Donnerstag, 13. November 2014

Affäre um Cheopskartusche: Deutsche Archäologen und Einheimische in Ägypten zu fünf Jahren Haft verurteilt - Berufungsverfahren hinterfragt Rolle von Zahi Hawass


Die Cheopspyramide. | Copyright: A. Müller, grewi.de


Kairo (Ägypten) - Wegen der angeblichen absichtlichen Beschädigung der sogenannten Cheopskartusche, dem einzigen schriftlichen Hinweis auf Pharao Cheops innerhalb der nach ihm benannten Pyramide auf dem Pyramidenplateau von Gizeh, wurden nun in deren Abwesenheit drei Deutsche und fünf einheimische Helfer von einem Gericht in Kairo zu fünf Jahren Haft verurteilt. Seit Aufkommen der Anschuldigungen weisen die Angeklagten die Vorwürfe strikt von sich und verweisen auf ein Beweisvideo, dass die Schäden schon lange Zeit vor ihren Untersuchungen in der Pyramide aufzeigen. Im jetzt angekündigten Berufungsverfahren wird sich nun wohl auch der ehemalige Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung Zahi Hawass erklären müssen. In einem ausführlichen Interview hat der Dr. Dominique Görlitz sich schon vor einigen Monaten ausführlich in der Sache und zu seinen Entlastungsbeweisen geäußert.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Stefan Erdmann und einem Kameramann wird dem deutschen Experimentalarchäologen und Thor-Heyerdal-Schüler Dr. Dominique Görlitz die unerlaubte Entnahme von Gesteinsproben aus der Pyramide und damit einhergehend die wissentliche Beschädigung der Cheopskartusche, sowie die illegale Ausfuhr nach und Analyse der Proben in Deutschland vorgeworfen.


Wie Görltz und Kollegen jedoch schon vorab in einem Schreiben an die zuständigen Behörden erläutert hatten, habe ihnen die Erlaubnis für Forschungsarbeiten innerhalb der Pyramide vorgelegen. "Wir hatten vorab nicht geplant, die obere Entlastungskammer zu betreten. Dies ergab sich eher zufällig, da sich unsere Untersuchungsmethoden vor Ort geändert hatten", so Görlitz in seinem Schreiben von Dezember 2013 (...wir berichteten). Zudem habe man "die 'Cheopskartusche' in der oberen Kammer niemals auch nur angerührt. (...) Lediglich eine winzige Probe von einem der (benachbarten) Arbeitergraffiti (den sog. 'Vyse paintings'), die sich einige Meter von der Kartusche entfernt befindet und einige winzige Probe von der Decke der Königskammer" sei entfernt worden, so der Forscher weiter. "In beiden Fällen handelte es sich nur im einige wenige Milligramm (an Material). Wir haben niemals etwas gestohlen - wir wollten sogar einen Gegenwert in Form wissenschaftlicher Daten und Erkenntnisse an die ägyptischen Gesellschaft zurückgeben."



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Auch ein Prozessbeobachter der Deutschen Presseagentur (DPA) kommentiert das Urteil als "nicht mehr als ein politisches Exempel". Jeder der Angeklagten habe fünf Jahre Haft bekommen, "egal ob es sich um einen der Deutschen oder zum Beispiel den ägyptischen Reiseführer oder den Wachmann handelt".

Tatsächlich zeigen bereits Videodokumentationen von 2010 und Fotos von 2006 (s. f. Video) genau jene Schäden, die dem Team um Görlitz nun vorgeworfen werden und die laut Anklage erst im April 2013 entstanden sein sollen. Tatsächlich belegen Aufnahmen des US-Archäologen Dr. Robert Schoch, dass diese Schäden 2003 noch nicht vorhanden waren (s.Video).


Wie die ägyptischen Nachrichtenseite "Shorouk News" berichtet, untersuche die Staatsanwaltschaft derzeit daher auch die Rolle des damaligen Antikenminister Zahi Hawass, da die Schäden - so sie bereits 2006/10 vorhanden waren - in dessen Amtszeit und Zuständigkeit fallen würden.


Von der Untersuchung der Cheopskartusche bzw. der benachbarten Arbeitergrafitti erhofften sich Görlitz und Kollegen neue Erkenntnisse über das Alter und die historische Zuordnung der auch als Große Pyramide von Gizeh bezeichneten Cheopspyramide. Zwar gilt diese allgemein als Grabmal des berühmten Pharao, doch sind eindeutige Beweise hierfür spärlich. Die Cheopskartusche, ist der einzige schriftliche Hinweis auf den Pharao innerhalb der Pyramide selbst. Vermutungen, dass es sich bei dieser Kartusche aber um eine spätere Fälschung handeln könnte, kursieren nicht erst seit den Arbeiten von Görlitz und Erdmann. Letztere versuchen in ihrem Forschungsprojekt ihre These über ein deutlich höheres Alter der Großen Pyramide zu beweisen.


Interview mit Dr. Dominique Görlitz vom Juli 2014


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