Mittwoch, 2. Juli 2014

Studie: Nahtoderlebnisse gleichen sich mehrheitlich


Symbolbild: Detail aus "Der Flug zum Himmel" (Hieronymus Bosch, etwa 1500). | Copyright: gemeinfrei

Liège (Belgien) - Das Ergebnis einer aktuellen und erstmaligen Studie darüber, wie unterschiedliche Ursachen von Traumata den Inhalt von sogenannten Nahtoderfahrungen beeinflusst belegt, dass unabhängig davon, welche schmerzhaften Ereignisse zu der Nahtoderfahrung geführt haben, sich Inhalte dieser Erlebnisse mehrheitlich gleichen. Das Ergebnis spricht gegen einen der populärsten rationalen Erklärungsversuche für derartige Erfahrungen.

Nahtoderfahrungen werden oft von Menschen beschrieben, die nach einem schweren Unfall wiederbelebt wurden oder sogar schon als klinisch tot galten. Entsprechende Patienten beschreiben dabei nicht nur, das Empfinden, sich aus ihrem physischen Körper heraus gelöst zu haben (außerkörperliche Wahrnehmung), sondern auch - begleitet von starken Emotionen - sich auf ein helles Licht zu bewegt und hier bereits verstorbene Freunde und Familienmitglieder getroffen zu haben, bevor sie wieder ins Leben zurückgeschickt wurden.


Wie die Forscher um den Neurowissenschaftler Steven Laureys von der Université de Liège aktuelle im Fachjournal "Frontiers in Human Neuroscience", (DOI: 10.3389/fnhum.2014.00203) berichten, basiert die Studie zunächst auf der Annahme, dass Nahtoderfahrungen auf einem Mangel an Sauerstoff im Hirn zurückgeführt werden können, wodurch Hirnareale zur Steuerung von Emotionen beschädigt wurden.


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"Bei dieser Annahme handelt es sich um die gängigste Erklärungstheorie für Nahtoderfahrungen", erläutert der Forscher. Sollte sie zutreffen, so wäre anzunehmen, dass unterschiedliche Traumata - ausgelöst etwa durch Ertrinken oder andere Unfallursachen - auch zu unterschiedlichen Wahrnehmungen während der so ausgelösten Nahtoderfahrungen führen."


In ihrer Studie haben die Forscher nun 190 dokumentierte Fälle beschriebener Nahtoderfahungen als Folge unterschiedlichster Traumata untersucht und miteinander verglichen. Trotz der unterschiedlichen Auslöser und Stimuli fanden die Wissenschaftler jedoch erstaunlich weit verbreitete Übereinstimmungen und Ähnlichkeiten in den Schilderungen der Zeugen.


Laut Laureys und Kollegen sei das in den meisten Fällen übereinstimmend beschriebene Merkmal einer Nahtoderfahrungen, das "überwältigende Gefühl von Friedlichkeit" - gefolgt von außerkörperlichen Wahrnehmungen. Viele Betroffene beschrieben zudem auch eine Veränderungen ihrer Zeitwahrnehmung.


Insgesamt fanden sich unter den 190 untersuchten Fällen nur sehr wenige Erfahrungen, die als negativ empfunden und so beschrieben wurden. "Wie es scheint, ist es gar nicht so schlecht, eine Sterbe-Erfahung zu machen", zitiert der "New Scientist" den Forscher.


Interessanterweise beschrieben auch nur die wenigsten der Zeugen, klischeehafte Vorstellung von Nahtoderfahrungen, wie sie etwa in Kinofilmen dargestellt werden - beispielsweise, dass das eigene Leben noch einmal vor dem inneren Auge abläuft.


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Derzeit sucht Laureys Team nach einem Weg, entsprechende Erlebnisse objektiv messen zu können. Hierzu fahnden die Forscher im Hirn von Herzstillstands-Patienten, die von einer Nahtoderfahrung berichtet haben, nach kleinen Narben, die eine Folgeerscheinung des Ereignisses sein könnten.

Während sich der Forscher über die Schwierigkeiten der Untersuchung derart subjektiver Erfahrungen bewusst ist, ist er darum bemüht, sich dem Thema unvoreingenommen zu nähern: "Wir müssen anerkennen, dass es noch so viele Dinge gibt, die wir noch nicht verstehen. Gerade deswegen ist es aber auch notwendig, die besten wissenschaftlichen Methoden für deren Erforschung anzuwenden." Die aktuelle Studie und Bemühungen bezeichnet er als einen ersten Schritt in dem Bemühen um ein besseres Verständnis unseres Bewusstseins.


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Quelle: newscientist.com
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