Dienstag, 11. November 2014

Kosmisches Leuchten könnte von unzähligen galaxielosen Sternen stammen


Zieht man das Licht der bekannten Sterne und Galaxien (m.) von Licht Himmels (l.) ab, bleibt ein diffuses "kosmisches Leuchten" zwischen den Galaxien (r.) zurück. | Copyright: NASA/JPL/Caltech

Pasadena (USA) - Mit einem Raketenexperiment haben US-Astronomen erneut ein schon 2012 entdecktes diffuses "kosmisches Leuchten" untersucht, das mehr Licht darstellt, als das, was von den in unserem Universum bislang bekannten Galaxien stammen kann. Die Wissenschaftler vermuten, dass dieses Leuchten von bislang unbekannten Sternen stammt, die einst aus ihren Heimatgalaxien herausgerissen wurden, als diese etwa mit anderen Galaxien verschmolzen. Die Entdeckung legt die Existenz einer schier unendlichen Vielzahl solcher Einzelgängersterne nahe, die die Weiten des Universums im Raum zwischen den Galaxien durchsetzen. Wie auch um die Sterne innerhalb von Galaxien, so könnten auch um diese intergalaktischen Sterne Planeten und auf diesen vielleicht sogar Leben entstanden sein. Zudem könnte die Entdeckung eines der große Probleme der Kosmologie erklären.

Wie das Team um Professor Jamie Bock und Michael Zemcov vom California Institute of Technology (Caltech) aktuell im Fachjournal "Science" (DOI: 10.1126/science.1258168) berichtet, könne anhand dieses Licht zwar nicht jeder einzelne dieser Sterne selbst dargestellt werden, doch entspreche das "kosmische Leuchten" in seiner Gesamtheit jener Menge des kosmischen Infrarot-Hintergrundlichts, wie es von allen bekannten Galaxien gemeinsam abgegeben werde. Etwa die Hälfte aller Sterne, und damit ein gewaltiger bislang unbekannter Teil der Sterne im Universum, könnten sich demnach außerhalb von Galaxien befinden.


Das Leuchten wurde schon in früheren Experimenten und 2012 mit Weltraumteleskopen wie "Spitzer" entdeckt und von Wissenschaftlern bislang entweder als das Licht der allerersten Galaxien oder eben als Licht galaxieloser Sterne interpretiert (...wir berichteten).


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Anhand einer Analyse des Lichtspektrums der räumlichen Variationen des Hintergrundlichts (s. Abb. o.) erklären die Forscher aktuell, dass diese nicht zur Vorstellung davon passe, dass es sich um das Licht der ersten Galaxien handelt: "Da ihr Licht sehr viel stärker von Wasserstoff absorbiert worden sein sollte, sollten die ersten Galaxien sehr viel rötlicher erscheinen als das, was wir hier sehen", so Zemcov. "Obwohl unsere Experimente auf die Emissionen der ersten Sterne und Galaxien ausgelegt waren, sprechen unsere Daten nun jedoch gegen dieses Bild. Die beste Erklärung, die wir bislang für diese Daten finden konnten ist die, dass es sich um Licht von Sternen außerhalb von Galaxien handelt. Diese Sterne wurden wahrscheinlich durch Gezeitenkräfte innerhalb ihrer einstigen Heimatgalaxien auf gewaltige Distanzen herausgeschleudert, als diese mit anderen Galaxien kollidierten und verschmolzen." 



Aus der Infrarotstrahlung des Himmels (oben) wurde das Licht der bekannten Sterne und Galaxien herausgerechnet, wodurch sich ein flächiges schwaches Lichtmuster offenbart (u.). | Copyright: NASA/JPL-Caltech/GSFC

Sollte sich die Theorie bestätigen, so wäre es durchaus vorstellbar, dass einige - wenn nicht sogar um die meisten - dieser freien, intergalaktischen Sterne auch von Planeten umgeben sind. Tatsächlich wurden solche Sterne bereits 1997 zum ersten Mal mit dem Weltraumteleskop Hubble entdeckt. Mit den bisherigen technischen Mitteln ist es derzeit noch nicht möglich, Planeten um derartige Sterne zu entdecken.

Darüber hinaus, könnte die Entdeckung auch ein großes Problem der Kosmologie lösen, da bislang nur rund die Hälfte der normalen, sogenannten baryonischen Materie aufgespürt werden konnte, die im Kosmos vorhanden sein sollte.


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