Sonntag, 7. September 2014

Ältester christlicher Talisman entdeckt


Der "Abendmahl-Talisman". | Copyright: University of Manchester, manchester.ac.uk


Manchester (England) - In den Archiven der Bibliothek der John Rylands Library der University of Manchester wurde ein 1.500 Jahre alter Papyrus entdeckt, bei dem es sich um die bislang früheste Beschreibung des Letzten Abendmahls im Kontext eines Talismans handelt. Somit handelt es sich um den frühesten Beleg dafür, die die frühen Christen die altägyptischen Tradition magischer Talismane und Segenssprüche übernommen haben.

"Es handelt sich um das früheste noch erhaltenen Dokument, dass die christliche Eucharistieliturgie, also den Ablauf des Letzten Abendmahls und "Manna des Himmels" im Kontext einer Art Schutzzaubers beschreibt", so die Wiederentdeckerin des Papyrus Dr. Roberta Mazza.


Entdeckt hatte Mazza den antiken, griechischen Papyrus im Rahmen ihrer Aufarbeitung tausender bislang unveröffentlichter Papyrusfragmente im Archiv der Bibliothek. Das Papyrusfragment selbst befindet sich schon seit 1901 unerkannt in Besitz der Rylands Library.



www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Laut Mazza wirft das magische Amulett ein wichtiges Licht auf das frühe Christentum, stammt es doch aus einer Zeit, gerade einmal 300 Jahre nachdem Kaiser Konstantin das Christentum zur Staatsreligion erhoben hatte.

"Der Papyrus zeigt, wie die Christen den altägyptischen Brauch übernommen hatten, Amulette zu tragen, die den Träger vor Schaden und Gefahren bewahren sollten", erläutert Mazza. "Bei diesen Amuletten handelte es sich um Stücke aus Papyrus, auf denen Zauber- Segenssprüche und Gebete notiert wurden. Die frühen Christen haben die ägyptischen Zaubersprüche, die sich an altägyptische und griechisch-römische Götter wendeten, durch Auszüge aus der Bibel ersetzt.


Der Umstand, dass der christliche Talisman-Text auf der Rückseite eines Fragments eines Getreidesteuerbelegs notiert wurde, ermöglicht eine Zuordnung der Herkunft des Papyrus in das Dorf Tertembuthis vor den Toren der antiken ägyptischen Stadt Hermopolis Magna, in der Nähe des heutigen el-Aschmunein.


"Der Hersteller dieses Amuletts hat den Text auf die Rückseite eines Stückes dieses Belegs geschrieben und dieses Stück dann so gefaltet, dass es in einem Medaillon oder einem Anhänger getragen werden konnte", so die Forscherin weiter. "Dies ist eine wichtige und zugleich unerwartete Entdeckung, da es sich um das früheste Dokument handelt, das die Verwendung von Magie im christlichen Kontext aufzeigt. Es ist zugleich der erste und älteste Talisman überhaupt, der Bezug zum letzten Abendmahl und damit zur christlichen Eucharistie und zum alttestamentarischen Manna nimmt."


"Bis heute verwenden Christen immer noch Bibelzitate als Schutzsprüche. Das nun vorliegende Amulett könnte also den Beginn dieser 'christlichen Tradition' markieren", so Mazza. "Obwohl wir eigentlich kaum etwas über den Besitzer bzw. Träger des Amuletts wissen, glauben wir doch, dass es einem Bewohner des Dorfes unweit von Hermopolis Magna gehört haben könnte. Darüber hinaus können wir sagen, dass es sich um ein wirklich seltenes Beispiel dafür handelt, wie bedeutend das Christentum und die Bibel schon zur damaligen Zeit nicht nur für Priester und die Elite, sondern auch für die einfachen Leute geworden war."


Zum Thema

Ebenso merkt die Wissenschaftlerin an, dass der Hersteller des Amuletts die Bibel zwar kannte, dass ihm aber dennoch eine Vielzahl von Fehlern unterliefen: "Einige Worte sind falsch geschrieben und andere sind in der falschen Abfolge notiert. Dieser Umstand legt nahe, dass es sich nicht um eine Abschrift sondern um einen eher frei an der Quelle formulierten Text handelt."

"Dank dieser Entdeckung wissen wir nun, dass das Wissen über die Bibel im sechsten Jahrhundert sehr viel mehr verbreitet und in der ägyptischen Gesellschaft verankert war als man dies bislang vermutet hatte.


WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

1.200 Jahre alte, neuentzifferte frühkoptische Apokryphe beschreibt Jesus als Formwandler und gemeinsames letztes Abendmahl mit Pontius Pilatus statt mit Aposteln 14. März 2013

Altersbestimmung: "Evangelium der Ehefrau Jesu" ist keine Fälschung 11. April 2014
Münsteraner Altertumsforscher halten "Ehefrau Jesu"-Papyrus für eine "unglaubliche Fälschung" 10. Mai 2014

grenzwissenschaft-aktuell.de
Quelle: manchester.ac.uk
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE