Dienstag, 21. Oktober 2014

Freispruch für Aron Kosminski? Genetiker werfen Jack-The-Ripper-Identifikation groben Fehler vor


Zeitgenössische Darstellung der Auffindung er Leiche eines der Opfer von Jack the Ripper.

London (England) - Die Nachricht ging wie ein Lauffeuer durch die weltweiten Medien: Anhand eines DNA-Abgleichs wollte der britische Geschäftsmann Russell Edwards den polnischen Emigranten Aron Kosminski eindeutig als den legendären Jack the Ripper identifiziert und damit eines der größten Kriminalmysterien Großbritanniens gelöst haben (...wir berichteten). Jetzt werfen führenden Genetiker dem für die besagten DNA-Analysen verantwortlichen Wissenschaftler einen groben methodischen Fehler vor, auf dessen Grundlage keine Verbindung mehr zwischen einem der Ripper-Opfer und Kosminski nachzuweisen sei. Der Fall Jack the Ripper scheint einmal mehr wieder offen.

Mehrere Genetiker, darunter der Entdecker des genetischen Fingerabdrucks, Professor Sir Alec Jeffreys, Mannis van Oven von der Erasmus Universität in Rotterdam, Professor Walther Parson und Hansi Weissensteiner vom Institut für Gerichtliche Medizin in Innsbruck an der Medizinischen Universität Innsbruck werden von der britischen Tageszeitung "The Independent" mit dem Vorwurf zitiert, der für die DNA-Analyse verantwortliche Dr. Jari Louhelainen habe Bennenungs- und Berechnungsfehler begangen, als er die DNA-Datenbank des Innsbrucker Instituts für die Berechnung der Wahrscheinlichkeit einer genetischen Übereinstimmung verwendet habe.


Sollte sich dieser Vorwurf bestätigen, würde dies bedeuten, dass die Berechnungen falsch sind und die auf dem angeblichen Schal des Ripper-Opfers Catherine Eddowes gefundenen DNA-Spuren von nahezu jedem zeitgenössische Europäer stammen könnten.


Die Forscher erläutern, dass auf dieser Grundlage kein genetischer Nachweis dafür möglich sei, dass die genetischen Spuren auf dem Schal auch tatsächlich von dem Opfer stammen. Die Beweislage gegen Kosminiski, der als einer der ersten Verdächtigen im Falle der Ripper-Morde galt, sei somit nicht besser oder schlechter als zuvor und gegen alle anderen Verdächtigen.


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Bis zum Redaktionsschluss dieser Meldung war uns noch keine Stellungnahme von Seiten Dr. Louhelainen bekannt. Da die Analyseergebnisse bislang jedoch nicht in einem Fachjournal veröffentlicht wurden, bleibt auch den Kritikern bislang nur der Verweis auf die Angaben in Edwards kürzlich erschienenem Buch, in dem die Ergebnisse Louhelainens dargelegt werden.

In diesem beschreibt Louhelainen, er habe sowohl anhand einiger genetischer Spuren auf dem Schal als auch bei einer Nachkommin Eddowes die genetische Mutation "314.1C" gefunden. Ein Abgleich mit der GMI-Datenbank des Instituts habe gezeigt, dass diese sehr selten ist und sich nur in einem von 290.000 Menschen weltweit findet. Diese Wahrscheinlichkeit belege, so der Forscher, dass Teile des genetischen Materials auf dem untersuchten Schal tatsächlich dem Ripper-Opfer zugeschrieben werden können.


Der nun veröffentlichte Vorwurf besagt nun jedoch, dass es sich bei besagter Mutation nicht um "314.1C" sondern "315.1C" handele. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, würde sich der von Louhelainen angegebene Wahrscheinlichkeitswert geradezu in Luft auflösen, da diese Mutation in Wirklichkeit bei 99 Prozent der Europäer zu finden ist. "Liegt die Übereinstimmungshäufgkeit tatsächlich bei mehr als 90 Prozent und nicht bei besagten 1/290.000, so liegt natürlich auch keine Signifikanz dafür vor, dass es eine Verbindung zwischen den genetischen Spuren auf dem untersuchten Schal und Eddowes gibt", zitiert der "Independent" Professor Jeffreys. "Schließlich könnten somit diese genetischen Spuren von nahezu jeder Person auf dem Schal hinterlassen worden sein, die den Schal in den vergangenen 100 Jahren berührt hatte."



Während bislang auch keine Erklärung von Russell Edwards vorliegt, ließ indes der Verlag des Buches (Sidgwick & Jackson) erklären, der Autor stehe auch weiterhin zu seinen Schlussfolgerungen. Allerdings prüfe man derzeit die Vorwürfe. Zugleich erklärt der Verlag aber auch, dass die Schlussfolgerungen des Autors und des Buches, laut denen Kosminsiki Jack the Ripper war, hauptsächlich auf genetischen Analysen weiterer auf dem Schal gefundener DNA-Spuren basiere, die von dem Vorwurf nicht betroffen seien und somit Kosminski auch weiterhin als überführt betrachtet werden könne.

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