Montag, 4. August 2014

Messergebnisse deuten auf Methanentgasung als Erklärung für sibirische Krater


Blick auf den noch immer rätselhaften Krater auf der Jamal-Halbinsel. | | Copyright/Quelle: Marya Zulinova, Press Service of the Governor YaNAO

Salekhard (Russland) - Seit Wochen schon sorgen mittlerweile drei rätselhafte Krateröffnungen im nordsibirischen Permafrostboden international für Interesse und Spekulationen darüber, was diese Krater geschlagen haben bzw. aus ihnen entstiegen sein könnte. Russische Wissenschaftler haben nun die ersten Ergebnisse einer Expedition zu dem ersten dieser Krater auf der Halbinsel Jamal veröffentlicht. Diese scheinen schon frühere Vermutung zu bestätigen, wonach es sich um das Ergebnis großer Methanentgasungen handelt, die durch das Auftauen des für gewöhnlich steinhart gefroren Bodens und des darin normalerweise gebundenen Methangases handelt.

Wie "Nature News" berichtet, gehen Andrej Plechanow vom Scientific Centre of Arctic Studies und Kollegen davon aus, dass sich, durch das Auftauen des Permafrostbodens, im Untergrund ansammelndes Methangas und dessen ab einem bestimmten Grenzwert plötzlich ereignende Freisetzung, die wahrscheinlichste Erklärung für die bislang rätselhaften Krater ist.


Ein Hinweis auf diese Erklärung ergaben Luftmessungen in der Tiefe des auf Jamal entdeckten Kraters, die am 16. Juli durchgeführt wurden und mit 9,6 % ungewöhnlich hohe Konzentrationen an Methan offenbarten. Der Normalwert liegt vor Ort bei 0,000179 %.


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Statt Raketen, einem Meteoriteneinschlag oder gar eine Hinterlassenschaft außerirdischer Besucher, machen die russischen Wissenschaftler die ungewöhnlich warmen Sommer von 2012 und 2013 für den Krater verantwortlich, in denen die Durchschnittstemperatur um 5 Grad Celsius über den früheren Temperaturen lag.

Hierdurch, so die Forscher, sei der Permafrost getaut, in sich zusammengesackt und habe dabei das Methan freigesetzt, das bis dahin im eisigen Boden gebunden war.


Andere , wie etwa Hans-Wolfgang Hubberten, vom Alfred Wegener Institut in Potsdam vermuten, dass die langjährige globale Erwärmung schuld für das Freisetzen des Methans im Permafrost sei und dass auch langsame und stetige Tauprozesse in der Region genügend Methan freigesetzt haben könnten, um zu einem Ausbruch und besagten Kratern zu führen. Sie verweisen auf Messungen die zeigen, dass die Temperatur der Permafrostböden in einer Tiefe von 20 Metern in den vergangenen 20 Jahren um etwa 2 Grad Celsius aufgrund ebenfalls gestiegener Lufttemperaturen angestiegen sei.


Hubberten vermutet, dass eine dicke Eisschicht im Oberflächenboden das Entweichen des durch die Tauprozesse des Permafrost gelösten Gases im Untergrund zunächst verhindert habe, dass der Druck aus dem Untergrund jedoch irgendwann zu groß wurde und sich das Gas in einer mächtigen Auspressung seinen Weg gebahnt und so den Krater erzeugt habe. Der Wissenschaftler selbst gesteht zugleich aber auch ein, dass er nie zuvor einen mit dem Jamal-Krater vergleichbaren Krater gesehen habe.



Blick in den zweiten Krater nahe Antipayuta. | Copyright: Press Service of the Governor YaNAO

Die Forscher vermuten nun, dass aufgrund der Erwärmung Krater wie dieser zukünftig wohl öfter in den Permafrostregionen entstehen und gefunden werden.


Tatsächlich ist bekannt, dass im sibirischen Permafrost gewaltige Methangashydrat-Lager befinden. Während Methan bei bestimmten Minustemperaturen in den Permafrostböden stabil und in gefrorenem Zustand gebunden wird, führt das Auftauen des Permafrost zur Freisetzung des Gases.


Normalerweise ereignen sich solche Entgasungen der Hydrate in Tiefen von mindestens 100 Metern. Die genaue Tiefe der sibirischen Krater ist bislang jedoch noch unbekannt. Bei einem Versuch, eine Kamera an einem 50 Meter langen Seil zum Grund des Jamal-Kraters hinabzulassen, wurde kein Grund erreicht. Anhand von Filmaufnahmen, die am Grunde des Kraters einem einen kleinen Schmelzsee zeigen (...wir berichteten), vermuten einige Wissenschaftler jedoch, dass der Krater rund 70 Meter tief sein könnte.


Flug über den Jamal-Krater

Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten

Jetzt, so erläutert Plechanow, sei eine weitere Expedition notwendig, um durch weitere Methanmessungen auch in den Kraterwänden, die genaue Ursache für den Krater bestimmen zu können.


Der Fund eines weiteren Kraters in der Nähe der bekannten großen Gasfelder von Bovanenkovskoje sorgt unter Experten für Befürchtungen, dass ähnliche Entgasungen zu verheerenden Unfällen führen könnte, wenn sich etwa eine solche Entgasung innerhalb eines Dorfes oder eine industriellen Anlage ereignen würde.


Um einem solchen Szenario zu entgehen, schlagen dir Forscher nun Probebohrungen in den Permafrost vor: "Wenn wir wissen, wo solche Ansammlungen stattfinden, so könnte es gelingen, den sich aufbauenden Druck abzubauen und dann vielleicht sogar das so entweichende Gas zu nutzen", so der Permafrost-Experte Larry Hinzman von der University of Alaska in Fairbanks abschließend.


WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

Nach erster Expedition: Krater in Sibirien bleibt rätselhaft 25. Juli 2014
Zwei weitere Krater in Sibirien entdeckt 29. Juli 2014

grenzwissenschaft-aktuell.de
Quelle: nature.com
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE