Donnerstag, 28. August 2014

Archäologe identifiziert neolithische Sternkarte von Tal-Qadi im Nationalmuseum auf Malta


Bislang unerkannte maltesische Sternkarte aus der Jungsteinzeit? | Copyright: D. Cilia, Malta Heritage

Valetta (Malta) - Bislang unerkannt, birgt das National Museum of Archaeology in Valletta auf Malta Vitrine 21 eine gerade einmal postkartengroße Besonderheit aus der Jungsteinzeit: Auf einer Kaltsteinplatte sind Geraden, Sterne und eine halbmondförmige Figur eingeritzt. Jetzt hat ein deutscher Archäologe die Darstellungen auf dieser Platte als Sternkarte identifiziert, die den Himmel etwa 2.500 v. Chr. zeigt, wie er sich vermutlich priesterlichen Beobachtern beim Blick aus dem Tempel von Tal-Quadi gezeigt hatte.

Die Platte selbst wurde auf dem Gelände des Tempels Tal-Qadi gefunden, eine Grabungsstätte, die etwa 0,5 km südlich von Bugibba an der Straße nach Burmarrad (Triq Burmarrad) liegt. Der in der Zeit 3300- 3000 v. Chr. erbaute Tempel war bis zum Ende der Tarxien-Phase (2500 v. Chr.) von Bedeutung. Nord- und Südtempel der Anlage bilden zusammen mit dem Kultgebäude eine konkave Front, die den wohl als Kultplatz dienenden Vorplatz wie mit geöffneten Armen umschließt.


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Für den Archäochemiker Dr. phil. Dr.-Ing. Peter Kurzmann, stellt die halbmondförmig geritzte Figur im mittleren Sektor der Kalksteinplatte den "Schlüssel zum Verständnis" der Abbildung dar: "Sie stellt keinen Halbmond dar, sondern die konkave Tempelfront des Tempels Tal-Qadi", so der Autor in seinem auf "Archäologie-Online.de" erschienenen ausführlichen Artikel. "Der gerade Strich vor ihr stellt die Grenze des vorgelagerten Kultplatzes dar, vielleicht auch eine Geländestufe oder eine Terrasse. Da die Tempelfront dem Steinplan zufolge genau nach Westen zeigt, kann man vom Ausgangspunkt der vier die Sektoren abteilenden Geraden aus die West-Ost-Orientierung der gesamten Zeichnung vornehmen. Die übrigen auf der Platte eingeritzten sternförmigen Zeichen werden als Sterne interpretiert, die am Himmel in West-Ost-Richtung zu sehen sind. Weiterhin ist anzunehmen, dass diese Zeichen auf der Platte in bestimmten Gruppierungen, die unseren Sternzeichen entsprechen, angeordnet sind."

In der Folge erläutert Kurzmann ausführlich seine astronomische Interpretation der sternförmigen Ritzungen und zeigt auf, dass diese eine "Ansicht des Himmels über Bugibba in west-östlicher Richtung" gegen 2500 v.Chr zeigen. Zu sehen sind demnach - mit "minimalen aber unerheblichen Abweichungen" - die Sternbilder Stier mit Plejaden und Perseus. "Weitere erkennbare Zeichen (Striche) sollen vielleicht andere, kleine Sterne andeuten", so Kurzmann weiter, allerdings seien diese nicht weiter zu erklären.



Skizze der Steinplatte mit vermuteten Zuweisungen. | Copyright/Quelle: P. Kurzmann, archaeologie-online.de


Die Sternbilder nach modernen Sternkarten. | Copyright/Quelle: P. Kurzmann nach Ridpath, Tirion, archaeologie-online.de

Für den Archäologen ist "das im vorliegenden Zusammenhang wichtigste Sternbild sicherlich das der Plejaden". Hierzu vermutet Kurzmann abschließend, "dass es sich um eine Anleitung zum Auffinden des Sternbildes der Plejaden am Himmel handelt, vielleicht als Schulungsgrundlage für den Priesternachwuchs, wie wir heute sagen würden. Es ist bekannt, dass die Plejaden in vielen Kulturen der nördlichen Hemisphäre als Basis für einen landwirtschaftlichen Kalender dienten."


Für Kurzmann vermittelt die Kalkplatte "einen beeindruckenden, erstaunlichen Eindruck von den astronomischen Kenntnissen der Neolithiker und ihrer Fähigkeit, die Bilder auch zu dokumentieren."


- Den ausführlichen und mit weiteren Darstellungen illustrierten Artikel finden Sie HIER


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Quelle: archaeologie-online.de, arche-kurzmann.de
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