Mittwoch, 6. August 2014

Mysteriöse Röntgensignale aus Galaxienhaufen: "Intelligente Botschaften als Erklärung eher unwahrscheinlich"


Das mysteriöse Signal in den Chandra-Rötgendaten des Perseushaufens. | Copyright: Bulbul et al., NASA, Harvard Center for Astrophysics

Saarbrücken (Deutschland) - Mit dem NASA-Weltraum-Röntgenobservatorium "Chandra" haben Astronomen sowohl in zahlreichen Galaxienhaufen als auch in der Andromeda-Galaxie ein bislang unerklärbares Signal geortet. Warum die Wissenschaftler eher an ein natürliches Phänomen glauben und eine intelligente außerirdische Botschaften als Erklärung für unwahrscheinlich halten, erläutert die Entdeckerin der Signale exklusiv im Kurzinterview mit "grenzwissenschaft-aktuell.de".

"Als ich dieses Signal in den Chandra-Daten sah, konnte ich meinen Augen kaum glauben. Was wir hier gefunden haben, kann auf den ersten Blick nicht mit bislang bekannter Physik erklärt werden", so Dr. Esra Bulbul vom Harvard Center for Astrophysics über ihre Entdeckung (...wir berichteten).


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Dennoch vermutet die Wissenschaftlerin eher ein noch unbekanntes natürliches Phänomen hinter der mittlerweile in zahlreichen Galaxienhaufen entdeckten Signal-Linie bei 3.56 keV (Kiloelektronenvolt) und weniger eine intelligente Botschaft außerirdischer Zivilisationen.

Dr. Esra Bulbul | Copyright/Quelle: E.Bulbul

"Der Grund hierfür ist, dass wir dieses Signal zunähst zwar nur im Perseushaufen, dann aber ebenfalls in zahlreichen anderen Galaxienhaufen entdeckt haben. Mittlerweile haben wir es in 73 weiteren Galaxienhaufen sowie in der Andromeda-Galaxie geortet. Vor diesem Hintergrund scheint es mir unwahrscheinlich, dass alle diese gleichen Signale an so vielen unterschiedlichen Orten im Universum von intelligenten Zivilisationen erzeugt und ausgesandt werden. Die Vielzahl der Ortungen - und es ist zu vermuten, dass sich das Signal noch an vielen weiteren Orten findet - spricht eher für eine natürliche, wenn auch bislang unbekannte Quelle."


Was diese Quelle sein könnte, darüber wird derzeit heftig diskutiert. Eine gerade von theoretischen Physikern favorisierte Theorie geht davon aus, dass Dunkle Materie für die Signale verantwortlich sein könnte.


"Die Signal-Linie könnte etwa von heißem Plasma ausgehen, das den Raum zwischen den Galaxien in solchen Galaxienhaufen füllt", so Bulbul gegenüber "grenzwissenschaft-aktuell.de" und führt weiter aus: "Eine andere Möglichkeit war zunächst die, dass es sich um eine Messfehler oder ein sonstiges Hintergrundphänomen handelt. Um die erste Möglichkeit (Plasma) auszuschließen, haben wir eine ganze Reihe möglicher astrophysikalischer Prozesse in Betracht gezogen, die ein solches Signale erzeugen könnten und unsere Daten daraufhin sorgfältig überprüft. Keine dieser Möglichkeiten konnte aber unsere Linie bei 3,55 keV erklären.


Die zweite Möglichkeit auszuschließen, war dann schon etwas schwieriger. Hierzu haben wir uns dann die Röntgenuntersuchungen von 73 weiteren, unterschiedlich entfernten Galaxiehaufen mit unterschiedlichen Instrumenten angesehen, da diese Methode jeglichen technischen Messfehler beim Chandra-Weltraumteleskop selbst und Hintergrundeffekt ausschließt – und wir wurden fündig.


Da wir nun alle diese Option ausschließen können, bleibt Dunkle Materie als einzige Erklärungsmöglichkeit bestehen."



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