Freitag, 19. September 2014

Wachkomapatienten zeigen gleiche Hirnaktivität beim Betrachten eines Hitchcock-Thrillers wie gesunde Probanden


Symbolbild: Patient. | Copyright/Quelle: NHS.uk

London (Kanada) - Hirnscans von Wachkoma-Patienten zeigen, dass sich deren Hirnaktivität während des Betrachtens einer Zusammenfassung eines Hitchcock-Thrillers kaum von der gesunder Menschen unterscheidet. Für die das Experiment leitenden Wissenschaftler ist dies ein Beleg dafür, dass der Film einen messbaren und bewussten Einfluss auf den Patienten hatte.

Wie das Team um die Neurowissenschaftler Lorina Naci und Adrian Owen von der University of Western Ontario aktuell im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" (DOI: 10.1073/pnas.1407007111) berichtet, wurde neben den Wachkomapatienten auch einem Dutzend freiwilliger gesunder Probanden eine 8-minütige Zusammenfassung eines Hitchcock-Films gezeigt, während sie sich in einem MRT-Scanner befanden und so ihre Hirnaktivität aufgezeichnet werden konnte.


Nicht nur alle 12 gesunden Probanden sondern auch einige der Wachkomapatienten zeigten währen dieser Untersuchungen ähnliche Aktivitätsmuster in Bereichen des Gehirns , die für höhere kognitive Aufgaben verantwortlich sind, sowie in Regionen, die mit der Verarbeitung sensorischer Eindrücke assoziiert werden.


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Während die Ergebnisse bei einem seit 16 Jahren im Wachkoma lebenden Patienten auf erstaunlicher Weise den Hirnaktivitäten gesunder Probanden entsprachen, zeigten Untersuchungen mit anderen Wachkomapatienten zwar weniger starke Übereinstimmungen, aber dennoch weiterhin veränderte Hirnaktivitätsmuster. Auch diese Muster waren von denen vergleichbarer Aktivitäten bei gesunden Probanden kaum zu unterscheiden: "Tatsächlich war anhand der Scans nicht zu unterscheiden, ob wir die Hirnaktivität eines Patienten oder eines Probanden betrachteten", so Owen.

Schon 2006 sorgte der Wissenschaftler für Aufsehen als er zeigen konnte, dass eine 23-jährige Wachkomapatientin bewusste Hirnaktivität aufwies: Obwohl die junge Frau auf den ersten Blick reaktions- und reglos war und nicht mit ihrer Umwelt zu interagieren schien, zeigte sich immer dann Aktivität in für Bewegung zuständigen Hirnregionen, wenn Owen sie dazu aufforderte sich vorzustellen, Tennis zu spielen. Auch hier war die Hirnaktivität die gleiche wie bei gesunden Menschen, denen die gleiche Aufgabe gestellt worden war.


Zwar heben die Forscher selbst hervor, dass gleiche Hirnaktivität nicht automatisch mit gleichen Gedanken während der Betrachtung der Filme interpretiert werden dürften, doch scheine es schon so, dass einige Wahrnehmungsaspekte gleich ablaufen. So waren etwa die Aktivitätsmuster in Situationen, in denen die Spannungshandlung des Films vorhersehbar war sowohl bei einigen Patienten als auch bei den Probanden nahezu gleich.


Von der Entdeckung erhoffen sich die Neurowissenschaftler nun neue Methoden und Wege, wie es zukünftig möglich sein könnte, mit Patienten, die nicht mehr auf normalem Wege in der Lage sind zu kommunizieren, eine Ausdrucksform zu verleihen.
 

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Quelle: uwo.ca, nature.com
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