale von der Stärke etwa unserer Radio- und TV-Übertragungen. Die Forscher um Siemion gehen deshalb auch davon aus, dass man wahrscheinlich eher ein Signal nach dem Vorbild des "Space Detection and Tracking System" (Space Fence) finden könne, mit dem die U.S. Air Force mit hochfrequenten Radarwellen nach Weltraumschrott im Erdorbit fahndet.


Das Hauptproblem ist aber auch bei den neuen Suchmethoden die ungeheure Distanz, schließlich erhöht sich die Energiestärke, wie sie benötigt wird, um auch in weiter ferne entdeckt werden zu können zum Quadrat der jeweiligen Entfernung zwischen Sender und Empfänger. "Ein Sender in rund 150 Lichtjahren Entfernung müsste also 100 mal stärker sein als ein Sender in nur 15 Lichtjahren Distanz."

Die meisten für den großen "Lauschangriff" in Frage kommenden Planetensysteme, wie sie auch vom Weltraumteleskop Kepler entdeckt und schon untersucht wurden, liegen genau derart weit entfernt, dass es wohl schwer werden wird, von dort stammende Signale zur Kommunikation zwischen Planeten zu entdecken.


"Sollte eine Zivilisation auf diesen Planeten jedoch ein Teleskop wie das von Arecibo auf Puerto Rico betreiben, so wären die Chancen wiederum recht hoch, dass wir dessen Signale auch finden würden", so Siemion.


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Quelle: seti.berkeley.edu, smithsonianmag.com, space.com
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