Donnerstag, 16. Oktober 2014

Mars-Komet im Anflug: NASA und ESA bringen Satellitenflotte in Habachtstellung


Künstlerische Interpretation des Anflug des Kometen C/2013 A1 an den Mars (Illu.). | Copyright: NASA/JPL-Caltech

Pasadena (USA) - Am 19. Oktober wird der Komet "Siding Spring" (C/2013 A1) unseren Nachbarplaneten Mars in einer Entfernung von 139,500 Kilometern passieren. Das entspricht gerade einmal der halben Distanz zwischen Erde und Mond. Derart dicht hat im Zeitalter der Raumfahrt noch kein Komet die Erde verfehlt. Obwohl nahezu ausgeschlossen ist, dass der Komet selbst den Mars trifft, werden wahrscheinlich Teile seines Schweifs in die dünne Atmosphäre des Roten Planeten eintreten. Aus diesem Grund haben die US-Raumfahrtbehörde NASA und die europäische Raumfahrtagentur ESA schon vor Tagen ihre den Mars umkreisende Satelliten- und Orbiterflotte sozusagen aus der Schusslinie des Kometen genommen und gleichzeitig derart positioniert, dass die Sonden das Spektakel aus der ersten Reihe beobachten und studieren können.

"Diese Nahebegegnung ist ein kosmisches Geschenk an die Wissenschaft", zeigt sich John Grunsfeld, selbst ehemaliger Astronaut uns Wissenschaftsadministrator des Science Mission Directorate der NASA von dem bevorstehenden Vorbeiflug des Kometen am Mars fasziniert. "Gerade dieser Komet ist noch nie zuvor ins Innere Sonnensystem vorgedrungen. Es handelt sich also um eine geradezu jungfräuliche Quelle aus den frühesten Tagen unseres Sonnensystems."


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"Siding Spring" stammt wahrscheinlich aus der Oortschen Wolke, einer kugelförmigen Region, die unsere Sonne in einem Abstand zwischen 5.000 und 100.000 Astronomischen Einheiten (AE/AU = Abstand zw. Erde u. Sonne), umgibt. Sie besteht aus zahllosen eisigen Objekten, die Wissenschaftler für Material halten, das noch aus der Zeit der Entstehung unseres Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren übrig geblieben sind. Es wird das erste Mal sein, dass Wissenschaftler einen Kometen aus der Oortschen Wolke derart dichten Nähe studieren können.


Künstlerische Darstellung der sich hinter dem Mars vor dem nahenden Kometen "Siding Spring" in Sicherheit bringenden NASA-Sonden (nicht maßstabsgetreue Illu.) | Copyright: NASA/JPL-Caltech

Die NASA-Wissenschaftler erhoffen sich die besten Fotos und aufschlussreichsten Daten von den Orbitern der Missionen Mars Odyssey (MMO), Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) und Mars Atmosphere and Volatile EvolutioN (MAVEN).


Das größte Risiko durch die Kleinstpartikel des Kometenschweifs erwarten die Forscher etwa20 Minuten lang 90 Minuten nach der dichtesten Annäherung von "Siding Spring" an den Mars. "Allerdings zeigen uns neueste Modellberechnungen, dass der Schweif doch nicht ganz so tief in die Marsatmosphäre eindringen könnte, wie zuvor vermutet. Es könnte sogar sein, dass seine Partikel überhaupt keine Gefahr für die Sonden darstellen", erläutert Rich Zurek vom Mars Exploration Program der NASA am Jet Propulsion Laboratory (JPL).


Obwohl vergleichsweise dünn, gehen die Forscher davon aus, dass die Marsatmosphäre die beiden derzeit aktiven Mars-Rovern "Opportunity" und "Curiosity" immer noch genügend Schutz bieten wird und so kaum Teile des Kometen die Marsoberfläche erreichen werden.



Mars im Weg: Bisherigen Orbitaldiagramm des Kometen "C2013 A1 (Siding Spring)" am 19. Oktober 2014 (Illu.). | Copyright: NASA/JPL-Caltech

Während die Orbiter von MMO und MRO den Kometen selbst, dessen Rotation, Oberflächenaktivität, Kern, Koma und Ausgasungen studieren werden, soll MAVEN beobachten, wie der Schweif des Kometen mit der oberen Marsatmosphäre interagiert.


"Auch der Teilchendetektor ASPERA-3 an Bord der ESA-Raumsonde "Mars Express" wird während des gesamten Vorbeiflugs aktiv sein", erläutert Markus Fränz vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. Die Forscher hoffen verfolgen zu können, wie sich die Zusammensetzung der Marsatmosphäre durch den vorbeirauschenden Gast verändert. Neben anderen Ionen und Molekülen müsste ASPERA-3 etwa Wassermoleküle aufspüren, die normalerweise in der oberen Marsatmosphäre nicht vorkommen. "Die Zusammensetzung des Schweifs von Siding Spring auf diese Weise zu entschlüsseln, liefert uns ein weiteres Puzzleteil zum Verständnis der Entstehung unseres Sonnensystems", so Fränz.


Hinzu werden derzeit auch die NASA-Weltraumteleskope Hubble, Swift, Kepler, Spitzer und Chandra sowie die auf den Roten Planeten gerichtet. Gemeinsam mit dem erdgestützten Infrarotteleskop der Infrared Telescope Facility auf Mauna Kea auf Hawaii, erhoffen sich Astronomen auch hiervon einzigartige Aufnahmen und Erkenntnisse.



Aufnahme des Kometen Siding Spring mit dem Weltraumteleskop Hubble vom 17. März 2014. | Copyright: NASA, ESA, and J.-Y. Li (Planetary Science Institute)

Darüber hinaus werden auch der Near-Earth Object Wide-field Infrared Survey Explorer (NEOWISE), den Kometen als Teil seiner Mission der Suche nach erdnahen Asteroiden und Kometen ebenso im Auge behalten wie die NASA-Sonnenobservatorien STEREO und SOHO, sowie die das Ballonobservatorium Balloon Observation Platform for Planetary Science (BOPPS).


Auch wir hier auf GreWi werden wir natürlich berichten...


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