Donnerstag, 3. Juli 2014

Verborgener Wasserozean auf Saturnmond Titan könnte stark salzhaltig sein


Grafisches Modell des Aufbaus des Saturnmondes Titan (Illu.).
| Copyright: NASA/JPL -Caltech/SSI/Univ. of Arizona/G. Mitri/University of Nantes


Nantes (Frankreich) - Anhand der Daten der Saturn-Sonde "Cassini" sind sich Wissenschaftler mittlerweile sicher, dass auch unter der Oberfläche des größten Saturnmondes Titan ein globaler flüssiger Wasserozean verborgen liegt. Dieser - das zeigen neuen Analysen der Daten - könnte so salzhaltig wie das Wasser des Toten Meeres sein. Während nicht ausgeschlossen werden kann, dass dieser Ozean in früheren Zeiten, als der Salzgehalt noch deutlich geringer war, Leben hervorgebracht haben könnte, schwächt die neue Erkenntnis Hoffnungen darauf, auch heute noch außerirdische Lebensformen darin gefunden werden können.

Wie die Forscher um Giuseppe Mitri von der Université de Nantes und Jonathan Lunine von der Cornell University aktuell im Fachjournal "Icarus" (DOI: 10.1016/j.icarus.2014.03.018) berichten, wird der Ozean von einem Eismantel bedeckt, der zusehends steifer wird und offenbar im Begriff ist gänzlich einzufrieren.


Auf der Grundlage der Schwerkraftdaten gehen die Forscher davon aus, dass das Wasser des darunter liegenden Ozeans mittlerweile so stark salzhaltig, dass es mit jener Lake zu vergleichen ist, die das irdische Tote Meer bildet.


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"Nach irdischen Standards ist das also ein wirklich sehr salzhaltiger Ozean", erläutert Mitri. "Diesen Umstand vorausgesetzt, verändert diese Erkenntnis die Art und Weise, wie wir bislang über diesen Ozean als mögliche Heimstätte für Leben spekuliert haben. Früher könnten die Bedingungen jedoch sehr viel anders ausgesehen haben."


Anhand der Cassini-Daten lasse sich auch ablesen, dass die Dicke der Eiskruste an verschiedenen Orten variiert, so die Forscher weiter. Dieser Umstand könne dadurch erklärt werden, dass der gesamte Ozean nach und nach kristallisiert und zu Eis gefriert, da andernfalls die Eiskruste sich - vergleichbar mit warmen Kerzenwachs – nach und nach glätten würde.


Auch dieser Einfrierungsprozess könnte bedeutende Auswirkungen auf die Lebensfreundlichkeit des Titan-Ozeans haben, da so die Fähigkeit zum Materialaustausch zwischen Ozean und Oberfläche eingeschränkt wird.


Als weitere Konsequenz für einen festen Eismantel vermuten die Forscher, dass jegliche Ausgasungen von Methan in die Titan-Atmosphäre nur an sogenannten "hot spots" geschieht. "Das Titan-Methan scheint nicht das Ergebnis von Konvektion oder Plattentektonik zu sein, die die Eisschicht selbst recycelt."


Wie das Methan in die Atmosphäre des Saturnmondes gelangt, ist eine schon lange unter Forschern vieldiskutierte Frage. Da die Moleküle des Gases schon vom Sonnenlicht in geologisch kurzen Zeiträumen aufgebrochen werden - die Titan-Atmosphäre jedoch stetig aus rund fünf Prozent Methan besteht - bedarf es einem wie auch immer gearteten Nachschub des Gases aus dem Innern des Planeten.


Die Autoren der aktuellen Studie vermuten, dass ganz gleich welche Prozesse den Methangehalt der Titan-Atmosphäre auffüllen, diese lokal begrenzt und periodisch ablaufen: "Unsere Arbeit legt nahe, dass es schwer sein wird, Anzeichen für die Methan-Ausgasung mit Hilfe von Cassini zu finden. Wahrscheinlich bedarf es einer zukünftigen neuen Mission, um die Methanquellen auf Titan lokalisieren zu können."


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Quelle: NASA/JPL
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